Regionalentscheid Südholstein : Jugend musiziert: 82 erste Preise für Nachwuchsmusiker

Alle 87 Teilnehmer dürfen stolz sein, findet Vorsitzende Christine Braun: „Ihr seid die Spitze. Von allen Musizierenden in Südholstein habt ihr das Abenteuer gewagt.“
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Alle 87 Teilnehmer dürfen stolz sein, findet Vorsitzende Christine Braun: „Ihr seid die Spitze. Von allen Musizierenden in Südholstein habt ihr das Abenteuer gewagt.“

Beim Regionalentscheid Südholstein sind 39 Teilnehmer aus dem Kreis Pinneberg vor die Jury des Musikwettbewerbs getreten.

shz.de von
22. Januar 2018, 10:00 Uhr

Quickborn | Der renommierte Wettbewerb für junge Musiker „Jugend musiziert“ hat am Wochenende in Quickborn, Pinneberg und Norderstedt auf Regionalebene für Südholstein stattgefunden. In Zahlen liest sich das so: Bei der 55. Ausgabe haben sich 92 Jugendliche in fünf Altersgruppen und 13 verschiedenen Wertungskategorien angemeldet, von denen 87 tatsächlich vor die insgesamt 33 Jurymitglieder traten. 39 Teilnehmer sind aus dem Kreis Pinneberg. Es wurden fünf zweite und 82 erste Preise vergeben. Darunter qualifizierten sich 50 Teilnehmer für die Teilnahme am Landeswettbewerb. 

Was in Zahlen sehr nüchtern klingt, war in der Praxis hochemotional. Die Teilnehmer übten seit Monaten für den Auftritt, den Musiklehrern schwitzten die Hände, den Eltern zitterten die Knie. Viele Hoffnungen sind an den Wettbewerb geknüpft. Die waren nicht nur musikalischer Natur: „Wenn wir einen ersten Preis machen, bekomme ich einen Hund“, unkte Laura Andrea Caspers (11), die am Klavier ihre Duopartnerin Marit Molkenthin (8) mit der Violine begleitete. „Ich bekomme dann einen neuen Geigenbogen“, sagt Marit. Theoretisch könnten sie die Instrumente auch tauschen: Beide Mädchen spielen sowohl Violine als auch Klavier und haben Unterricht an der Musikschule Pinneberg bei der Lehrerin Simone Anders. Für Laura ist es die erste Teilnahme am Wettbewerb, Marit ist schon zum zweiten Mal dabei. Aufgeregt? „Nein“, sagte Marit entschieden. Ihrer Mutter Meike Molkenthin ging es anders: „Ich finde das, ehrlich gesagt, ganz schrecklich. Dieser Stress, den die Kinder haben, wochenlang die gleichen Stücke üben.“ Warum lässt sie ihre Tochter dann überhaupt teilnehmen? „Weil ich respektiere, was die Kinder wollen. Und Marit will das unbedingt.“

Die Bewertung

Die Teilnehmer treten nicht gegeneinander an. Die Bewertung erfolgt auf einer Punkteskala, die Anforderungen sind nach Instrumenten- und Altersgruppe individuell formuliert. Ab 13 bis 16 Punkten gibt es einen dritten Preis, von 17 bis 20 Punkten einen 2. Preis, mit 21 und 22 Punkten einen ersten Preis und von 23 bis 25 Punkten einen ersten Preis mit Weiterleitung zum Landeswettbewerb.

Dass die Teilnahme unabhängig vom Ergebnis lohnend ist, da ist sich Christine Braun, Vorsitzende des „Jugend musiziert“ – Landesauschusses Schleswig Holstein, sicher. „Es spornt an, seine Grenzen zu erweitern“, sagte sie in ihrer Rede an die Teilnehmer während der Preisverleihung am Sonnabendabend im Festsaal am Falkenberg in Norderstedt. „Wer hätte ohne den Wettbewerb so viel geübt in den letzten Monaten?“ Musik bedeute Stetigkeit: „Nur zwei Tage vor dem Wettbewerb stundenlang zu üben bringt nichts,“ sagte Braun. Und der Wettbewerb biete konstruktive Rückmeldung, ob das, was man sich als Ausdruck überlegt hat, auch angekommen ist.

Laura Andrea Caspers (11, links) und Marit Molkenthin (8) erreichten volle Punktzahl.
Foto: Janina Schmidt
Laura Andrea Caspers (11, links) und Marit Molkenthin (8) erreichten volle Punktzahl.
 

Frank Engelke, seit 1996 Vorsitzender im Regionalausschuss, bemerkte, dass die Ergebnisse mit 82 ersten Preisen immer besser werden. Das klingt zwar toll, aber Engelke ist nicht euphorisch: „Die Musiklehrer bereiten Schüler nur noch vor, wenn sie sicher sind, dass sie weiter kommen. Sonst machen sie sich die Mühe oft nicht.“ Das sei schade, denn dadurch verliere der Regionalwettbewerb seine Funktion. Engelke: „Er wird dann zu einer reinen Durchgangsstation zum Landes- oder Bundeswettbewerb.“ Das sei auch Ausdruck der kulturellen Landschaft des Nordens: „In Süddeutschland sieht es anders aus. Da sind 40 Teilnehmer pro Altersgruppe, wo hier höchstens fünf sind.“ Grund dafür sei, dass Schleswig-Holstein im Bundesdurchschnitt das Land mit der geringsten Kulturförderung sei. Engelke ergänzt: „Auch fehlt die kulturelle Landschaft in den Dörfern. In Bayern machen viel mehr Jugendliche Musik in dörflichen Kapellen. Daher kommt eine gewisse Breitenmusikalität, die hier im Norden zusehends verloren geht.“

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