Luftsportverein : Jugendliche Überflieger aus dem Kreis Pinneberg

Alles hat gepasst: Die erfolgreichen Prüflinge Jana Weingärter und Denis Nietz (beide Mitte) und ihre Fluglehrer Paul Foelkel (links) und Andreas Wendland.
Alles hat gepasst: Die erfolgreichen Prüflinge Jana Weingärter und Denis Nietz (beide Mitte) und ihre Fluglehrer Paul Foelkel (links) und Andreas Wendland.

Zwei Nachwuchspiloten haben ihre Prüfung zum Alleinflieger bestanden. Prüfling Jana Weingärtner feierte zudem ihren 14. Geburtstag.

shz.de von
25. Juli 2018, 10:15 Uhr

Heist | Zwei jugendliche Nachwuchspiloten haben am vergangenen Samstag im Luftsportverein (LSV) des Kreises Pinnebergs auf dem Flugplatz Heist ihre sogenannte Alleinflieger-Prüfung absolviert: Denis Nietz (18) und Jana Weingärtner (feierte am Prüfungstag ihren 14. Geburtstag) sind nun offiziell in der Lage, ein Segelflugzeug ohne Begleitung zu fliegen. Das Segelfliegen ist unter Jugendlichen beliebt – und durch engagierte Vereinsarbeit gar nicht so teuer, wie oft angenommen.

Diese „A-Prüfung“ ist nach Erläuterungen des Öffentlichkeitsreferenten des LSV, Howard E. Mills, die Eingangspforte zum zweiten Ausbildungsabschnitt zu einem fertigen Piloten. Ab 14  Jahren könne ein Nachwuchspilot bereits allein fliegen, die Ausbildung dazu dürfe er sogar schon früher anfangen. „Zu früh anzufangen würde ich aber nicht empfehlen, weil sonst notgedrungen Stillstand in der Ausbildung einkehrt“, präzisiert Mills. Das eigenständige Fliegen der Jugendlichen muss aber zunächst noch beobachtet werden: Ein Fluglehrer vom Boden aus hat alles im Blick, ist für den Notfall mit seinem Schützling auch über Funk verbunden. „Davon muss aber selten Gebrauch gemacht werden“, sagt Mills, „denn wenn wir unsere Schüler allein fliegen lassen, können sie das auch wirklich.“

Geburtstag in einer Fliegerfamilie: Prüfungsabsolventin Jana bekam von ihrer Schwester einen Kuchen in Flugzeugform.
LSV Pinneberg
Geburtstag in einer Fliegerfamilie: Prüfungsabsolventin Jana bekam von ihrer Schwester einen Kuchen in Flugzeugform.
 

Zur Prüfung zum Alleinflieger gehören drei Starts und drei Landungen – die kritischste Phase des Fliegens. Auf dem Heister Flugplatz starten die Segelflugzeuge, die keinen Motor haben und aus eigener Kraft nicht abheben können, überwiegend mithilfe einer Seilwinde: Diese wird mit einem zehnzylindrigen Dieselmotor mit 320 Pferdestärken angetrieben und zieht das Flugzeug so rasch vorwärts, dass es abhebt. „Natürlich muss der Pilot stets damit rechnen, dass das Seil reist“, berichtet Mills. Auch dieser Fall werde mit dem Fliegernachwuchs geübt, indem man das Flugzeug vorzeitig aushake. „Das erste Mal machen wir das angekündigt in einer freundliche Höhe“, sagt Mills. „Dann passiert es unangekündigt und zuletzt unangekündigt, wenn das Flugzeug noch richtig tief ist – und sie müssen das lösen können,“ so Mills. Zu erlernen ist außerdem das gekonnte Nutzen der Thermik. „Wo man warme Aufwinde findet, die das Flugzeug immer wieder hochtreiben, erfassen die Schüler mit der Zeit.“ Zur Prüfung gehört auch die Bewältigung einer 50 Kilometer langen Strecke.

Geflogen wird nur in den Sommermonaten

Wetterbedingt ist das Segelfliegen im Winter nicht möglich. „Da wird die Technik gewartet und die Schüler lernen die Theorie.“ Angehende Piloten müssen sich in den Fächern Navigation, Luftrecht, Meteorologie und Human facts (menschliche Leistungsfähigkeit) auskennen. Auch die Prüfung besteht dann aus einem theoretischen und einem praktischen Teil.

Die A-Prüfung ist zu unterscheiden von der Segelfliegerlizens: Die ist erst ab 16 Jahren zu bekommen. Die Ausbildungszeit dauere zwischen 1,5 und 2,5 Jahren. „Je nachdem wie oft man kommt, kann es aber auch länger dauern“, ergänzt Mills. Davon hänge auch der ungefähre monatliche Kostenaufwand ab. „So teuer, wie viele glauben, ist das Fliegen gar nicht“, erläutert der LSV–Segelflugreferent. Es sei in etwa vergleichbar mit den Kosten für aktives Tennisspielen. Mills: „Man muss in etwa 25 Euro pro Flugtag rechnen. Wenn man wöchentlich fliegt, sind das dann so 100 Euro im Monat.“ Die verhältnismäßig günstige Möglichkeit zu fliegen sei durch die Vereinsarbeit geleistet. „Wir machen hier viel selbst“, sagt Mills. Das führe zu einem hohen zeitlichen Aufwand der Vereinsmitglieder, halte aber den Preis in einem für ein Breitenpublikum leistbaren Rahmen. Der LSV-Pinneberg besitzt sieben vereinseigene Segelflugzeuge; drei davon sind Doppelsitzer für begleitetes Fliegen, vier Einsitzer. Zudem sind auf dem Flugplatz zehn bis zwölf Privatflugzeuge untergebracht.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen