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Flüchtlinge in Pinneberg : Kaserne als Unterkunft: Weder Duschen noch genügend Klos

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kasernen-Gebäude für Flüchtlinge: Bis zu 300 Menschen hätten Platz. Noch sind aber nicht alle offenen Fragengeklärt.

Pinneberg | Bis zu 300 Flüchtlinge hätten Platz in dem ehemaligen Kasernengebäude auf dem Pinneberger Eggerstedt-Gelände. Doch von heute auf morgen ist das sogenannte Haus 3 nicht bezugsfertig. Das teilte die Verwaltung mit. Derzeit verfüge das Gebäude nicht über eine ausreichende Anzahl von Sanitärräumen. Genügend Toiletten fehlten und Duschgelegenheiten seien gar nicht vorhanden. Aber auch Entsorgungsleitungen müssten neu erschlossen werden. Dies könnte frühestens ab Anfang November erfolgen, so die Verwaltung

Im Frühjahr ist Pinnebergs Wirtschaftsförderer Stefan Krappa noch zur Hannover Messe gereist, um Investoren für das Kasernengebäude – auch als Haus 3 bekannt – auf dem Eggerstedt-Gelände zu gewinnen. Seit der jüngsten Sitzung der Ratsversammlung steht fest: Haus 3 soll zur Unterbringung von Flüchtlingen herhalten. Das Projekt ist Teil eines Masterplans der Verwaltung, um genügend menschenwürdige Unterkünfte zu schaffen.

„Eine Begehung des Hauses 3 ist erfolgt und es wird grundsätzlich für eine vorübergehende Unterbringung von Asylbewerbern als geeignet angesehen“, sagt Marc Trampe, Sprecher der Pinneberger Verwaltung. Durch die Nutzung würden zusätzliche Kapazitäten entstehen und gleichzeitig könnten gegebenenfalls die Pensionsunterbringungen reduziert werden. Insgesamt könnten dort bis zu 300 Menschen Platz finden, je nach Entwicklung der Lage.

Aktuell gibt es 293 Flüchtlinge in der Kreisstadt. Laut Schätzungen könnten es bis Ende des Jahres 600 sein. „Die Realisierung dieser größeren Unterkünfte verschafft uns Luft für die Planung weiterer Unterkünfte“, sagt Bürgermeisterin Urte Steinberg. Künftig, so der Plan, werden Asylbewerber auch zentral und in großen Einheiten untergebracht.

Doch Haus 3 wäre nicht sofort beziehbar, da die Voraussetzungen für eine Unterbringung zunächst geschaffen werden müssten. Derzeit verfügt das Gebäude nicht über eine ausreichende Anzahl von Sanitärräumen. Genügend Toiletten fehlen. Duschgelegenheiten sind derzeit keine vorhanden. Die Entsorgungsleitungen müssten neu erschlossen werden. Dies könnte frühestens ab Anfang November erfolgen, wenn die Baustraße fertig gestellt ist. Derzeit fahren und buddeln dort noch die Bagger. Für die bauliche Planung wird die Verwaltung ein externes Planungsbüro beauftragen, teilt Trampe mit. Verwaltungsintern würden die Planungen zur Belegungskonzeption, Essensversorgung, Abgrenzung zu Nachbargrundstücken und Sicherheitskonzeption weiter forciert werden. Auf dem riesigen Gelände entsteht auch die Parkstadt mit 250 neuen Wohneinheiten. Ein Schulcampus ist dort ebenfalls vorgesehen. Im Hallenbereich ist die Einrichtung von abgetrennten Räumen geplant, die durch das Aufstellen von Trennwänden geschaffen werden sollen. Zusätzlich sollen Gemeinschaftsbereiche, Spielecken und Räume für Sozialarbeit entstehen.

Die Pinneberger SPD lobt, dass die Verwaltung während der jüngsten Ratsversammlung im Hinblick auf die Unterbringung von Flüchtlingen eine Reihe dringlicher Fragen klären konnte. Erstmals habe  Bürgermeisterin Urte Steinberg einen zusammenfassenden Bericht vorgelegt, wie sie in den nächsten Monaten das Problem angehen wolle, so die Fraktionsvorsitzende der SPD, Angela Traboldt.
Die Sozialdemokraten fordern indes von der Verwaltung noch weitere Informationen. Beispielsweise wollen   sie Auskunft über die aktuelle Zahl der Flüchtlinge und möchten erfahren, in welchen Unterkünften diese untergebracht sind – ob in Hotels, in eigenem Wohnungsbestand oder in Mietwohnungen. Des Weiteren möchten sie wissen, wie hoch die bislang aufgelaufenen finanziellen Belastungen sind, die allein von der Stadt zu schultern sind. Das gelte auch für die künftig zu erwartende Entwicklung.
Pinneberg müsse nicht nur genügend Unterbringungsmöglichkeiten, sondern im Haushalt auch die finanziellen Voraussetzungen schaffen. „Die Verwaltung muss der Politik belastbare Vorschläge unterbreiten“, sagte Traboldt.
Diese Vorschläge erwarten die Sozialdemokraten in den nächsten Sitzungen des Finanz- und des Sozialausschusses ebenso wie eine konkrete Zeitplanung der von der Verwaltung vorgeschlagenen Flüchtlingsunterkünfte in Pinneberg.

Zur Vorbereitung der Inbetriebnahme würden Planungs- und Baukosten anfallen. Die Höhe lässt sich derzeit noch nicht ermitteln. Die Planungskosten werden auf etwa 50.000 Euro geschätzt. Über die Höhe der Baukosten lassen sich derzeit noch keine Angaben machen, so Trampe. Er stellte auch klar, dass die Nutzung der Kaserne als Flüchtlingsunterkunft nicht dauerhaft erfolgen, sondern ausschließlich die Unterbringung der zu erwartenden Flüchtlinge in der kommenden Zeit gewährleisten werden soll, um die Belegung von Sporthallen oder den Aufbau von Zeltstädten so weit wie möglich zu vermeiden.

Die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt werden am Dienstag, 22. September darüber beraten, ob die Kaserne zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut werden soll. Beginn im Rathaus ist um 18.30 Uhr.
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erstellt am 16.Sep.2015 | 12:15 Uhr

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