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Kampfansage an Pinnebergs Bürgermeisterin : Kandidatur nicht ausgeschlossen: Erster Teil des shz.de-Interviews mit Ex-Werksleiterin Silkata Sahin-Adu

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Silkata Sahin-Adu liebäugelt mit dem Bürgermeisteramt, das verrät sie im shz.de-Interview.

von
erstellt am 31.Jul.2017 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Schon lang ist über einen Vorfall in Pinneberg nicht so heftig diskutiert worden. Der Besuch eines Seminars, für das sie keine Genehmigung hatte, brachte Werksleiterin Silkata Sahin-Adu zu Fall. Da die Fortbildungsmaßnahme nicht genehmigt wurde, nahm die damalige Chefin des Kommunalen Servicebetriebs Pinneberg (KSP) dafür extra Urlaub, um dennoch daran teilnehmen zu können. Die Seminarkosten in Höhe von 160 Euro ließ sie sich aber von der Stadt erstatten. Es folgte ein fristloser Rauwurf, gegen den Sahin-Adu gerichtlich vorging. Während einer Kammerverhandlung vor dem Arbeitsgericht ist es zu einem Vergleich gekommen: eine Abfindung von 15.888 Euro. Doch als Niederlage sieht sie die Einigung nicht an. In einem Interview mit shz.de beleuchtet sie die vergangenen Monate. Und überrascht mit der Aussage, dass sie sich eine Bürgermeisterkandidatur für Pinneberg vorstellen kann. Gewählt wird am 9. September 2018.

Wie fühlen Sie sich?
Silkata Sahin-Adu: Sehr gut, danke! Ich konnte mich ein Vierteljahr bei vollen Bezügen plus Abfindung um Gesundheit, Familie, Freunde, Haus, Garten, Zukunftsplanung, Bewerbungen kümmern und sogar eine Woche Urlaub machen. Das tat gut.

Bereuen Sie es, dass Sie zu dem Seminar gefahren sind?
Nein, warum? Die Tagungsthemen des Verbands der Friedhofsverwalter Deutschlands – es war ja kein Einzelseminar – waren stets interessant, relevant und wichtig für meine damalige Tätigkeit. Ebenso der Austausch mit anderen Führungskräften der öffentlichen Hand. Der Erwerb von Wissen und Kontakten ist nur verloren, wenn er nicht geteilt wird. Insofern wird nun mein künftiger Arbeitgeber davon profitieren.

160 Euro – das ist eine relativ kleine Summe. Warum wurde das Problem nicht intern gelöst?
Das müssen Sie nicht mich fragen. In den letzten Jahren meiner Leitungstätigkeit habe ich alle Probleme mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern intern lösen können – mindestens ohne mediale Aufmerksamkeit. Eine Aussprache mit mir, um die Option der Rückzahlung oder die nachträgliche Anerkennung der Dienstreise zu kommunizieren, fand ja leider nicht statt, ebenso keine Anhörung im Hauptausschuss. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass zu keinem Zeitpunkt eine persönliche Bereicherung in Höhe von 160 Euro stattgefunden hat. Die Kosten war die Gebühr für das Seminar, zu deren Besuch ich Urlaub nahm.

Haben Sie das Gefühl, dass man Sie loswerden wollte und nach einem Vorwand gesucht hat?
Ja – was denn sonst? Der verwaltungsrechtliche Fehler an sich wäre unproblematisch heilbar gewesen. Die Bürgermeisterin hat einige tausend Euro zurückgezahlt. Da machen die 160 Euro keine zehn Prozent aus.

Die CDU wirft Ihnen auf ihrer Website indirekt vor, dass Sie das Seminar nur genutzt haben, um ein schönes Wochenende mit Ihrem Lebensgefährten zu verbringen. Was erwidern Sie?
Beziehungsaffären oder Vorwürfe aus der Pinneberger CDU-Ortsfraktion erscheinen für mich seit ein paar Tagen in einem ganz neuen Licht. Vor der Erkenntnis, dass der Werkausschussvorsitzende des Kommunalen Servicebetriebes (gemeint ist Torsten Hauwetter, Anm. d. Red), der die Interessen des KSP maßgeblich vertreten sollte, mit der Bürgermeisterin liiert ist, habe ich die Unterstellungen und Interessengemengelagen nicht nachvollziehen können. Vermutlich spielten aus psychologischer Sicht eine Projektion eigener Gedanken mit... Ob eine Tagung beim Verband der Friedhofsverwalter einem „schönen Wochenende“ mit meinem Lebensgefährten gleichkommt, wage ich zu bezweifeln. Da gibt es romantischere Events. Aber Spaß beiseite: Mein Eindruck ist, dass die Ortsfraktion der CDU hier nicht ganz einig war und ist. Es gibt in Pinneberg auch CDU-Mitglieder, die mir gegenüber meine Sachkenntnis, meine systematische Arbeit und umfängliche Auskunftsfähigkeit in Ausschüssen oder auf Anfragen oft gelobt und gewürdigt haben. Wer selbst längere Zeit in Aufgaben mit breiter Leitungsspanne tätig war, weiß genau, dass regelmäßige Fortbildungen und fachlicher Austausch zwingend notwendig sind. Wer darin unerfahren ist, mag zu solch einer Beurteilung kommen.

