Infrastruktur in Pinneberg : Kath-Brücke: Massive Schäden am Beton

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Der Schein beim Blick von oben auf dem Archivfoto trügt: Die Hans-Hermann-Kath-Brücke ist sanierungsbedürftig.
Der Schein beim Blick von oben auf dem Archivfoto trügt: Die Hans-Hermann-Kath-Brücke ist sanierungsbedürftig.

Tragfähigkeit der Hans-Hermann-Kath-Brücke beeinträchtigt. Analyse soll in den nächsten Monaten erfolgen.

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04. Dezember 2018, 14:00 Uhr

Pinneberg | Viele werden die schrecklichen Bilder aus der Tagesschau noch vor Augen haben: Im August stürzte eine Autobahnbrücke in Genua in Italien ein. Viele Tote waren zu beklagen. Die Ursache war wohl ein gerissenes Tragseil. Wer derzeit über die Pinneberger Hans-Hermann-Kath-Brücke fährt, der kann angesichts der Bilder aus Italien auch ein mulmiges Gefühl bekommen. Bei der routinemäßigen Untersuchung der Unterseite der Hans-Hermann-Kath-Brücke sind im Bereich der Gleisanlagen erhebliche Schäden am Beton vorgefunden worden.

Der Beton ist großflächig abgeplatzt, so dass die Spannglieder frei liegen.
Foto: Stadt Pinneberg
Der Beton ist großflächig abgeplatzt, so dass die Spannglieder frei liegen.
 

Frage an die Verwaltung: Wie hoch ist jetzt das Risiko, dass die Brücke dem Verkehr nicht mehr standhält: „Eine Sperrung ist derzeit nicht erforderlich, da keine Gefahr für die Nutzer besteht“, sagt Rathaussprecherin Maren Uschkurat. Allerdings gilt für Autofahrer derzeit Tempo 30. Richtig sei, dass bei der Hochbrücke kürzlich Schäden entdeckt worden seien. Der Beton sei abgeplatzt. Bei der Untersuchung des abgeplatzten Betons wurden erhöhte Chlorid-Werte festgestellt. Die Laboruntersuchung ergab Chlorid-Werte, die die zulässigen Werte etwa um das 20-fache überschreiten. Fazit: „Damit ist die Tragfähigkeit der 1969 gebauten Brücke beeinträchtigt“, so Uschkurat.

Tausalze könnten zu Korrosion geführt haben

Hintergrund: Im Winter werden Betonflächen mit Frosttaumitteln, in der Regel mit Tausalzen, bestreut. Das zur Verwendung kommende Salz enthält einen hohen Anteil Chlorid. Beim Auftauen bildet sich eine Natriumchloridlösung. Diese kann zu Lochfraßkorrosion, insbesondere beim empfindlichen Spannstahl, führen. Wie geht es jetzt weiter? „Es erfolgt in den nächsten Monaten eine Schadensanalyse zur Ermittlung der Resttragfähigkeit der Brücke“, berichtet Uschkurat. Diese umfasse die Nachrechnung auf Grundlage der Bestandsstatik und der zum Bauzeitpunkt geltenden Normen für den Brückenschaden oberhalb der Gleise der Deutschen Bahn. Darüber hinaus erfolge eine ergänzende Betonuntersuchung auf Chlorid-Belastung.

Auch Schäden an Thesdorfer Brücke befürchtet

Das Ergebnis soll im April 2019 vorliegen. Auf dieser Grundlage werde ein Instandsetzungskonzept für die Brücke erarbeitet. Die geschätzten Gesamtkosten dieses ersten Arbeitsschritts unter anderem für Ingenieure, Labor, Materialgutachten und Verkehrssicherung betragen etwa 70.000 Euro. „Die Instandsetzungsmaßnahmen sind abhängig von den Untersuchungsergebnissen sowie von den möglichen Sperrzeiten der Deutschen Bahn für die Gleisanlagen“, sagt sie. Die Kosten werden auf etwa 100.000 bis 150.000  Euro geschätzt. Danach gebe es eine statische Nachrechnung des Überbaus der Brücke, um das gesamte Bauwerk neu bewerten zu können. Kosten: 100.000 Euro. Auf dieser Grundlage werde dann die voraussichtliche Restnutzungsdauer der Brücke festgestellt. Anschließend wird auch die Frage gestellt, ob eine weitere Sanierung erfolgen muss, die Brücke abgerissen oder neu gebaut werden soll.

Auch die etwa 50 Jahre alte Brücke in Thesdorf könnte Schäden aufweisen. Anfang 2019 soll ebenfalls hier eine Untersuchung dieses Bauwerks erfolgen. Das Thema maroder Brücken in Pinneberg ist auch am Dienstag, 4. Dezember, Thema im Ausschuss für Stadtentwicklung. Beginn im Pinneberger Rathaus an der Bismarckstraße ist um 18.30  Uhr.
 

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