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Das 500. Gerät ist repariert : Jubiläum im Pinneberger Repair-Café

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Defekte Staubsauger, kaputte Fahrräder oder ein Loch in der Lieblingshose – bei den Repair-Cafés wird alles repariert, was einen Wert für die Besitzer hat.

Pinneberg | Die Weihnachtsmelodie erklang urplötzlich im Gemeindesaal der Lutherkirche. Obwohl beim 13. Repair-Café alle Tische besetzt waren und teils lautstark über mögliche Reparaturen diskutiert wurde, setzte sich die Spielhallenmelodie durch. „Ich freue mich so sehr“, übertönte Besitzerin Elfriede Liss die sanften Klänge. Mit strahlenden Augen schaute sie auf das weihnachtliche Karussell, das nicht nur Musik von sich gab, sondern sich auch in gemächlichem Tempo drehte.

„Es hat ein paar Jahre im Keller gelegen, weil es nicht mehr gespielt und sich auch nicht bewegt hat“, erläuterte Liss. „Ich hätte nicht gedacht, dass es noch einmal jemand hinbekommt.“ Für Reinhard Fetzer aus dem Repair-Café-Team war es allerdings am Sonnabend eher eine leichte Fingerübung. „Eine Sicherung war defekt und der Motor saß fest. Keine große Sache“, erläuterte Fetzer. Kleine Ursache, große Wirkung. „Jetzt kann das Weihnachtsfest kommen“, sagte Liss.

Das sind die Momente, mit denen wir für unsere ehrenamtliche Arbeit belohnt werden“, erläuterte Repair-Café-Initator Holger Jensen. „Viele Dinge haben einen ideellen Wert, und da ist es um so schöner, wenn man sie wieder hinbekommt. Das ist eigentlich nicht zu bezahlen.“ Nicht ganz so ideell, aber dafür umso funktioneller war die Jubiläumsreparatur am Wochenende. Harry Grunhard hatte den Wasserkocher einer Pinnebergerin wieder gangbar gemacht. Die 500.  erfolgreiche Reparatur der Pinneberger Gruppe. Außer dem heilen Elektrogerät gab es für die „Jubilarin“ den Gedichtband „Ein Spatz saß keck auf einem Baum“ von Maria Fürst, die im Repair-Café im Textilbereich tätig ist. „Sie war ganz gerührt. Das war einfach schön zu sehen. Manchmal trifft es einfach die Richtigen“, sagte Jensen.

Defekte Staubsauger, kaputte Fahrräder oder ein Loch in der Lieblingshose – bei den Repair-Cafés wird alles repariert, was einen Wert für die Besitzer hat. „Wir haben eine Erfolgsquote von 70 Prozent. Damit sind wir gut dabei. Das ist der Schnitt, den auch andere Einrichtungen wie unsere haben“, sagte Jensen. Den Helfern geht es nicht nur darum, ideelle Wertgegenstände wieder herzustellen, sondern auch die Wegwerfmentalität zu verringern. „Dieses Bauelement ist in vielen Lampen verbaut und geht ständig kaputt. Das kostet etwa drei Euro“, erläuterte Jensen während er auf einen Stecker mit vier unterschiedlich farbigen Kabeln zeigte. „Für drei Euro kann man also so manche Lampe schnell wieder fit machen“, so Jensen. Denn – das war am Sonnabend auffällig – im Elektrobereich trudelte eine Steh- und Tischlampe nach der anderen ein. „Das liegt vielleicht am Beginn der dunklen Jahreszeit“, sagte Jensen lachend. Die Kosten werden übrigens aus Spenden finanziert. Niemand wird für die Reparatur zur Kasse gebeten.

Eine Kuriosität landete übrigens auch auf seinem Tisch. „Eine Dame kam mit ihrem Staubsauger, der angeblich defekt war. Allerdings war nur der Schlauch verstopft. Ich wusste gar nicht wie da so viel Dreck drin sein kann.“ Ein leichter, wenn auch etwas unappetitlicher Fall. „Das sind die Dinge, über die man schmunzelt und nachher viel zu erzählen hat“, sagte Jensen.

Initiator Holger Jensen (v. l.) überreichte zusammen mit Autorin Maria Fürst deren Gedichtband „Ein Spatz saß keck auf einem Baum“ an die Gewinnerin, deren Wasserkocher Harry Grunhard repariert hatte. Die 500. Erfolgreiche Reparatur der Pinneberger Gruppe.
Initiator Holger Jensen (v. l.) überreichte zusammen mit Autorin Maria Fürst deren Gedichtband „Ein Spatz saß keck auf einem Baum“ an die Gewinnerin, deren Wasserkocher Harry Grunhard repariert hatte. Die 500. Erfolgreiche Reparatur der Pinneberger Gruppe. Foto: Bastian Fröhlig
 

Diese Zeit nahmen sich die Helfer nachdem die Türen offiziell geschlossen waren. Zum dreijährigen Bestehen gab es Suppe und Wein im Gemeindehaus. „Das ist unser jährliches Dankeschön für die Helfer“, erläuterte Jensen. Insgesamt 50 Ehrenamtliche stehen auf seiner Liste. „Ich habe immer zehn, wie ich es nenne, im Hot-Stand-by, die ich jederzeit anrufen kann. Pro Veranstaltung sind etwa 25 Helfer dabei. Das ist Manpower, die wir mittlerweile aber auch brauchen.“ Denn die Zahl der Reparaturen nehme zu, aber auch die Schwierigkeit. „Wir haben durch die Vielfalt ein unglaublich breit gefächertes Know-how und trauen uns mittlerweile so einiges zu“, so Jensen.

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