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Pinneberger Tageblatt

20. September 2017 | 18:33 Uhr

Kein Zeitplan und explodierende Kosten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

InterviewHans Mertens (SPD) über Schulsanierung und Kita-Umbau

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 16:00 Uhr

Mit dem Neubau eines Kindergartens hinter dem Bürgerhaus und der Sanierung der Grundschule beschäftigt die Appener Politik sich derzeit gleich mit zwei Millionenprojekten. Sorgen bereiten dabei vor allem die Umbaumaßnahmen in der Schule, die zu einem Fass ohne Boden werden könnten. Im Interview mit dieser Zeitung erklärt Hans Martens (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Schule, Kultur, Sport und Soziales, woran es hakt.

Frage: Welche Bedeutung haben der Neubau eines Kindergartens und die Sanierung der Schule für die Gemeinde Appen?
Mertens: Beide Vorhaben sind existentiell. Die Gemeinde soll wachsen und wir wollen vor allem Familien mit Kindern nach Appen locken. Die entscheiden sich nur für unsere Gemeinde, wenn wir ein vernünftiges Kita- und Schul-Angebot vorhalten. Mit dem Kita-Neubau und der Schulsanierung stellen wir sicher, dass Appen noch attraktiver wird.

Wie ist die weitere Planung in Sachen Kita-Neubau?
Im eigens für die Planung eingerichteten Arbeitskreis haben sich mit der Awo, dem DRK und der Kirche drei mögliche Kita-Träger vorgestellt. Die Gemeindevertretung soll Anfang Oktober die Entscheidung treffen, wer den Zuschlag erhält.

Der Kindergarten soll 2019 den Betrieb aufnehmen. Kann der Zeitplan eingehalten werden?
Ich hoffe es. Nach der Entscheidung über den Träger erfolgt als nächstes die Auswahl eines Architekten. Die Bauarbeiten müssen spätestens im Sommer 2018 beginnen. Dann könnte 2019 alles fertig sein.

Wie hoch werden die Kosten sein?
Unser Ziel ist, dass es bei den ursprünglich kalkulierten 2,5          bis drei Millionen Euro bleibt. Die Kosten könnten allerdings noch geringfügig ansteigen. Doch selbst, wenn es etwas teurer werden sollte, den neuen Kindergarten bauen wir auf alle Fälle.

Die Sanierung der Schule läuft alles andere als reibungslos. Woran hakt es?
Es gab monatelange Diskussionen, ob in die Schule Fahrstühle eingebaut werden müssen, um die Barrierefreiheit sicherzustellen. Wir als SPD-Fraktion haben von Anfang an gesagt, dass daran kein Weg vorbei führt, weil wir sonst gegen die Landesbauordnung verstoßen würden. Teile der Politik und auch der Architekt waren der Meinung, dass wir um die Aufzüge herumkommen. Dabei war von vornherein klar, dass ein so umfangreicher Umbau wie ein Neubau betrachtet wird. Und deshalb ist die Barrierefreiheit gesetzlich vorgeschrieben. Das ist aber nicht das einzige, was schief gelaufen ist.

Was gibt es noch für Probleme?
Es wurde versäumt, das Gebäude auf Asbest zu überprüfen. Als die Schule gebaut wurde, war es noch üblich, Asbest zu verwenden. Teile der Politik und auch der Architekt hielten eine Überprüfung trotz allem nicht für erforderlich. Nun ist doch Asbest gefunden worden. Das muss jetzt beseitigt werden. Ob noch mehr Asbest entdeckt wird, steht in den Sternen. Dazu kommt, dass eventuell auch noch Wasserleitungen erneuert werden müssen, weil sie nicht mehr den heutigen Ansprüchen genügen.

Was für Folgen haben die Pannen?
Es gibt keinen verlässlichen Zeitplan und alles wird wesentlich teurer. Ursprünglich sind wir von etwa einer Million Euro ausgegangen. Die Kosten dürften sich nun mindestens verdoppeln. Wie viel wir tatsächlich investieren müssen, steht nicht fest. Es werden aber nach meiner Auffassung mindestens zwei Millionen Euro sein. Der Architekt wird im Bauausschuss am 19. September um 19.30 Uhr im Bürgerhaus jedenfalls einige unangenehme Fragen beantworten müssen. Ich frage mich, wie wir alle Probleme zeitnah in den Griff bekommen wollen. Vermutlich hätte man von vornherein damit rechnen müssen, dass bei so einem alten Gebäude mehr zu tun ist als man vorher denkt. Ich hoffe, dass alles vernünftig über die Bühne geht, bin aber momentan nicht sehr optimistisch.

Ist es angesichts dieser Kostenexplosion nicht sinnvoller, gleich neu zu bauen?
Das ist eigentlich nur schwer zu vermitteln, weil die Bauarbeiten bereits begonnen haben und so bereits Fakten geschaffen wurden. Angesichts der jetzigen Probleme sollte ein Neubau aber nicht komplett ausgeschlossen werden. Es wäre ohnehin sinnvoller gewesen, diesen von vornherein in Betracht zu ziehen. Der Neubau wäre zwar teurer, dafür aber eine perspektivische Lösung. Da Appen weiter wachsen soll, wird das jetzige Schulgebäude auf Dauer ohnehin nicht ausreichen. Umso ärgerlicher ist, dass der Umbau zu einem Fass ohne Boden wird und der laufende Schulbetrieb durch die Bauarbeiten und den dadurch entstehenden Lärm und Dreck gestört wird – und das noch mindestens drei Jahre. Deshalb sollten wir noch einmal ergebnisoffen diskutieren, wie wir weiter verfahren. Ich würde mir eine mutige Lösung wünschen.





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