Bürgermeisterwahl in Pinneberg : Kandidat Jitendra Sharma noch ohne Unterstützer

Der Pinneberger Taxifahrer Jitendra Sharma will ins Rathaus.
Der Pinneberger Taxifahrer Jitendra Sharma will ins Rathaus.

Die Grünen kündigen ein Gespräch mit dem Mitbewerber von Urte Steinberg an.

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19. Juli 2018, 12:30 Uhr

Pinneberg | Das Überraschungsmoment hat er auf jeden Fall auf seiner Seite: Jitendra Nilam Chand Sharma. Auf den letzten Drücker entschied sich der Pinneberger Taxifahrer, für die Bürgermeisterwahl am Sonntag, 9.  September, zu kandidieren (unsere Zeitung berichtete). Seine Motivation: Der Bürger solle eine Wahl haben. Der 47-Jährige tritt gegen Amtsinhaberin Urte Steinberg (parteilos) an.

Steinberg hat die CDU und FDP auf ihrer Seite. Sie stellten die Pinnebergerin als Kandidatin auf. Sharma war zwar fast zehn Jahre lang Mitglied der CDU-Fraktion, hat aber bislang keine Partei im Rücken, die ihn unterstützt. In Frage kämen die SPD, die Grünen und die Bürgernahen. Alle drei könnten Sharma als ihren Kandidaten ins Rennen schicken. Doch bislang gab es noch keine Jubelstürme aus der Politik, auch wenn FDP–Fraktionschef Werner Mende einräumte: „Er macht einen sympathischen Eindruck.“

Auch ein Taxifahrer könne qualifiziert sein

„Ich kenne den Herrn nicht. Wir müssen in der Fraktion beraten, ob er ein geeigneter Kandidat ist“, sagte Kai Vogel, Vorsitzender der SPD in Pinneberg. Auch ein Taxifahrer könne qualifiziert sein für das Amt des Bürgermeisters.

„Wir werden uns nach der Sommerpause damit beschäftigen. Im August“, sagte Uwe Lange, Fraktionsvorsitzender der Bürgernahen.

Auch Joachim Dreher, Fraktionschef der Grünen und Unabhängigen, kündigte gestern an, dass er Gespräche mit dem gebürtigen Inder führen werde. Womöglich noch in den Sommerferien. Doch Dreher stellte auch klar: „Mir ist noch nicht ganz klar, warum er Bürgermeister von Pinneberg werden möchte.“ Auch zu seinen Zielen für Pinneberg möchten die Grünen und Unabhängigen Sharma befragen. Schulbausanierung, mehr Kitaplätze, weniger Kitagebühren, Gewerbesteuern senken und die Verwaltung effizienter gestalten – so umriss der 47-Jährige kurz seine Ziele im Gespräch mit shz.de.

Eher Diener als Bürger

Sollte sich keine Partei für eine Unterstützung von Sharma entscheiden, würde das den Taxifahrer wohl auch nicht traurig machen: „Alle Bewohner von Pinneberg sind meine Partei“, sagte er. Sharma versteht den Job des Bürgermeisters auch eher als Diener der Bürger. Ein Bürgerdiener will er sein. Über seine Gegenkanditatin will er sich nicht äußern. Weder Lob noch Kritik: „Wenn man nichts Gutes über jemanden sagen kann, sollte man lieber schweigen“, sagte er.

Den Underdog-Status hat Sharma auf seiner Seite. Seine Vita könnte die eines Hauptdarstellers aus einem Herz-Schmerz-Film à la „Slumdog Millionär“ sein: Geboren am 12. Juni 1971 in Surat, der Hauptstadt des Edelsteinhandels, kam er 1993 nach Pinneberg. Der Liebe wegen. Seine heutige Frau lebte in der Kreisstadt, kennengelernt hat er sie in Indien. Er wagte einen Neubeginn: Als Tellerwäscher in Hamburg hat er sich seinen Taxiführerschein finanziert. Auch später noch hatte er zwei Jobs, während seine Frau bei McDonald’s arbeitete, um das eigene Haus abzubezahlen. Heute ist sie Disponentin in einem Rellinger Unternehmen. Zwei erwachsene Söhne hat das Paar. Beide studieren.

Vom armen Tellerwäscher zum Bürgermeister, ein Hauch von Bollywood in der Kreisstadt? Am 9.  September hat der Bürger das letzte Wort.

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