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„In Halstenbek gab es keine Juden“ : Keine Stolpersteine in den Baumschulgemeinden

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Stolperstein-Projekt des Künstlers Gunter Demnig gibt es nicht in den Baumschulgemeinden. Es wird auch das „größte dezentrale Mahnmal der Welt “.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 00:33 Uhr

Halstenbek/Rellingen | Der Kölner Künstler Gunter Demnig war wiederholt im Kreis Pinneberg, um mit seinen Stolpersteinen an das Schicksal der Menschen zu erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben worden sind. Die würfelförmigen Betonsteine, 96 mal 96 mal 100 Millimeter groß, mit einer individuell und von Hand beschrifteten Messingplatte liegen unter anderem in Wedel, Quickborn, Tornesch, Pinneberg, Barmstedt. Doch bislang fehlen solche Steine in Halstenbek und Rellingen. Warum?

Die Rellinger Chronik, geschrieben von Manfred O. Niendorf im Jahr 1992, beschäftigt sich ausführlich mit dem Alltag in der NS-Zeit. Ab Seite 180 beschreibt der Autor Einzelschicksale, die unter dem Terror der Machthaber zu leiden hatten. Zwei Eheleute aus der Schwalbenstraße wurden 1941 zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie ein Schaf und ein Schwein geschlachtet hatten. Ein „polnischer Baumschularbeiter – bis zu 400 waren in Rellingen zwangsverpflichtet – wurde 1943 wegen versuchten Verbrechens zu sechs Monaten Straflager verurteilt“. Karl Willmer aus der Hohle Straße wurde im Februar 1945 auf Anordnung der Gestapo in das Organisation Todt-Mischlingslager Zerbst /Anhalt gebracht, seine Mutter Recha ins KZ Theresienstadt verschleppt. Sie überlebte, wanderte nach Amerika aus, wo sie 1955 starb.

Hildegard Lunau, durch die Arbeit in der Geschichtswerkstatt Halstenbek mit Details der Kommune vertraut, hat sich die Frage, ob es Verfolgte im Dritten Reich in der Gemeinde gegeben hat, oft gestellt. Auch habe es oft Anfragen von Schulklassen gegeben, ob beispielsweise Juden in Halstenbek gelebt hätten. „Ich habe dazu meinen Vater befragt. Der hat stets gesagt: „In Halstenbek gab es keine Juden.“ Lunau, die von 2001 bis 2013 das Baumschulmuseum in Pinneberg geleitet hat und selbst aus einer Baumschuldynastie stammt, will aber nicht lockerlassen. Erst jüngst habe ein Schüler bei ihr angefragt, der über die Bombenopfer in Halstenbek recherchieren wolle. Bekannt ist, dass im Juli 1943 beim Angriff auf Hamburg unter anderem auch in Krupunder schwere Schäden entstanden sind. „Dort sind Menschen gefallen“, betont Lunau. Stolpersteine in Halstenbek und Rellingen – möglich, dass Gunter Demnig demnächst seinen Routenplaner für Norddeutschland programmiert.

Bislang hat der Künstler Gunter Demnig 55.000 Stolpersteine verlegt – in 1600 Orten in den Ländern, Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Luxemburg,  Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ukraine und Ungarn. 
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