Kita-Streik im Kreis Pinneberg : Kampf für bessere Bezahlung und mehr Anerkennung

Unüberhörbarer Protest: Etwa 100 Beschäftigte von Kitas und sozialen Diensten haben gestern in Pinneberg für mehr Geld demonstriert.
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Unüberhörbarer Protest: Etwa 100 Beschäftigte von Kitas und sozialen Diensten haben gestern in Pinneberg für mehr Geld demonstriert.

Demonstranten ziehen durch die Pinneberger Innenstadt. Angestellte von zehn Kindertagesstätten im Kreisgebiet streiken.

shz.de von
12. Mai 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | Mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert sind gestern knapp 100 Erzieher und Angestellte sozialer Dienste durch die Pinneberger Innenstadt gezogen, um für eine bessere Bezahlung und mehr gesellschaftliche Anerkennung zu demonstrieren. Viele von ihnen streiken. Zehn Kitas im Kreis Pinneberg sind davon betroffen. In der städtischen Kita in Pinneberg ist die Betreuung der etwa 140 Kinder komplett ausgefallen. Die übrigen neun Einrichtungen bieten Notdienste an.

Die Gewerkschaften Verdi, Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Komba hatten zu dem Protestmarsch aufgerufen. Etliche Teilnehmer waren aus dem Elmshorner Streiklokal angereist. Auch Mitarbeiter sozialer Dienste aus Itzehoe kamen zur Auftaktkundgebung vor dem Rathaus. Der Protestzug wand sich schließlich über Dingstätte, Fahltskamp, Bahnhofstraße und Damm zum Gebäude der Arbeitsagentur, wo der Fachdienst Jugend der Kreisverwaltung eine Außenstelle hat.

„Eure Anwesenheit zeigt, dass Druck im Kessel ist. Alle Politiker sind sich einig: Erzieher sollten besser bezahlt werden. Jetzt muss endlich ein Angebot auf den Tisch“, rief Matthias Heidn, Vorsitzender des GEW-Landesverbands, den Demonstranten zu. Zehn Prozent mehr in der Lohntüte fordern die Gewerkschaften. „Ihr verdient mehr Wertschätzung. Und ihr verdient mehr Geld im Portemonnaie“, sagte Heidn an die Kollegen gewandt.

Heidn sieht großen Nachholbedarf der Erzieher und der Angestellten in sozialen Diensten wie etwa Jugendtreffs oder Einrichtungen für behinderte Menschen. Das Durchschnittsgehalt aller deutschen Arbeitnehmer sei während der vergangenen zehn Jahre um 21 Prozent gestiegen. „Eure Gehälter sind in den zehn Jahren um etwa 15 Prozent gestiegen“, sagte Heidn.

Was Arbeitgeber verlauten ließen, spotte jeder Beschreibung. Erzieher würden zu Spitzenverdienern erklärt. Tatsächlich sehe es anders aus. Das Einstiegsgehalt von sozialpädagogischen Assistenten liege bei 2040 Euro brutto, das von Erziehern bei 2360 Euro. Eine Kita-Leiterin verdiene 2880 Euro und eine Erzieherin nach 17 Jahren im Beruf 3300 Euro. Zum Vergleich zitiert Heiden den Einkommensvergleich einer großen Tageszeitung: „In der bayerischen Metallindustrie beträgt das niedrigste Gehalt knapp 2200 Euro – für Ungelernte, die den Hof kehren.“

Für Astrid Thie aus Itzehoe, Verdi-Gewerkschafterin und Mitglied in der Bundestarifkommission, kommt erschwerend hinzu: „In Kitas machen zu 95 Prozent Frauen den Erziehungsjob. Die arbeiten Teilzeit und gehen mit 1500 Euro brutto nach Hause.“ Arbeitgeber würden zudem tricksen, indem sie die Zeitintervalle der Tarifstufen verlängerten.

Heidn wirbt für das Verständnis streikgeplagter Eltern. „Nicht wir tragen den Streit auf dem Rücken der Familien aus. Die Arbeitgeber stehen in der Verantwortung.“ Wie lange die Streiks noch dauern, ist ungewiss. „Solange, bis ein vernünftiges Angebot kommt“, sagt Jens Festersen, Verdi-Gewerkschaftssekretär im Bezirk Pinneberg-Steinburg. Heute wird sich um 10 Uhr ein Demonstrationszug vom Streiklokal im Sportlife Hotel an der Hamburger Straße in Elmshorn auf den Weg zur Kreisverwaltung an der Kurt-Wagner-Straße machen.

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