Aus der gleichen Ecke kommt der Vorwurf, dass Sie mit Ihrem Lebensgefährten eine Firma betreiben, obwohl Sie beim KSP beschäftigt waren?
Den Vorwurf kannte ich noch nicht! Also: Falls dies ein Vorwurf sein sollte, lag zu meinem Amtsantritt auf jeden Fall eine Nebentätigkeitsanzeige für mein Büro vor. Das Wichtigste ist doch, dass die vertraglich geschuldete Leistung gegenüber der Stadt erbracht wird und kommunale Aufgaben erledigt werden.

Silkata Sahin-Adu (45) ist in Dortmund geboren. Sie lebt heute in Hamburg und hat zwei Kinder. Sahin-Adu studierte Architektur und Hochbau. Ihre Vorfahren väterlicherseits kommen aus Ghana.

Nächstes Jahr sind Bürgermeisterwahlen in Pinneberg. Könnte es sein, dass mit Ihnen eine Konkurrentin aus dem Weg geschafft werden sollte?
In dieser Stadt ist alles möglich. Das lässt sich leider nicht ausschließen. Die Vermutung wurde mir gegenüber von verschiedenen Ratsmitgliedern geäußert.

Haben Sie schon einmal überlegt, sich für das Amt zu bewerben?
Generell ausschließen mag ich das nicht. Es kommt aber doch nicht darauf an, was ich möchte, sondern darauf, was die Pinneberger Bürgerinnen und Bürger sich wünschen. Ein ehemaliger Kollege hätte auch schon einen großartigen Wahlslogan, nachdem ich ihm von meinem Besuch bei der Bundesagentur für Arbeit erzählte: „Pinneberg – Ich kann nicht anders!“ Aber mal ernsthaft: Ich kann mit Menschen umgehen, habe Kommunalverwaltungserfahrungen, bin gut organisiert, denke positiv und habe genug technisches Verständnis, um komplizierte Sachverhalte zu verstehen und diese auch Nichtfachleuten einfach zu erklären. Der Umgang mit Kritik aus Einwohnerfragestunden oder Ausschüssen ist für mich Routine. Bei unterschiedlichen Interessenlagen inner- und außerbetrieblich ergebnisorientiert zu vermitteln gehörte die letzten Jahre ebenfalls zu meinem Alltag.

Jetzt haben beide Parteien einem Vergleich zugestimmt. Sind Sie damit zufrieden oder haben Sie sich mehr erhofft?
Den ersten Punkt des Vergleichs – also, dass die Vorwürfe gegen mich aus der fristlosen Kündigung ausdrücklich nicht aufrechterhalten werden – fand ich persönlich sehr wichtig. Das stand leider nicht so in der Pressemitteilung der Bürgermeisterin. Im Ergebnis haben wir uns auf eine Vertragsaufhebung mit Abfindung geeinigt. Es war menschlich sehr enttäuschend, dass da eine „Erfolgs“-Pressemeldung verkündet wurde, die mit dem gerichtlich geschlossenen Abkommen, wenig zu tun hatte. Die Summe, mit der mein Anwalt in die Verhandlungen gegangen ist, hatte er aus seiner Erfahrung im Rahmen der Vorschriften und Rechtsprechung des gängigen Arbeitsrechts ermittelt. Der Richter hatte einen Gegenvorschlag in den Raum gestellt. Die Gegenseite meinte, weiter verhandeln zu müssen. Da ich mit solchen Querelen in meiner Berufslaufbahn noch nie zu tun hatte, bin ich froh, dass es jetzt ausgestanden ist. Die Bewertung meines fachlichen Könnens wäre in der derzeitigen Konstellation in der Stadtverwaltung ohnehin den handelnden Personen kaum möglich.

Das haben dann andere besorgt...
Daher habe ich mich umso mehr über die Unterschriftenlisten – gezeichnet von ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, namhaften Handwerksbetrieben und Ingenieurbüros aus Pinneberg und Umgebung, Lehrern, Pinneberger Institutsleitungen und Privatpersonen, die Referenzschreiben der Bürgernahen und der Pinneberger Schulleitungen gefreut. Ich habe ganz tolle Geschenke bekommen von Strickgutscheinen, Blumen, Kuchen, Wein, Schutzengeln bis lieben Grußkarten, Leserbriefen. Es gab ermutigende Gespräche, Mails, SMS, Whatsapp – das bedeutet mir mehr, als auf einem Arbeitszeugnis von einer Stadtverwaltung zu bestehen, die die Aufgaben der Werkleitung eines kommunalen Unternehmens wie dem KSP gar nicht verstehen oder gar würdigen kann.

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