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Gummistiefel statt Kamm und Schere : Junge Kummerfelderin erfüllt sich den Traum von der Landwirtschaft

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die 25-jährige Jana Stüwe aus Kummerfeld änderte ihr Leben komplett, um sich ihren Traum von einer Arbeit in der Landwirtschaft zu erfüllen.

Kummerfeld | Jana Stüwe ist klein und zierlich. Ihre schwarzen Haare sind frisch frisiert, ihre Kleidung den Modetrends entsprechend. Die Fingernägel sind sorgfältig gefeilt. Sich Stüwe im Stall mit einer Mistgabel in der Hand vorzustellen fällt zunächst schwer. Doch alles fing damit an, dass sie für ihr Ehrenamt bei der Feuerwehr Kummerfeld einen Lkw-Führerschein machte. „Danach habe ich gesagt, nun will ich auch mal einen großen Trecker fahren“, sagt die 25-Jährige. Sie begleitete einen Bekannten zur Arbeit auf den Bauernhof und wurde schnell zum regelmäßigen Gast. „Ich fand das alles interessant, insbesondere die Kälber“, sagt Stüwe mit strahlenden Augen.

Im Herbst entschloss sich die gebürtige Kummerfelderin ihr Leben komplett auf den Kopf zu stellen. Statt sich, wie in den vergangen acht Jahren, weiterhin im Salon um die Frisuren ihrer Kunden zu kümmern, steht sie seit Januar im Stall und kümmert sich um Vierbeiner. Gummistiefel und Trecker statt Shampoo und Dauerwelle – die berufliche Neuorientierung der jungen Frau hätte gegensätzlicher nicht sein können.

Aktuell absolviert sie bei einem Milchviehbetrieb ein sechsmonatiges Praktikum. Ein großer Schritt für Stüwe, die dadurch die eigene Wohnung in Kummerfeld gegen ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft in Borstel-Hohenraden eintauschen musste – schließlich erhält sie kein volles Gehalt mehr. In der vergangen Zeit hatte sie immer mal wieder Ideen, wie sie sich beruflich verändern wollte, doch nur die Idee im Stall zu arbeiten hielt sich länger.

„Den Schritt alles auf Null zu setzen, bereue ich nicht“, sagt sie. „Wenn ich jetzt an einem Salon vorbeikomme, dann denke ich inzwischen: ‚Da gehöre ich nicht mehr hin.‘“ Stattdessen spielt sich der größte Teil ihres Alltags nun auf dem Bauernhof ab. Melken, Misten und auch Kälberpflege gehören zu den Dingen, die sie übernimmt. „Ich genieße es, jeden Tag draußen zu sein“, sagt sie und erzählt lachend, dass ihr Chef sie regelmäßig morgens bei Sonnenaufgang mit einem dicken Lächeln im Gesicht sehe. Die Arbeit auf dem Hof ist schwerer als im Salon, so müssen etwa Futtereimer getragen werden. „Ich habe aber schon Muskeln aufgebaut“, sagt Stüwe lachend und zeigt auf ihren Bizeps.

Maschinen erleichtern die Arbeit

Natürlich gebe es auch Dinge, die sie als zierliche Frau nicht könne, doch die Maschinen, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, würden vieles vereinfachen. „Und wenn es dann doch mal Dinge gibt, die ich nicht kann, dann hole ich mir halt Hilfe“, gibt sich Stüwe pragmatisch.

Statt sich wie früher für die Arbeit zu schminken und aufwendig zu frisieren, macht sich Stüwe nun nur noch einen Pferdeschwanz. Statt Blusen und Ballerinas heißt es nun alter Pullover und Sicherheitsschuhe. Die Arbeitskleidung ist notwendig: „Ich saue mich immer schnell ein.“ Eklig findet das die 25-Jährige schon lange nicht mehr. Wie es nach dem Praktikum weitergeht, weiß die Kummerfelderin noch nicht genau.

„Aktuell gibt es zwei Optionen, entweder einen Bachelor Landwirtschaft an der Fachhochschule Kiel oder aber die Ausbildung zur Tierwirtin“, sagt sie. Fest steht jedoch, dass Landwirtschaft ihr Thema ist und dass sie weiterhin mit Rindern arbeiten will. „Ich bin ein Kuhmensch“, sagt Stüwe. Die Tiere wüssten genau, wer sie gut behandle und wenn eine fremde Person im Stall sei. Insbesondere die Arbeit mit den Kälbern bringt ihr großen Spaß. „Die sind schon richtig süß“, sagt Stüwe lachend. Das Treckerfahren macht Stüwe immer noch Spaß, auch wenn sie meistens nur auf dem Hof eine Runde dreht. „Die Riesentrecker haben so viele Knöpfe, da ist man erstmal ganz schön überrumpelt, was da alles hinter steckt“, sagt sie.

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erstellt am 02.Apr.2016 | 15:00 Uhr

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