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Pinneberger Tageblatt

25. September 2017 | 01:01 Uhr

„Kein Werben fürs Sterben“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ostermarsch in Wedel: Friedensaktivisten fordern Entmilitarisierung / Die Linke-Sprecher für Umbenennung der Appener Kaserne

Ein klares Nein zu Atomwaffen, Beteiligung an Militäreinsätzen, Rüstungsexporten und Kriegspropaganda. Dafür Politikwechsel hin zu Abrüstung, zu ziviler Konfliktlösung, sozialer Gerechtigkeit und nachhaltigem Umgang mit der Natur. Beim traditionellen Ostermarsch des Friedensnetzwerks am Sonnabendvormittag in Wedel gab es deutliche Worte der Redner. „Unsere Losung bleibt: Nieder mit den Waffen“, sagte Irmgard Jasker, Organisatorin der Veranstaltung, zu der sich etwa 120 Demonstranten auf dem Rathausplatz eingefunden hatten.

Wolfgang Erdmann von der IG Metall kritisierte vor allem die „Attraktivitätsoffensive“ von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Allein 2013 habe die Bundeswehr mehr als 400 000 Kinder und Jugendliche angesprochen. Nach dem Worten von der Leyens solle die deutsche Armee eine verlässliche Karriereplanung für die Soldaten ermöglichen sowie familienfreundlicher, sozialverträglicher und damit einer der attraktivsten Arbeitgeber in der Bundesrepublik werden. „Was für ein Hohn. Da werden demnächst vielleicht auch Heimarbeitsplätze für den Kampfdrohneneinsatz angepriesen“, so Erdmann sarkastisch. Auch hier gelte die Forderung der Schülerbewegung: „Kein Werben fürs Sterben!“. Hart ins Gericht ging der Gewerkschafter auch mit Bundespräsident Joachim Gauck, den er einen „friedenspolitischen Geisterfahrer“ nannte. Gauck habe im Januar 2014 die militaristische „Münchener Sicherheitskonferenz“ als erster Bundespräsident mit seiner Eröffnungsrede politisch aufgewertet. Es sei empörend, dass sich ein Staatsoberhaupt mehr einer imperialen Machtpolitik und den Rüstungskonzernen verpflichtet fühle, als dem Grundgesetz, auf das er vereidigt wurde.

Hinsichtlich der Ereignisse in der Ukraine forderte Erdmann Gespräche und Verhandlungen mit dem Ergebnis, dass eine Beteiligung rechtsextremer und faschistischer Kräfte an der Übergangsregierung ausgeschlossen sein müsse. Zudem seien die Sicherheitsinteressen Russlands genau so ernst zu nehmen wie die der Ukraine. Die Bündnisfreiheit der Ukraine sei von allen Konfliktparteien zu akzeptieren.

Klaus-Dieter Brügmann, Sprecher des Kreisverbands Die Linke, forderte, die Appener Marseille-Kaserne umzubenennen. Der Namensgeber Hans-Joachim Marseille, Flieger im Zweiten Weltkrieg mit mehr als 150 Abschüssen, habe zu keinem Zeitpunkt sein Tun hinterfragt, sondern sei Befehlen nur blindlings gefolgt. Die Linke schlage vor, die Kaserne nach Feldwebel Anton Schmidt, der bis zu 350 Menschen rettete und dafür 1942 hingerichtet wurde, zu benennen. Brügmann forderte den Kommandeur der Appener Unteroffizierschule, Oberst Klaus Christian Kuhle, auf, sich einer öffentlichen Diskussion darüber zu stellen.

Im Anschluss an die Kundgebung marschierten die Teilnehmer durch die Innenstadt bis zum Roland und von dort zum Theaterschiff Batavia, auf der ein Friedensfest mit Musik und Diskussionen gefeiert wurde.

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