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Hummelsterben in Pinneberg : Keine Nahrung: Die Hummeln verhungern

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Darum sterben die schwarz-gelben Insekten in Pinneberg, Abhilfe würden Kräuter schaffen.

Etliche tote Hummeln lagen am vergangenen Freitag auf einem Bürgersteig in Pinneberg. Das mysteriöse Hummelsterben, wie Kreissprecher Oliver Carstens es zunächst betitelte, ist aber nicht nur ein Pinneberger Problem. Und ganz so mysteriös ist es auch nicht: „Das Hummelsterben gab es schon immer, oft werden viele tote Tiere unter Linden – speziell der Holländischen Linde – gefunden“, erklärt Carstens. Der Baum, der über dem betroffenen Bürgersteig thront, ist jedoch keine Linde, sondern eine Eiche.

Einige Hummelarten – wie die hierzulande weit verbreitete Gartenhummel – fliegen laut Carstens außerdem nur bis Ende Juli, andere bis August. „Nur wenige Arten wie die Erdhummel, die hier am häufigsten vorkommt, sind bis Oktober aktiv.“ Bei den Hummeln auf dem Bürgersteig Ecke Damm/An der Berufsschule könnte es sich laut Carstens um die Gartenhummel handeln. „Die Weibchen sterben derzeit ab“, sagt er.

Die blauen Kügelchen sehen laut dem Kreissprecher wie Blaukorndünger aus. „Das würde auch erklären, warum dies unter den Rosen zu finden ist. Vermutlich wurde der Dünger gestreut in der Erwartung, dass dieser im Regen aufweicht und so schnell zur Wirkung kommt“, sagt Carstens. „Die Tiere sind aber nicht vergiftet, dies haben Untersuchungen belegt“, sagt der Kreissprecher.

Tote Tiere auch in Rellingen

Auch in der Nachbargemeinde Rellingen hat ein Anwohner in den vergangenen Tagen viele tote Tiere bemerkt. „Besonders viele lagen unter den Bäumen an der Tangstedter Chaussee und der Jahnstraße“, sagt Werner Warnecke, der täglich in Rellingen spazieren geht.

Dass das Hummelsterben zu dieser Jahreszeit durchaus normal sein kann, bestätigt auch Uwe Langrock, Vorsitzender des Nabu (Naturschutzbund) Pinneberg. „So ein Hummelsterben kann generell verschiedene Ursachen haben“, sagt der Pinneberger. Vorrangiges Problem sei aber, dass die Hummeln verhungern. „Denn gerade in Städten gibt es viel zu wenige Sommerblüher“, berichtet der 80-Jährige. „Anfang des Sommers gibt es noch deutlich mehr Nahrung für die Tiere, da ist es einfach blütenreicher. Im Juli aber blüht hier kaum etwas. Und die Korbblüter fangen erst später an“, so der Pinneberger.

Hummeln  sind eine zu den Echten Bienen gehörende Gattung staatenbildender Insekten. Die im weiblichen Geschlecht über einen Wehrstachel verfügenden Hautflügler  gehören zu den Stechimmen, auch Wehrimmen genannt. Sie kommen überwiegend in den gemäßigteren und kühleren Regionen der Nordhalbkugel vor. Ein Hummelvolk besteht je nach Art aus etwa 50 bis 600 Tieren und einer Königin. Die Mehrzahl der Tiere sind Arbeiterinnen, daneben gehören zum Volk auch Männchen, die wie  bei den Honigbienen Drohnen genannt werden, sowie Jungköniginnen. Ein Volk überlebt in Europa nur einen Sommer und ist gewöhnlich im September abgestorben. Es überwintern einzig die begatteten Jungköniginnen, die im frühen Frühjahr des nächsten Jahres allein auf sich gestellt mit der Anlage eines Nestes und damit Gründung eines neuen Staates beginnen. Solche Königinnen erreichen ein Alter von bis zu zwölf Monaten, von denen sie bis zu acht Monate in Winterruhe verbringen. Drohnen und Arbeiterinnen erreichen dagegen in der Regel nur ein Alter von drei bis vier Wochen.

Und warum liegen gerade unter Linden so viele tote Hummeln? „Des Rätsels Lösung ist, dass die Hummeln am Ende ihres natürlichen Lebens ihre Nahrung aus Lindenblüten holen, da oftmals in den Gärten dann nichts anderes mehr zu finden ist“, so Carstens. Trotzdem würden die Tiere dann an natürlicher Alterserschöpfung sterben. Und auch der Nabu-Vorsitzende hat eine Erklärung parat: Das liege daran, dass in Städten oft die Krimmlinde angepflanzt wird. „Die blüht zwei, drei Wochen später als unsere Linden und ist mit das einzige was den Insekten zu dieser Jahreszeit Nahrung bietet“, sagt Langrock. „Die Hummeln fliegen die Bäume halb verhungert an – und haben dann keine Kraft mehr, um sie abzuernten. Sie sterben“, erklärt der Nabu-Vorsitzende.

Deswegen ruft der Pinneberger im Namen des Nabu dazu auf: „Wir alle müssen wieder mehr Sträucher und Kräuter, die im Juli blühen, pflanzen und pflegen.“

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erstellt am 04.Aug.2015 | 14:00 Uhr

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