Kreis Pinneberg : Kein Ende des Kitastreiks in Sicht

Die streikenden Mitarbeiter der Kitas im Kreis fordern eine bessere Eingruppierung.
Die streikenden Mitarbeiter der Kitas im Kreis fordern eine bessere Eingruppierung.

Ausstand der Erzieher in der Region geht in die zweite Woche. Fronten zwischen den Verhandlungspartnern verhärtet.

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20. Mai 2015, 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Gestern Vormittag in Elmshorn: In den Veranstaltungsräumen eines Hotels an der Hamburger Straße treffen sich zirka 100 Mitarbeiter aus Kindertagesstätten im Kreis Pinneberg zum Streikfrühstück. Die Stimmung ist gut, denn die Frauen und Männer sind fest entschlossen weiter für ihre Sache zu kämpfen. Ihr Sache, das ist die höhere Eingruppierung für Erzieher und Sozialpädagogen. Der Kita-Streik befindet sich mittlerweile in der zweiten Woche − und ein Ende ist nicht absehbar. Gewerkschaft und Arbeitgeber werfen sich gegenseitig Untätigkeit und fehlenden Verhandlungswillen vor.

Vor 40 Jahren wurde Birgit Kornemann ausgebildet, derzeit arbeitet sie in der Lebenshilfe-Kita in Wedel. „Vieles, was früher von Eltern geleistet wurde, übernimmt heute die Kita“, sagt Kornemann. Neben Betreuung und Beobachtung werde auch eine gezielte Förderung erwartet. Zudem hätte die Dokumentation stark zugenommen, so die staatlich geprüfte Kinderpflegerin. „Ich möchte, dass gesehen wird, was wir leisten und dies gewürdigt wird“, so Kornemann. Diesen Wunsch hat auch Stephanie Ghosh-Lorenzen. Die zweifache Mutter arbeitet in Teilzeit in der Kindertagesstätte Bickbargen in Halstenbek. Ein höheres Gehalt und die Aufwertung ihrer Arbeit sind ihre Forderungen. „Wir sind entschlossen“, so Ghosh-Lorenzen, die aber auch an „ihre“ Kinder denkt, die derzeit nur per Not-Betrieb betreut werden können. Neun der insgesamt 25 Mitarbeiter halten diesen derzeit am Bickbargen aufrecht, erläutert Leiterin Ute Pfeiffer. Sie ist auch in Elmshorn, streikt ebenfalls. „Wir haben eine große Verantwortung, Kindern die Normen und Werte der Gesellschaft näher zubringen und sie gut auf die Schule vorzubereiten“, erläutert Pfeiffer ihre Unterstützung für die Forderungen der Gewerkschaften.

Ralf Ziegenbein ist einer der wenigen anwesenden Männer. Der Erzieher und Leiter einer Integrationsgruppe bei der Lebenshilfe bezeichnet den Ausstand sogar als „historisches Ereignis“. Es sei, nach 2009, erst das zweite Mal, dass dieser Berufsstand auf die Straße gehe.

Unterstützung − zumindest in Maßen − erhalten die Streikenden auch von Andreas Paul. Paul ist Vorsitzender der Kreiselternvertretung. Er sagt: „Was sie tun, ist absolut richtig.“ Denn niemand sei bereit, Kinderbetreuung wirklich zu bezahlen. Doch Paul erinnert auch an die Folgen des Streiks: Arbeitnehmer könnten wegen fehlender Kinderbetreuung nicht arbeiten, müssten aber dennoch weiter Kita-Beiträge bezahlen.

Wortführer der Streikenden im Kreis Pinneberg ist Ralf Schwittay, Geschäftsführer des hiesigen Verdi-Bezirks. „Wir wollen dem Berufsstand insgesamt zu einer Aufwertung verhelfen“, sagt Schwittay. Die Arbeitnehmerseite sei ständig gesprächsbereit. „Aber die Arbeitgeber bewegen sich keinen Millimeter“, so der Verdi-Vertreter.

Das sehen die Arbeitgeber gänzlich anders. „Wir sind jederzeit zur sofortigen Fortsetzung der Tarifverhandlungen ohne Vorbedingungen bereit“, sagt Manfred Hoffmann, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). Der VKA habe am 21. April ein Papier mit Vorschlägen für höhere Eingruppierungen übergeben. Seitdem habe es jedoch keine Gespräche mehr gegeben. „Wir appellieren an die Gewerkschaften, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und die Weichen endlich auf Kompromiss zu stellen.“ Die Fronten scheinen verhärtet, ein Ende des Streiks ist nicht absehbar. Morgen reisen die Kreis Pinneberger zu einer Kundgebung nach Itzehoe.

Heute, ab 10 Uhr, informieren Kita-Mitarbeiter und Gewerkschaft auf dem Rathausplatz in Wedel über ihre Forderungen. Dabei wird es auch Angebote für Kinder geben, unter anderem Schminken, Malen und Experimentieren.
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