Verkehr : Kampfansage an Raser im Pinneberger Quellental

Noch deutlicher geht’s nicht: Die große 30 auf der Fahrbahn im Blauen Kamp macht auf das Tempolimit aufmerksam.
Noch deutlicher geht’s nicht: Die große 30 auf der Fahrbahn im Blauen Kamp macht auf das Tempolimit aufmerksam.

Anwohner bemängeln überhöhte Geschwindigkeit auf den Straßen. Beschwerdeanrufe bei der Stadt nehmen zu.

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02. Mai 2018, 12:30 Uhr

Pinneberg | Seit Kurzem gilt Tempo 30 vor Kitas, Seniorenheimen und sozialen Einrichtungen in Pinneberg. Ein wichtiger Schritt gegen Raser auf den Straßen. Doch dem Quellentaler Thomas Willers geht das nicht weit genug: Er wohnt im Umfeld des Penny-Marktes gegenüber von der Kita der Lutherkirche im Blauen Kamp – laut ihm für manche Autofahrer eine Rennstrecke. Das Tempolimit gilt auch dort und nicht erst seit Kurzem. Doch das macht die Straße laut Willers nicht sicherer. Er berichtet: „Ich wurde im März dort fast angefahren. Ich war schon auf der Straße, als ein Autofahrer ankam und plötzlich richtig Gas gab. Ich konnte gerade noch zur Seite springen. Was, wenn das ein Kind gewesen wäre?“ Er fordert einen Zebrastreifen – oder besser eine Ampel für die Fußgänger. In dem Wohngebiet sind laut Willers auch ältere Menschen mit Rollatoren unterwegs.

Glück im Unglück

Der Anwohner will nicht einfach nur meckern, es ist ein Herzensthema für ihn. Denn er weiß, wovon er spricht. „Als Schüler wurde ich am Damm angefahren und sehr schwer verletzt“, sagt er. „Die Ärzte sagten damals, ich würde wahrscheinlich für immer ein Pflegefall bleiben.“ So kam es nicht, Willers hatte Glück im Unglück – doch er ist aufgrund seines Gesundheitszustands arbeitsunfähig, auch wenn er sich eine Zeit lang politisch und als Behindertenbeauftragter für den Bund Deutscher Heilpraktiker engagierte. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, welche Nachteile man als Behinderter in unserer Gesellschaft hat.“

Nicht nur der Blaue Kamp soll gelegentlich von Verkehrsrowdys heimgesucht werden. Ein Anwohner des Moorkamps, der anonym bleiben möchte, berichtet von Rasern in der Einbahnstraße, die vom Blauen Kamp abzweigt. Er sagt: „Fast alle Verkehrsteilnehmer fahren hier mit überhöhter Geschwindigkeit, besonders an Wochentagen von 7 bis 9 und von 15 bis 18.30 Uhr“ – also während des Berufsverkehrs. Auch beobachtet er besonders oft Raser nachts am Wochenende. „Da verlieren Geschwindigkeitshinweise zunehmend an Bedeutung.“ Er empfindet die Situation als bedrohlich – viele Kinder wohnen dort. Zudem ist die rechte Straßenseite meist zugeparkt und Radfahrer sollen entgegen der Fahrtrichtung auf der Fahrbahn fahren: wenig Übersicht für Autofahrer. Um denen das Tempo rauszunehmen, wünscht er sich Bodenwellen oder Pflanzenkübel.

Der Polizei Pinneberg hingegen sind die Straßen nicht als auffällig bekannt. „Entsprechende Anzeigen liegen nicht vor“, sagt Dirk Scheelke von der Pressestelle der Polizeidirektion Bad Segeberg. Aber: „Aufgrund der Baustellensituation in Pinneberg werden diese Straßen vermehrt als Ausweichstrecke benutzt. Eine ähnliche Situation liegt in der Oeltingsalle vor.“ Auch dort sind Radfahrer auf der Straße unterwegs und die Pendler, die am Bahnhof keinen Parkplatz mehr bekommen haben, parken die gesamte Straße zu.

Gremien stimmten gegen Bodenwellen

Anders stellt sich die Situation allerdings für die Stadt Pinneberg dar. „Durch die Aufstellung der Tempo 30 Schilder im April wurden die Bürger anscheinend sensibilisiert“, sagt Stadtsprecherin Maren Uschkurat. „Allein in der letzten Aprilwoche kamen bei uns 30 bis 40 Anrufe an, dass zu schnell gefahren wird.“ Für die Bedarfsampel vor dem Penny-Markt und die Bodenwellen gibt es aber eine Abfuhr. „Die zuständigen Gremien haben grundsätzlich beschlossen, dass keine Bodenwellen im Stadtgebiet eingebaut werden sollen, unter anderem wegen der dadurch behinderten Rettungsfahrzeuge und Krankentransporte“, erläutert Uschkurat. Eine Ampel sei in einer Tempo-30-Zone nicht vorgesehen. „Wenn sich Verkehrsteilnehmer nicht an die festgelegte Geschwindigkeitsbegrenzung halten, ist dies durch mehr Schilder, bauliche Maßnahmen und so weiter kaum zu beheben.“ Das könnten nur polizeiliche Kontrollen. Und diese würden auch durchgeführt, im Blauen Kamp erst kürzlich.

Willers hofft trotzdem auf die Ampel, die die Autofahrer zum Halten zwingt. In der Zwischenzeit appelliert er an die Vernunft der Autofahrer: „Denken Sie an Ihre Mitmenschen. Sie sind ja bestimmt auch mal Fußgänger.“

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