„Ich habe keine Schranken im Kopf“ : Kandidat Bernhard Janz im Interview vor der Tornescher Bürgermeisterwahl

Bernhard Janz: Der Bürgermeisterkandidat genießt die Natur im Esinger Wohld.
Bernhard Janz: Der Bürgermeisterkandidat genießt die Natur im Esinger Wohld.

Bernhard Janz äußert sich im Interview mit shz.de zu seinen Plänen: Mehr Bürgernähe und Beseitigung von Mängeln in der Infrastruktur.

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24. Mai 2018, 16:05 Uhr

Tornesch | Bernhard Janz tritt als CDU-Kandidat an. Der 55-jährige Diplom-Wirtschaftsingenieur arbeitet derzeit bei den Stadtwerken Kiel in leitender Position. Der ehemalige Tornescher Ratsherr lebt mit seiner Frau und einem Sohn in Tornesch.

Frage: Was macht den Esinger Wohld zu Ihrem Lieblingsplatz in Tornesch?
Bernhard Janz:
Die Nähe zur Natur. Der Wohld bietet uns Torneschern die Möglichkeit, schnell in ein grünes Gebiet zu fahren. Mit meinem Sohn bin ich mit dem Fahrrad oft hierher gekommen.

Bietet Tornesch genügend grüne Lungen, oder müsste mehr für die Naherholung getan werden?
Wir haben viele grüne Flecken. Mein Wunsch wäre es, diese zu verknüpfen. Eine Möglichkeit wäre es, Rundwanderwege zu schaffen. Damit würden wir viel für die Naherholung tun.

Was zeichnet einen guten Bürgermeister aus?
Bürgernähe. Die Bürger mit der Politik zusammenbringen, um dann kluge Entscheidungen mit dem Verwaltungsteam umzusetzen.

Im Gegensatz zu Ihrer Konkurrentin verfügen Sie über keine Verwaltungserfahrung – sehen Sie das als Nachteil?
Ich sehe es als Vorteil. Ich muss mir sicherlich möglichst schnell Wissen aneignen. Dafür habe ich aber keine Schranken im Kopf und kann über Tellerränder schauen. Der Blick ist freier und zeigt vielleicht den ein oder anderen neuen Weg auf.

Kritiker könnten sagen, dass man ganz ohne Einblick in Verwaltung und Verwaltungsrecht der Führung einer Stadtverwaltung nicht gewachsen ist. Was entgegnen Sie diesen?
Ein wenig Erfahrung habe ich. Ich war neun Jahre aktiv in der Kommunalpolitik und kann mir schnell ein Bild davon machen, was wichtig ist.

 

Haben Sie konkrete Pläne für Umstrukturierungen oder Innovationen für die Verwaltung?
Umstrukturierung ist ein sehr hartes Wort. Ich möchte erst einmal die Mitarbeiter und die Struktur der Verwaltung in der Tiefe kennen lernen. Als Ratsmitglied konnte ich nur einen oberflächlichen Eindruck erhalten. Ein Wunsch von mir ist es, das Rathaus sehr schnell digital zu gestalten, damit die Bürger ihre Anliegen online erledigen können und sich viele Wege sparen.

Der Fachkräftemangel erschwert, Posten zu besetzen. Ist es vor diesem Hintergrund erforderlich, eine Verwaltungsgemeinschaft oder zumindest eine Kooperation mit einer anderen Verwaltung einzugehen?
Wenn ich bei den Bürgern vor Ort bin, höre ich viel Gutes über unsere Verwaltung, zum Beispiel wie pragmatisch und bürgerfreundlich Entscheidungen getroffen werden. Ich denke, wenn wir Gemeinschaften eingehen, könnte diese Nähe gefährdet sein. Daher möchte ich mir erst einen Überblick verschaffen und das gemeinsam mit den Mitarbeitern analysieren. Ich bin überzeugt, dass wir viele gute Mitarbeiter mit vielen guten Ideen haben.

Tornesch ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Die Infrastruktur – Schulen, Kitas, Straßen – hinkt hinterher. Wie viele Einwohner verträgt Tornesch noch?
Die Infrastruktur ist genau mein Thema. In dem Baugebiet „Tornesch am See“ wurde es zum Beispiel versäumt, die Verkehrsführung klug zu lenken. Es führt nur eine Straße auf die K 22, vier Wege führen auf andere Straßen, die völlig überlastet sind. Und auch der Öffentliche Personennahverkehr muss innerhalb von Tornesch ausgebaut werden. Wir müssen mit intelligenten Maßnahmen eine gute Struktur schaffen. Das heißt für mich: Im Moment können wir nicht weiter wachsen. Grundsätzlich lebt eine Stadt vom Wachstum. Jetzt aber müssen wir zuerst die Versäumnisse der Vergangenheit beheben.

