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Pinneberger Tageblatt

21. August 2017 | 07:04 Uhr

Journalist: Demokratie wackelt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

„Appener Gespräch“: Enthemmung der Gesellschaft zeigt sich bei Pegida

Die ersten „Appener Gespräche“ dieses Jahres haben sich am Dienstagabend in der Appener Marseille-Kaserne dem Thema „Deutsche Interessen, Ethik und die gesellschaftliche Akzeptanz der Gewalt“ gewidmet. Militärpfarrer Andreas-Christian Tübler diskutierte mit Professor Heinz-Gerhard Justenhoven, Leitender Direktor des Instituts für Theologie und Frieden in Hamburg, sowie mit dem stellvertretenden „Spiegel“-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit darüber, wie es um die Demokratie in Deutschland stehe.

Tübler sprach Kurbjuweit auf ein Fernseh-Interview an, dass dieser 2009 gegeben hatte. Darin sagte Kurbjuweit, dass die Demokratie in Deutschland wackle. Das Interesse an Politik gehe in der Gesellschaft immer mehr zurück, gleichzeitig gebe es undemokratische Alternativen, wie China, Dubai oder Singapur, die Wohlstand generieren würden.

Tübler wollte am Dienstag wissen, ob sich Kurbjuweits Sicht auf diese Entwicklungen in den vergangenen Jahren geändert habe.

„Den ersten Teil sehe ich bestätigt“, sagte Kurbjuweit. Insbesondere die geringe Beteiligung von 42 Prozent an der Bürgermeisterwahl in Köln, kurz nach dem Anschlag auf die dann gewählte Oberbürgermeisterin Henriette Reker, habe ihn erschüttert. „Nicht einmal die Hälfte der Bürger hat danach gezeigt, dass unser demokratisches System zustimmungswürdig ist“, sagte er.

Auch die Alternativen, die er 2009 ansprach, gebe es immer noch, sagte Kurbjuweit. Zwar sei die Attraktivität von China nicht weiter gestiegen. „Aber die Attraktivität von Russland hat zugenommen“, sagte er.

Zudem sei ihm in den vergangenen Monaten eine Enthemmung der Gesellschaft aufgefallen, die sich etwa während der Pegida-Demonstrationen zeige. „Die Bürger, die heute mit Hassparolen und pöbelnd auf die Straßen gehen, hätten dieses Verhalten vor wenigen Jahren selbst verurteilt“, sagte er. Verantwortlich dafür sei das Internet. Denn dort wären die Parolen genutzt worden, ohne sanktioniert zu werden. „Die Leute haben sich dort ausprobiert und dabei Sicherheit und Verbündete für die Realität gewonnen“, mutmaßte Kurbjuweit.

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erstellt am 26.Feb.2016 | 16:00 Uhr

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