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Kreis Pinneberg : Kälber bleiben länger bei Mama

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

De Ökomelkburen aus der Region stellen bundesweit als erste Milchhöfe komplett auf muttergebundene Kälberaufzucht um.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2017 | 10:00 Uhr

Lutzhorn | De Ökomelkburen, ein Zusammenschluss von Biobauern aus den Kreisen Pinneberg und Segeberg, haben ihre Tierhaltung auf muttergebundene Kälberaufzucht umgestellt. Die Jungen bleiben nach der Geburt mindestens drei Monate bei der Kuh. Nach Angaben der Tierschutzorganisation Vier Pfoten sind De Ökomelkburen bundesweit die ersten Höfe, deren Milch ausschließlich aus dieser Haltungsform stammt (siehe Infokasten).

Achim Bock aus Lutzhorn dabei

De Ökomelkburen sind Achim Bock aus Lutzhorn, Hans Möller aus Lentföhrden und Heino Dwinger aus Schmalfeld. Alle drei produzieren nach den Richtlinien des Verbands Bioland. „Seit fünf Jahren sind wir mit unserer Vier-Jahreszeiten-Milch auf dem Markt. Wir pflegen den Kontakt zu unseren Kunden, bekommen Lob und Kritik“, sagte  Möller gestern während eines Pressetermins auf seinem Hof. Ein Kundenwunsch sei gewesen, die Tierhaltung zu verbessern. „Deswegen haben wir die muttergebundene Kälberaufzucht zwei Jahre getest. Und sie hat uns überzeugt.“

Achim Bock hat auch eine neue Kundengruppe im Blick: Veganer. „Milchalternativen bestehen häufig aus Soja oder Reis, die importiert werden müssen. Aus Ländern, welche die Rohstoffe selbst brauchen. Zudem sind die Produktionsmethoden oft umweltschädlich“, sagte Bock. „Viele Veganer entscheiden sich aus Tierschutzgründen gegen Milch, weil Kälber und Mutterkühe nach der Geburt getrennt werden. Das tun wir nun nicht mehr. Vielleicht können einige so wieder ruhigen Gewissens Milch trinken.“

Die drei Höfe bewirtschaften jeweils etwa 100 Hektar

Die drei Höfe gehören zu den kleineren in der Region. Sie bewirtschaften jeweils etwa 100 Hektar Fläche, in den Ställen stehen je 40 Kühe. „Wir wollen auch beweisen, dass es in der Landwirtschaft eine Alternative zum grenzenlosen Wachstum gibt. Immer schneller, immer mehr: Das will ich als Bauer nicht.“

Diese alternative Produktionsweise hat ihren Preis. „Die Kühe werden zwar weiter gemolken. Solange sie die Kälber säugen, geben sie aber nur ein Drittel der normalen Tagesleistung – oder weniger“, sagte Bock. Die Vier-Jahreszeiten-Milch kostet im Handel deswegen bis zu zwei Euro pro Liter – mehr als doppelt so viel wie konventionelle Produkte. Die drei Bauern bekommen für ihre Milch 50 Cent pro Liter. Ihre konventionellen Kollegen sind derzeit schon froh, wenn sie 30 Cent bekommen.

Das Siegel kann zu einem wichtigen Verkaufsargument werden

Martin Lipka ist in der Tierschutzorganisation Vier Pfoten Agrarbetriebswirt für ökologischen Landbau. Er sagte: „Wir beschäftigen uns schon länger mit der muttergebundener Kälberaufzucht. Während eines Besuchs auf dem Hof Möller haben wir gesehen, wie gut das System funktioniert. Das wollen wir fördern.“ Die Ökomelkburen erfüllten bereits 90 Prozent der Anforderungen, welche Vier Pfoten von Nutztierhaltern erwartet. „Ziel ist, das bis zum kommenden Jahr zu zertifizieren.“ Das Siegel kann zu einem wichtigen Verkaufsargument für die drei Biobauern werden.

Auch die Regionalwert Hamburg AG unterstützt die Ökomelkburen. „Wir sammeln Geld von Investoren, unseren Aktionären, und stecken es in Betriebe, die regional und nachhaltig wirtschaften“, sagte Regionalwert-Vorstand Ulf Schönheim. 

In der muttergebundenen Kälberaufzucht bleiben die Jungtiere nach der Geburt drei Monate lang bei ihren Müttern und damit Teil der Herde. Danach werden sie getrennt, die Kälber fressen dann ausschließlich Gras. Nach Expertensicht werden sowohl Kühe wie auch Kälber mit dieser Methode seltener krank. In konventionellen Betrieben und auch auf den meisten Biohöfen werden die Tiere dagegen früh getrennt, damit die Mütter mehr Milch für den Verkauf geben.
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