Was sind neben der Verkehrsinfrastruktur Ihre wichtigsten Themen?
Zum Thema Infrastruktur gehört für mich auch die digitale Infrastruktur dazu. Ich merke das an meinem Sohn: Er vermisst schnelles Internet. Es gibt viele Gebiete in Tornesch, die noch nicht gut erschlossen sind. Ein anderes Thema ist: Ich möchte Politik und Verwaltung den Bürgern näher bringen. Das heißt, ich werde eine Bürgermeistersprechstunde einführen und dazu mindestens ein Mal im Quartal eine Sprechstunde auf unserem Markt am Freitag. Dazu werde ich auch die Parteien einladen, damit der Bürger merkt, dass wir nicht nur alle vier, fünf Jahre da sind.

 

Wie haben Sie den Wahlkampf bislang empfunden, lief alles fair?
Es gibt kleine Scharmützel zwischen den Parteien und da werden die Bürgermeisterkandidaten immer wieder mit reingezogen. Unter den Kandidaten selbst habe ich keine größeren Knackpunkte erlebt, im Gegenteil: Mit Frau Münster habe ich mich auch ausgetauscht.

Wie haben Sie die Kandidatur mit Ihrem derzeitigen Arbeitgeber geregelt – haben Sie vorsorglich gekündigt, um das Amt am 1. Juli antreten zu können?
Gekündigt habe ich nicht. Ich habe meinen Arbeitgeber informiert, noch bevor ich mich öffentlich beworben habe. Es ist keine schöne Situation, aber ich habe meinen Arbeitgeber jederzeit zeitnah informiert. Schade fand ich allerdings, dass weder Herr Krügel noch die SPD auf meinen Vorschlag eingegangen sind, die Wahl rechtzeitig stattfinden zu lassen, damit Kandidaten mit einer Kündigungsfrist diese auch einhalten können. So hätten diese ihren Arbeitgeber erhobenen Hauptes und mit geradliniger Kündigung verlassen können.

Käme für Sie nach einer Niederlage eine Rückkehr in die Kommunalpolitik infrage?
Das kann ich heute nicht sagen. Ich habe mich für das Ziel Bürgermeister entschieden. Die ehrenamtliche Tätigkeit in der Kommunalpolitik war für mich vom zeitlichen Aufwand nicht mehr möglich. Aber die Kommunalpolitik hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich bin aber optimistisch und gehe davon aus, dass ich am 27. Mai gewählt werde.

Gehen wir also von Ihrem Wahlsieg aus. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit Frau Kählert vor?
Frau Kählert ist eine fähige Mitarbeiterin. Wenn sie gewinnt, hätten wir in der Verwaltung eine Lücke, die geschlossen werden müsste. Sie hat jahrelange Erfahrung – in Ihrem Bereich. Für die Bürger wäre es eine Win-win-Situation: Wenn ich Bürgermeister werde, kann ich auf die Erfahrung von Frau Kählert als wertvolle Mitarbeiterin weiterhin setzen.

„Gestalten statt verwalten“ – mit diesem Slogan wird auf CDU-Plakaten jetzt für Sie geworben. Das Motto finde ich ungewöhnlich: Zieht sich die CDU aus dem Rat zurück, wenn Sie Bürgermeister werden? Denn wenn die CDU das Gestalten auch der Verwaltung überlässt, was tut sie dann noch?
Der Slogan ist ungewöhnlich. Ein Bürgermeister muss auch Impulse geben, Schwerpunkte setzen. Dazu muss er mit allen Parteien reden und sie zusammenbringen – im Sinne unserer Stadt. Der Bürgermeister sollte aus den Programmen der Parteien das Beste herausfiltern und sagen: „In diese Richtung möchte ich zusammen gehen“.

Sie werden aber nicht gefühlter Fraktionsvorsitzender der CDU?
Nein, das Amt ist völlig getrennt.

Bernhard Janz persönlich

Für das Bürgermeisteramt bewerbe ich mich, weil ... ich Tornesch lebens- und liebenswert gestalten möchte.

Mein Lebensmotto ist... Optimismus.

Mein größter Fehler ist ... Ungeduld.

Charakterstärke ist für mich... sehr wichtig.

Als Kind war mein Traumberuf... Lehrer oder Polizist.

Wütend macht mich ... Unehrlichkeit.

Begeistern kann ich mich für ... alles Schöne auf der Welt.

Richtig abschalten kann ich, wenn... ich Motorrad fahre.

Mein schönstes Urlaubsziel ist... Sonne und Strand.

Meinen letzten Strafzettel habe ich kassiert für ... zu schnelles Fahren, zwölf Kilometer zu schnell auf der A7.

Ich habe das letzte Mal gelogen, als ... kann ich mich echt nicht erinnern. Ich mag nicht lügen.

Die Familie ist für mich ... ein Ruhepol. Sie gibt mir Kraft und Energie.

Wenn ich selbst koche, dann ... probiere ich gerne aus, derzeit Spargel.

Das letzte Geschenk für meine Frau war ... ein Kurzurlaub in Timmendorfer Strand.

Am Wahlabend nach der Auszählung der Stimmen werde ich ... hoffentlich feiern.

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