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Vom Taekwondo-Fieber gepackt : Kampfkunst-Pionier aus Uetersen organisiert Jubiläumsgala

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Vor 50 Jahren gelangte die koreanische Sportart nach Deutschland – Klaus Petzold organisiert große Jubiläumsgala.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2015 | 14:15 Uhr

Uetersen | Am Anfang waren es Rückenprobleme vom Gewichtheben, die Klaus Petzold vor 41 Jahren plagten. Da erfuhr der damals 19-jährige Sportler und Student in Kiel, dass die Gymnastik der fernöstlichen Kampfkünste helfen könnte. So machte er sich auf die Suche nach einer Karate-Schule. Der in Uetersen aufgewachsene Petzold verwechselte jedoch zwei ähnlich klingende Straßenzüge in Kiel und stieg an der falschen Bushaltestelle aus. „Ich fragte lange herum, traf schließlich auf einen knöchernen Typen in alten Klamotten“, erinnert sich Petzold. Er solle später wiederkommen, habe der ihm gesagt, dann sei Training. „Ich dachte, er ist der Hausmeister oder so etwas.“

Gesagt, getan. Abends stand der Student in der Halle. Vor ihm derselbe Mann – nun im weißen Anzug samt schwarzem Gürtel. Der junge Petzold war bei Hans-Ferdinand Hunkel gelandet. Der heute 71-Jährige war bereits damals ein Meister der koreanischen Kampfkunst Taekwondo und lehrt bis heute in der Tangun-Kampfkunstschule in Kiel.

Klaus Petzold war von Beginn an begeistert. „Ich bin ihm jahrelang gefolgt und beim Taekwondo geblieben.“ Und topfit. Der heute 60-Jährige legt lediglich eine anderthalbminütige Kurzgymnastik ein, um dann Fußtritte über Kopfhöhe zu demonstrieren. Petzold ist längst Meister dieser koreanischen Kampfkunst, Träger des sechsten schwarzen Gürtels (6. Dan) und leitet in Uetersen selbst eine Kampfkunst-Schule – das „Prisma Blackbelt-Center“.

Taekwondo bedeutet übersetzt „Weg der Füße und Fäuste“. Die Kampfkunst entwickelte sich Anfang des vergangenen Jahrhunderts, als Korea ins japanische Kaiserreich eingegliedert war. Viele Elemente ähneln daher dem japanischen Karate. Trotzdem gibt es Unterschiede: Im Taekwondo dominieren besonders die Fußtechniken, durch das Training können Fitness und Gesundheit bis ins hohe Alter aufrechterhalten werden.

 
 
 

Vor einem halben Jahrhundert wurde der Nationalsport Südkoreas in Deutschland bekannt gemacht. Im Oktober 1965 stellte ein südkoreanisches Team Taekwondo in ganz Europa vor – unter anderem in München, wo vier Jahrzehnte später – im Jahr 2005 – eine Jubiläums-Gala dieser Kampfkunst gewidmet war. Das 50. Taekwondo-Jubiläum in Deutschland wird hingegen im Norden gefeiert. Zusammen mit drei Gefährten organisiert Klaus Petzold eine große Gala in Hamburg. Am 24. Oktober werden Sportler aus ganz Deutschland das Taekwondo in der „Sporthalle Hamburg“ im Stadtteil Alsterdorf präsentieren.

Petzold sieht in der Gala eine Chance für eine Wiederbelebung der traditionellen fernöstlichen Kampfkünste. „Leider ist die Begeisterungswelle dafür – wie sie Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre herrschte – lange vorbei.“ Zudem gibt es selbst innerhalb ähnlicher Stilrichtungen viele Zersplitterungen. Viele Kampfkunst-Meister gehen eigene Wege. Der Uetersener will für die Gala einige von ihnen wieder etwas zusammenführen. Immerhin: Noch betreiben etwa 60  000 Menschen in Deutschland Taekwondo. Im nördlichsten Bundesland üben nach Angaben von Andreas Rahn, Präsident des Taekwondo-Verbandes Schleswig-Holstein, gut 1700 Sportler diese Kampfkunst aus, davon sind rund 1300 im Verband organisiert. Petzold gehört dem Verband zwar nicht an, für Rahn (39), selbst Träger des 6.  Dan, steht dennoch fest: „Die Gala ist eine tolle Sache.“

Der Sport steht für beide im Vordergrund. Wen einmal das Taekwondo-Fieber gepackt hat, den lässt es nicht mehr los. „Drei Stunden tägliches Training sind Satz“, sagt Klaus Petzold. Auch im Urlaub. Als der 60-Jährige und ein Kieler Kampfkunst-Gefährte samt ihrer Familien im portugiesischen Albufeira waren, trafen sie sich regelmäßig zum Training im Konzertsaal des Hotels. „Das machte den Bediensteten Angst“, berichtet Petzold. „Aber bei uns geht nichts kaputt.“ So werden im Taekwondo die Techniken zum Kopf millimetergenau vorher abgestoppt. „Das gilt natürlich auch für das Mobiliar“, sagt Petzold. Aus Rücksicht haben sie dann aber die Übungen auf die Dachterrasse des Hotels verlegt.

GALA 50 Jahre Taekwondo in Deutschland

Zum 50. Jubiläum der Kampfkunst Taekwondo in Deutschland wird nach Angaben der Veranstalter eine „Gala der Superlative“ auf die Beine gestellt.  In der „Sporthalle Hamburg“ präsentieren Kampfsportler, Europa- und Weltmeister sowie Olympiamedaillen-Gewinner die Perfektion des Taekwondo in  Shows und mit beeindruckenden Bruchtests.

50 Jahre Taekwondo in Deutschland: Gala am Sonnabend, 24. Oktober, 18.30 Uhr; Sporthalle Hamburg, Krochmannstraße 55, 22297 Hamburg; Karten an der Abendkasse. www.50jahretkd.de

 
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