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Pinneberger Tageblatt

24. September 2017 | 01:38 Uhr

Projekt : Jüdisches Museum macht Schule

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Gymnasiasten beschäftigen sich mit dem Verhältnis Deutschlands zum Judentum und mit jüdischen Biografien.

shz.de von
erstellt am 05.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Quickborn | Es bleibt ein kompliziertes Verhältnis, das zwischen Juden und Deutschland. Noch immer ist der Umgang von deutschen Christen und Juden geprägt von Befangenheit und Unsicherheit. Mitarbeiter des Jüdischen Museums Berlin haben sich gestern mit rund 120 Schülern des Quickborner Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums getroffen und in Gesprächen und Workshops die Vielfalt der jüdischen Religion, jüdische Geschichte und jüdische Lebenswelten thematisiert.

„Wenn es um die Juden geht, reagieren wir fast immer mit einem kulturell geprägten Betroffenheitsreflex“, sagte Lehrerin Frauke Leuckfeld, die die Schüler der Klassen 11, 10 und 9  b durch den Projekttag begleitete. Ihr sei daran gelegen, ihnen die Verunsicherung zu nehmen. „Und dann kommen die Schüler meistens ganz schnell zu der Erkenntnis, wir haben keine Schuld, aber die Verantwortung“, sagte sie. Entsprechend ernsthaft ließen sie sich auf die Biografien insbesondere jüngerer Juden ein, deren Geschichte sie in fiktiven Telefonaten, Theaterszenen und Vorträgen vorstellten.

Etwa die der 1981 geborenen Russin Ekaterina Kaufmann. Wegen ihres jüdischen Vaters befürchteten die Eltern Repressalien für die Kinder und änderten den Nachnamen in Rubjowa. Nachdem die Familie 1991 nach Deutschland ausgewandert war, nannte sich Ekaterina fortan Katja Kaufmann. Mit dem Namen, der ihr bei der Integration helfen sollte, wurde sie nicht glücklich. Ihr fehlte der Bezug zu ihrer russisch-jüdischen Identität. Heute trägt wieder ihren Geburtsnamen.

Oder Tsafrier Cohen, geboren 1966 in Tel Aviv. 1986 wanderte er nach Deutschland aus, um in einem toleranteren, liberaleren Umfeld leben zu können. Die Schüler zeigten in einem fiktiven Telefonat, wie sehr sich der junge Mann, heute übrigens für die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Israel und gleichzeitig als Repräsentant für die Menschenrechtsorganisation Medico International tätig, zu Anfang über die ausgesuchte Höflichkeit und Hilfsbereitschaft der Deutschen ihm, dem Juden, gegenüber wunderte. „Man sieht an diesen Beispielen, wie die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten ihre Spuren in den Familiengeschichten hinterlassen hat“, sagte Historikerin Tanja Kinzel.

„Das Jüdische Museum on tour“ besucht jedes Jahr 30 Schulen im gesamten Bundesgebiet. Im Mittelpunkt der Arbeit steht eine Ausstellung mit fünf robusten und etwa hüfthohen Würfeln, in die 16 Vitrinen integriert wurden. Außen sind Texte, Karten und Fotografien angebracht. Sie dienten auch gestern als Anhaltspunkte für eine Diskussion über die eigene Religiosität und Identität sowie die Gemeinsamkeiten von Juden- und Christentum.

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