Verfahren eingestellt : Kahlschlag am Wanderweg in Elmshorn: Nabu legt Widerspruch ein

Die Elmshorner Naturschutzverbände sahen ihre jahrzehntelangen Bemühungen, den vor 80 Jahren begradigten Fluss zu renaturieren, zunichte gemacht.

Die Elmshorner Naturschutzverbände sahen ihre jahrzehntelangen Bemühungen, den vor 80 Jahren begradigten Fluss zu renaturieren, zunichte gemacht.

Kahlschlag am Wanderweg in Elmshorn: Naturschutzverband will Einstellung des Verfahrens nicht hinnehmen

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03. August 2018, 12:00 Uhr

Elmshorn | Vertreter des Umweltverbands BUND sprachen im April von „Umweltfrevel“ und einem „großen Verstoß gegen das Landeswassergesetz“. Auf etwa 300 Metern Länge hatten die Mitglieder des Wasser- und Bodenverbands auf Höhe des Sportvereins Holsatia Elmshorn fast sämtliche Weiden, Erlen und Ulmen am Ufer gefällt.

Die Elmshorner Naturschutzverbände sahen ihre jahrzehntelangen Bemühungen, den vor 80 Jahren begradigten Fluss zu renaturieren, zunichte gemacht. Bei ihrer Aufgabe, das Ufergehölz alle paar Jahre in Absprache mit dem Fachdienst Umwelt des Kreises Pinneberg zurückzuschneiden, sei der Wasser- und Bodenverband weit über das Ziel hinausgeschossen. Deshalb zeigte der Nabu den Kahlschlag bei der Staatsanwaltschaft Itzehoe an.

Staatsanwaltschaft sieht keinen Verstoß

Jetzt hat die Staatsanwaltschaft den Fall geprüft und sieht davon ab, öffentlich Klage zu erheben. Der Grund: Dort sieht man keinen Verstoß der wasser- und naturschutzrechtlichen Bestimmungen. Der Nabu-Vorsitzende Hans Helmut Dürnberg ist alles andere als einverstanden mit dieser Einschätzung, in einem Antwortschreiben an die Staatsanwaltschaft äußert er sein „Befremden“ und legt Widerspruch gegen die Einstellung des Verfahrens ein. Dürnberg befürchtet, dass „durch die so deutlich werdende Akzeptanz massiver Umweltzerstörungen ein Nachahmungseffekt entsteht“ und „der heute leider bereits weit fortgeschrittenen Gleichgültigkeit und Naturentfremdung weiter Vorschub geleistet wird“. Er kritisiert insbesondere, dass sich die Staatsanwaltschaft in ihrer Argumentation auf einen Aktenvermerk stützt. Dieser bezieht sich auf ein Treffen vom April 2015, als der Wasserverband die Gewässerpflege mit den Umweltverbänden und dem Kreis abgesprochen hatte.

Bei diesem Treffen sei aber gerade auch ein sensibles und schonendes Vorgehen erörtert worden. Interessant in diesem Zusammenhang: Selbst Kreissprecher Oliver Carstens hatte im April erklärt, der Wasser- und Bodenverband sei über das Ziel hinaus geschossen. Und die Staatsanwaltschaft teilte dem Nabu mit, „dem Beschuldigten“ noch einmal die besondere Sachlage im Hinblick auf die schonende Gewässerunterhaltung erläutert zu haben.

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