Kampf gegen den Dreck

Einsatz gegen den Schmutz: Mutter Nermin Ciftci-Özbakir, dritte Vorsitzende des Schulelternbeirats (von links), Hausmeister Wolfgang Brunckhorst, Schulleiterin Katja Beneke und Mutter Sandra Wentworth, Elternvertreterin.
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Einsatz gegen den Schmutz: Mutter Nermin Ciftci-Özbakir, dritte Vorsitzende des Schulelternbeirats (von links), Hausmeister Wolfgang Brunckhorst, Schulleiterin Katja Beneke und Mutter Sandra Wentworth, Elternvertreterin.

Schulelternbeirat der Hans-Claussen-Schule schlägt Alarm / Reinigungsproblem an fast allen Pinneberger Schulen

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10. März 2018, 16:00 Uhr

Graue Flecken auf dem Boden und an den Türen, Kalkablagerungen in den WC-Schüsseln, unangenehmer Geruch. Es ist nicht so, dass sich die Kinder der Pinneberger Hans-Claussen-Schule (HCS) nicht mehr trauen würden, auf die Toilette zu gehen – aber die Eltern haben den subtilen Dreck satt. „Es gibt seit Jahren ein Problem mit der Schulreinigung“, sagt Nermin Ciftci-Özbakir, Mutter und dritte Vorsitzende des Schulelternbeirats. Sie sagt: „Es gibt zu wenige Reinigungskräfte an der Schule.“ Das führe dazu, dass Schmutz vom Vortag bleibt – nicht nur auf den Toiletten, sondern auch in den Klassenzimmern, wo die Kinder mit Besendienst auch selbst anpacken. Ciftci-Özbakir fordert, dass sich die Reinigungssituation bessert. „Wir Eltern stehen alle dahinter“, sagt sie.

Erst vor wenigen Wochen saßen die Schulleiter der Pinneberger Schulen mit dem Kommunalen Servicebetrieb Pinneberg (KSP), der für die Reinigung verantwortlich zeichnet, zusammen. Ergebnis: Zum 1. September sollen neue Ausschreibungen für einige Pinneberger Schulen erfolgen – die Wünsche der Schulen sollen dabei berücksichtigt werden. Das reicht den Eltern nicht. „Wir brauchen jetzt eine Lösung“, sagt Ciftci-Özbakir. Sie führt aus: „Wenn man morgens, bevor die Kinder kommen, hier durch geht, sind die Waschbecken und Türen noch dreckig. Die Kinder können hier überall Bakterien aufsammeln.“ Ein besonderes Problem der HCS: Es fehlen Seifenspender und zum Teil Möglichkeiten zum Abtrocknen der Hände. Da will der KSP umgehend nachbessern.

Das eigentliche Problem sieht der Schulelternbeirat aber in der Personalsituation: Eine ältere städtische Reinigungskraft ist für den Großteil der Schule zuständig, zwei externe Kräfte einer Reinigungsfirma für den Rest der Schule und die Turnhalle. „Das ist zu wenig“, sagt auch Schulleiterin Katja Beneke. Die Vorgaben vom Kreis, die regelmäßig hereinflattern, ärgern sie: „Die können wir uns zehnmal aufhängen, wir können das nicht erfüllen. Es gibt eine Riesenlücke zwischen den Forderungen und der Realität.“

Der KSP sieht das anders. Erst vergangene Woche gab es eine Inspektion der HCS. „Bei der letzten Kontrolle fehlten Seifenspender, deren Beschaffung unverzüglich umgesetzt wird. Ansonsten gab es keine Auffälligkeiten“, teilt der KSP auf Anfrage mit. Die Reinigung würde regelmäßig kontrolliert. Der KSP spielt den Ball aber auch zurück: „Wenn sich das Nutzerverhalten nicht ändert, kann gereinigt und saniert werden, wie man will, die Probleme werden bleiben.“

Schulleiterin Beneke gibt zu, dass ein Teil der Verunreinigung von Kindern verursacht wird, die sich daneben benehmen. „Es sind Kinder und es kommt schon mal vor, dass ein Brot im Klo landet oder dass nicht gespült wird“, sagt sie. Auch Kinder, die einfach auf den Boden pinkeln, hat die Schule schon gesehen. Aber das ist nicht der Punkt: „Selbst wenn sich alle Kinder benehmen, ist das Arbeitspensum nicht zu schaffen.“

Was das Personal angeht, verweist der KSP jedoch auf die Politik: „Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung wurde seinerzeit politisch beschlossen, die Reinigung sukzessive extern zu vergeben.“ Zudem gebe es keine vertraglich festgelegte Personenanzahl oder Arbeitszeiten – die Firmen hätten eine Werkleistung zu erbringen.

An fast allen Schulen hat das zu Problemen geführt – an manchen mehr, an anderen weniger. Die Anzahl an Reinigungspersonal ist überall unterschiedlich. An der Johann-Comenius-Schule (JCS) schwankt sie. „Das ist Teil des Problems“, sagt JCS-Schulleiterin Uta Holst-Timm. An ihrer Schule seien nur externe Kräfte im Einsatz. „Es ist schwierig, gutes Personal zu finden und zu halten.“ Die Reinigungsfirma wurde vor wenigen Jahren bereits gewechselt: Nachreinigungen sollen zuvor angeordnet und Bezüge gekürzt worden sein. „Das führte aber nicht zum Erfolg.“

Ganz anders sieht es an der Theodor-Heuss-Schule aus. Schulleiter Matthias Beimel sagt: „Ich muss ein lautes Lob aussprechen. Wir haben viele städtische Kräfte, die schon lange an der Schule sind. Sie wissen, wo die Schwerpunkte liegen.“ Auf seine Truppe von sechs Frauen ist Verlass. Dass aber der Einsatz von externen Mitarbeitern ein Indiz für schlechtere Arbeit sei, ist laut dem KSP falsch. Das sagt auch Susanne Gilberg-Lemke, Schulleiterin im Schulzentrum Nord: „Das ist personalabhängig, ich bin recht zufrieden.“ Weniger glücklich ist die Grund- und Gemeinschaftsschule im Quellental. „Wir haben sieben Häuser und die Reinigungskräfte werden dem kaum Herr“, sagt Schulleiter Thomas Gerdes. „Die regelmäßige Pflege ist werterhaltend. Die Böden verschleißen und mussten schon ausgetauscht werden.“ Das Problem laut Beimel: zu wenig Geld, zu wenig Zeit, zu wenig Kontrolle.

Nicht alle Schulleiter wollten sich gegenüber unserer Zeitung äußern. Sie sehen, dass in die leidige Geschichte endlich Bewegung kommen soll und halten das öffentliche Vorgehen des HCS-Schulelternbeirats für falsch zu diesem Zeitpunkt. Das nächste Gespräch mit dem KSP soll im Mai stattfinden. Aber die Pinneberger Eltern wollen Druck machen. Und sie sind nicht die einzigen. Erst vor wenigen Tagen berichtete Spiegel online über die unsägliche Toilettensituation an deutschen Schulen. Auch die Bild berichtete im Februar vom Einsatz der ersten Schul-Klofrau Deutschlands an einer hessischen Schule. Zehn Cent kostet dort der WC-Besuch. Ein System, das offenbar zu Besserung führte und das HCS-Schulleiterin Beneke als letztes Mittel in Betracht zieht. Dann allerdings ginge der Klobesuch auf Kosten der Eltern.

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