Das Sonntagsgespräch : „Jungen brauchen häufiger Unterstützung“

Christel Heidemann-Schmidt betreut seit 2010 Lesekinder.
Christel Heidemann-Schmidt betreut seit 2010 Lesekinder.

Christel Heidemann-Schmidt, Vorstandsmitglied des Vereins „Mentor“, im Interview.

shz.de von
04. März 2018, 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Der Verein „Mentor - die Leselernhelfer im Kreis Pinneberg“ unterstützt Kinder, die Probleme mit dem Lesen haben. Im Sonntagsgespräch erklärt Vorstandsmitglied Christel Heidemann-Schmidt unter anderen, wem die Hilfe zugute kommt.

Frage: Wie sieht die Arbeit der Mentoren aus?
Christel Heidemann-Schmidt: Wir sind ein eingetragener Verein, der sich um die Leseförderung kümmert. Wir gehen an die Schulen und helfen Kindern, die Unterstützung beim Lesen benötigen. Die Lehrer suchen in den Klassen die Schüler heraus, von denen sie glauben, dass ihnen die Förderung hilft. Diese werden dann mit unseren Mentoren zusammengebracht.

Wie sieht die Hilfe konkret aus?
Die Mentoren gehen einmal pro Woche in die Schulen und treffen sich mit den Kindern, um gemeinsam das Lesen zu üben. Die Förderung dauert immer eine Stunde und erstreckt sich mindestens über ein Jahr. Die Jungen und Mädchen können eine richtige Lesekarriere machen und sind am Ende ein „Lesebär“. Die Fortschritte werden auf Kärtchen dokumentiert, so dass Mentoren und Schüler wissen, was sie bereits erreicht haben. Das Angebot richtet sich hauptsächlich an Zweit- bis Viertklässler.

Christel Heidemann-Schmidt (56) arbeitet als Buchhändlerin und wohnt in Elmshorn. Sie ist verheiratet und hat drei Töchter.


Wer braucht die Förderung?

Wir unterstützen sehr viele Migranten, die die deutsche Sprache noch nicht sicher beherrschen. Auffällig ist zudem, dass Jungen häufiger Unterstützung brauchen als Mädchen.

Warum ist es wichtig, dass es Mentoren gibt?
Wir bieten die individuelle Förderung, die Lehrer und häufig auch Eltern aus zeitlichen Gründen nicht leisten können. Der Erfolg zeigt sich nicht nur in den Fortschritten beim Lesen. Die Kinder genießen, dass jemand da ist, der sich nur um sie kümmert und entwickeln ein größeres Selbstbewusstsein, wenn sie besser lesen können.

Warum unterstützten Sie den Verein?
Ich habe als Buchhändlerin schon aus beruflichen Gründen einen engen Bezug zu Büchern und lese sehr gerne. Die Initialzündung für das Projekt kam 2010 von den Wirtschaftsjunioren des Kreises Pinneberg, zu denen der Mann einer Kollegin Kontakte hatte. Sie sprach mich an, ob ich die Mentoren unterstütze. Da ich deren Arbeit für sehr wichtig halte, war ich von Anfang an dabei. Gestartet sind wir mit vier Personen an der Friedrich-Ebert-Schule in Elmshorn. Inzwischen haben wir fast 150 Mentoren, die kreisweit an 25 Schulen tätig sind. Ich selbst habe seit 2010 bereits sechs Lesekinder betreut und treffe mich zurzeit, nach wie vor mit Begeisterung, mit meinem siebten Lesekind.

Welche Voraussetzungen sollten Mentoren erfüllen?
Erst einmal findet ein ausführliches Gespräch statt. Dort machen wir uns ein Bild von den Interessenten und erklären diesen, was sie erwartet. Wir müssen schließlich wissen, ob jemand für die Arbeit geeignet ist. Zu uns kommen viele Großeltern, die wissen, wie wichtig Lesen und Vorlesen ist.

Wie werden die Mentoren auf ihre Arbeit vorbereitet?
Wir schicken die Mentoren nicht einfach los, sondern bereiten sie sorgfältig vor, unter anderem durch eine ausführliche Einführungsveranstaltung. Dazu bieten wir regelmäßige Fortbildungen an. Der Verein ist dafür da, die Mentoren zu begleiten.

Ist der Förderbedarf in den vergangenen Jahren größer geworden?
Ja. Die Anforderungen an die Schulen sind stetig gewachsen, so dass immer weniger Zeit für eine individuelle Förderung da ist. Zu wenig Platz, zu wenig Personal, zu wenig Unterstützung - darüber klagt so ziemlich jeder Rektor. Deshalb wächst logischerweise auch der Förderbedarf.

Was fehlt dem Verein?
Wir können weitere Mentoren gebrauchen. Außerdem sind wir auf Spenden angewiesen, da wir mit nur rund 40 Mitgliedern nicht viele Beiträge einnehmen. Deshalb freuen wir uns über jede zusätzliche Unterstützung.

Vor Kurzem wurde der Verein mit dem Walter-Damm-Preis ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen eine solche Ehrung?
Darüber haben wir uns riesig gefreut. Es hat uns sehr berührt, dass man ausgerechnet uns aus der Menge an engagierten Ehrenamtlichen herausgepickt hat. Solche Auszeichnungen erhöhen unseren Bekanntheitsgrad und erleichtern dadurch unsere Arbeit.
 

Der Verein „Mentor – die Leselernhelfer im Kreis Pinneberg“ unterstützt Kinder, die Probleme mit dem Lesen haben. Die Mentoren gehen im gesamten Kreisgebiet einmal pro Woche in die Schulen und treffen sich mit den Kindern, um gemeinsam das Lesen zu üben. Der Bedarf an der Unterstützung ist groß. So groß, dass die Nachfrage gar nicht vollständig abgedeckt werden kann. Der Verein teilte mit, dass er weitere Mentoren für die Stadt Pinneberg braucht. Gesucht werden Lesehelfer für die Grund- und Gemeinschaftsschule Nord sowie für die GuGS im Quellental. Wer Interesse an der Aufgabe hat, kann sich per Mail unter info@mentor-pinneberg mit dem Verein in Verbindung setzen. Weitere Infos zum Verein gibt es hier online.
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