Abzockmasche in Pinneberg : Kaufleute schlagen Alarm: Trickbetrüger zocken Bürger ab

Der Geschäftsinhaber hat bereits Warnhinweise ausgedruckt und möchte damit seine Kunden vor der miesen Masche schützen.
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Der Geschäftsinhaber hat bereits Warnhinweise ausgedruckt und möchte damit seine Kunden vor der miesen Masche schützen.

Die Täter sind in der Innenstadt unterwegs: Sie geben vor Spenden für eine angebliche Gehörlosen-Schule zu sammeln.

shz.de von
17. Juli 2015, 12:01 Uhr

Pinneberg | Sie täuschen vor, taubstumm zu sein. Sie täuschen vor, für eine Gehörlosen-Schule Spenden zu sammeln. In Wahrheit zocken sie Bürger in Pinnebergs City ab. Doch jetzt schlagen die Kaufleute Alarm. Ein Geschäftsinhaber beobachtet die dubiosen Spendensammler seit Tagen. Der Pinneberger hat bereits Warnhinweise in seinem Laden ausgehängt, möchte seine Kunden vor der miesen Masche schützen.

„Sie halten den Passanten Klemmbretter direkt vor die Nase, wollen Spenden haben. Die stecken sie sich aber in die eigene Tasche“, sagt der 30-jährige. „Was mich besonders ärgert, ist, dass die Polizei nicht wirklich etwas tun kann“, bedauert er. Deswegen geht er jetzt an die Öffentlichkeit. „Ich hoffe, dass so möglichst viele Bürger von den Trickbetrügern erfahren und nicht auf sie hereinfallen“, sagt er.

Die Abzockmasche ist bei der Polizei längst bekannt. „Das kommt im Kreis Pinneberg immer wieder vor“, sagt Polizeipressesprecherin Sandra Mohr. Dabei handele es sich um Gruppen, die von Ort zu Ort ziehen.

„Generell sollte man eine gesunde Skepsis gegenüber solchen Spendensammlern haben“,  betont Mohr. Denn: „Die Masche ist auch ein Trick, um die Leute zusätzlich zu bestehlen.“ Wer Verdächtige sieht oder selbst zum Opfer wird, solle sich an die Polizei wenden.

Das Klemmbrett als Erkennungsmerkmal

Das gelbe Klemmbrett hat er unter dem Arm. Er schlendert durch die Pinneberger Innenstadt. Schaut sich um, sein Blick schweift durch die Einkaufsmeile in der Dingstätte. Dann hat er sein nächstes Opfer gefunden. Er hält dem jungen Mann, um die 20 Jahre alt, das Klemmbrett vor die Nase. Darauf – wortlos – die Bitte, für eine Gehörlosen-Schule zu spenden. Kurz darauf zückt der Passant sein Portemonnaie, gibt dem angeblich taubstummen Mann mit den roten Turnschuhen einen fünf Euro Schein. Und er unterschreibt, mit seinem Namen und seiner Adresse.

Der Inhaber eines Geschäfts in der Dingstätte (der Name ist der Redaktion bekannt) hastet noch aus seinem Laden. Denn das Szenario hat sich vor seinen Schaufenstern abgespielt. „Ich habe noch versucht, den jungen Mann zu warnen. Und dem Betrüger hinterhergerufen: Mach, dass du wegkommst“, berichtet er. Der Mann mit dem Klemmbrett verschwindet zügig Richtung Drostei.

„Seit vergangener Woche treibt schon wieder so eine Bande hier in Pinneberg ihr Unwesen“, sagt er. Wieder? „Ja, sie waren schon mal in der Weihnachtszeit vergangenen Jahres hier unterwegs“, sagt der Pinneberger. „Mich haben sie damals auch angesprochen. Ich habe aber weder mit richtigem Namen noch mit richtiger Adresse unterzeichnet“, erinnert er sich. „Auf der Liste waren bereits mehrere Namen und Geldbeträge. Das sah aber alles nach derselben Handschrift aus“, so der 30-jährige Pinneberger. „Die Beträge befanden sich alle zwischen zehn, 20 und 50 Euro. Ich glaube, damit wird Zahlungsdruck aufgebaut. Man will als Spender ja kein Geizkragen sein“, vermutet er. Und bilanziert: „Von dem Stundenlohn kann man nur träumen.“

Der Kaufmann möchte anonym bleiben. Denn mit dem vermeintlich taubstummen Mann ist er beinahe aneinander geraten. „Ich habe versucht, jemanden vor der Masche zu warnen. Da hat er mich böse angeguckt, ist ein Stück in meine Richtung gelaufen. Er hat wild mit den Fäusten gestikuliert – und geflucht. Er kann also sprechen“, so der Geschäftsmann. „Ich möchte, dass möglichst viele Bürger darüber informiert sind“, sagt er. Was er besonders schlimm findet: „Es gibt Menschen, die tatsächlich eine Behinderung haben – und wirklich Hilfe brauchen. Hier wird Gutmenschentum ausgenutzt – und für die Bedürftigen bleibt am Ende nichts. Das ist dreist, ich brodele innerlich.“

Außerdem handele es sich bei den Tätern vorrangig um südländisch-aussehende Typen. „Viele Flüchtlinge fliehen derzeit vor Elend in ihrer Heimat und kommen hierher. Durch diese Betrüger wird das Flüchtlingsbild nur noch mehr verzerrt“, fürchtet er. Das sei nicht förderlich für die Willkommenskultur. „Was mich auch ärgert ist, dass die Polizei so machtlos ist“, fügt er hinzu.

Auch im Nachbargeschäft sind die vermeintlichen Spendensammler schon bekannt. „Sie haben hier im Dezember sogar im Geschäft selbst mit ihren Klemmbrettern gestanden“, berichtet der 28-jährige Geschäftsmann (der Name ist der Redaktion bekannt). „Die haben bei uns Hausverbot“, kommentiert er.

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