Elmshorn : Jugend soll Europa retten

<p>Kreispräsident Burkhard E. Tiemann (rechts) eröffnete die Aktionswoche in der Krückaustadt. Willuhn</p>

Kreispräsident Burkhard E. Tiemann (rechts) eröffnete die Aktionswoche in der Krückaustadt. Willuhn

Berufliche Schule Elmshorn eröffnet zweite Europawoche. Es gibt eine Ausstellung, Workshops und ein Gewinnspiel.

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15. Mai 2018, 12:19 Uhr

„Keiner hat mehr Bock auf Europa“ – so fasste Peter Schenk von der Beruflichen Schule Elmshorn die derzeitige Stimmung auf dem Kontinent zusammen, um dann sofort das Gegenteil zu beweisen. Zur Eröffnung der Europawoche an der Bildungseinrichtung hielt Schenk ein kurzes aber flammendes Plädoyer für das Projekt der Europäischen Einheit: „70 Jahre Frieden – das hat es in Mitteleuropa seit Menschengedenken nicht gegeben.“  Die zahlreich unter freiem Himmel versammelten Schüler dankten es ihm mit lautstarkem Applaus.

Die Europawoche findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. „Ursprünglich hatten wir nur einen Aktionstag zum Thema Europa – im vergangenen Jahr haben wir dann eine ganze Woche daraus gemacht. Schließlich sind wir offiziell eine Europaschule“, sagt Lehrerin Claudia Letzner, die zusammen mit Schenk die Europagruppe leitet. Eine Woche lang sind nun im Schulgebäude auf Stellwänden Ausstellungsbeiträge von Schülern zu sehen – zum europäischen Außenhandel oder zum sozialen Arbeitsschutz in der Europäischen Union. Außerdem finden sich in der Beruflichen Schule zahlreiche Erfahrungsberichte von Auslandsaufenthalten. Erasmus-Praktika in verschiedenen europäischen Ländern sind ein wichtiges Angebot der Bildungseinrichtung. So reisten beispielsweise angehende Tischler, Elektriker, Friseure und Hotelfachkräfte nach Malta, um dort zwei Wochen in örtlichen Betrieben zu arbeiten. Cevapcici, Lahmacun und Paella werden die Vielfalt der europäischen Kulturen während der Woche auch kulinarisch erlebbar machen.  Die Schüler können außerdem an einem Planspiel mit dem Titel „Viele Interessen – eine Politik“ teilnehmen, welches die Komplexität von Entscheidungsprozessen in der EU anschaulich macht. Während der Europawoche können sich die Schüler über einen QR-Code in ein Online-Quiz einklinken und zahlreiche Sachpreise gewinnen.

Der Titel Europaschule wird vom Land Schleswig-Holstein verliehen. 1996 wurden die ersten Schulen zu Europaschulen ernannt. Inzwischen sind es 43 Bildungseinrichtungen: 21 Gymnasien, drei Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe, fünf Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe, ein Förderzentrum und 13 Berufliche Schulen. Jede dieser Schulen hat ein  eigenes europaorientiertes Profil, alle jedoch sind einem gemeinsamen Europakonzept verpflichtet und in ihrer Arbeit an Leitlinien orientiert. Ziel der Europaschulen ist es, Schüler und Auszubildende offen und zugleich fit zu machen für das Leben und Arbeiten in Europa sowie Mitgestalten von Europa. 

Der scheidende CDU-Kreispräsident Burkhard E. Tiemann eröffnete die Europawoche offiziell. Angesichts des Brexits und dem Aufschwung rechter Parteien  Polen und Ungarn, genau wie in Dänemark oder Österreich,  betonte der Christdemokrat: „In unruhigen Zeiten müssen sich gerade junge Leute mit Europa befassen.“ Alle Bewohner des Kontinents müssten gemeinsam Lösungen für die drängenden Probleme unserer Zeit finden. Tiemann  betonte auch die Chancen, die ein vereintes und vernetztes Europa biete. „Alle jungen Menschen brauchen gleichberechtigte Bildungschancen  und die Gelegenheit zum lebenslangen Lernen“, sagte der Kreispräsident mit Blick auf die Auslandsaufenthalte der Elmshorner Schüler. Die Teilnehmer erhielten von Tiemann Europa-Pässe, die ihre internationalen Erfahrungen dokumentieren sollen.

Julian Willuhn

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