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„Menschen zum Lachen bringen“ : Jochen Busse über seine Rolle in in der Komödie Winterhuder Fährhaus

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Vor dem Auftritt in der Komödie Winterhuder Fährhaus: Jochen Busse über seine Rolle in „Der Pantoffel-Panther“.

Hamburg | Fernsehzuschauer kennen ihn unter anderem durch die Serie „Das Amt“. Der Schauspieler Jochen Busse hat bereits ein Millionenpublikum begeistert. Demnächst ist er in dem Stück „Der Pantoffel-Panther“ zu sehen, das bis zum 3. September in der Komödie Winterhuder Fährhaus in Hamburg läuft. Im Interview erklärt der sympathische Schauspieler unter anderem, was eine gute Komödie auszeichnet und warum das Fernsehen aus seiner Sicht trotz Internet-Konkurrenz eine Zukunft hat.

Was erwartet die Zuschauer in „Der Pantoffel-Panther“?
Sie können zwei Stunden lachen und zwar fast ununterbrochen. Das ist keine Spekulation oder Werbung, sondern ein Erfahrungswert. Ich habe das Stück schließlich schon mehrmals gespielt. Egal, wie viele Zuschauer im Saal waren: Die Leute haben immer getobt. Der Humor ist vielfältig. Slapstick, manchmal eher etwas feinsinnig, auch mal kabarettistisch - es ist für jeden etwas dabei.

Was macht den Charme des Stücks aus?
Dass es überhaupt noch so etwas wie einen modernen Schwank gibt, ist schon etwas Besonderes. Mir ist das Stück allein deshalb wichtig, weil es für mich geschrieben wurde. Daher will ich mich dem Publikum auch mit all meinen Facetten präsentieren.

Es geht um das Thema „Altersarmut“. Gibt es dieses Problem auch in Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis?
Im Freundeskreis eher nicht. Im Bekanntenkreis aber leider ja. Etliche Kollegen, die früher populär waren, sind wegen ihrer Geldsorgen in die Immunität geflüchtet, so dass man kaum noch an sie herankommt. Meistens ziehen sie nach Berlin, weil man nirgendwo besser in der Anonymität untertauchen kann. Da die Gagen immer geringer werden, wird es für Schauspieler immer schwieriger, über die Runden zu kommen.

Lohnt es sich überhaupt noch, Schauspieler zu werden?
Finanziell sicher nicht. Vielleicht entsteht durch Streaming-Dienste wie Netflix wieder mehr Wettbewerb. Der fehlt im Moment, so dass den meisten Schauspielern gar nichts anderes übrig bleibt, als auch schlechte Angebote anzunehmen.

Hat das Fernsehen trotz der wachsenden Zahl von Streaming-Diensten überhaupt noch eine Zukunft?
Ich denke schon. Diese Mattscheibe, dank der ich mit einem Knopfdruck Nachrichten und anschließend Unterhaltungsprogramme gucken kann, wird es auch in Zukunft geben. Vielleicht ist es irgendwann sogar wieder einmal cool, sich um 20.15 Uhr gemeinsam Sendungen wie früher die Shows von Hans-Joachim Kulenkampff oder Peter Frankenfeld anzuschauen. Die Samstagabend-Shows waren früher Pflichtprogramm, wenn man nach dem Wochenende mitreden wollte. Dieses Gemeinschaftserlebnis gibt es derzeit nicht mehr.

Was fasziniert Sie am Beruf des Schauspielers?
Ich will Menschen zum Lachen bringen. Es gibt nichts Langweiligeres, als ernste Rollen zu spielen. Dann weiß man nicht, ob etwas wirklich bei den Menschen ankommt. Wenn ich etwas Lustiges spiele und keiner lacht, ist dagegen klar, dass etwas schiefgelaufen ist.

Was zeichnet eine gute Komödie aus?
Zur Komik gehört, dass ganz triviale Situationen lustig auf die Bühne gebracht werden. Zudem muss die Einheit von Ort und Handlung sichergestellt sein. Es gilt, innerhalb von zwei Stunden eine komplette Geschichte zu erzählen. Dabei wird das Leben des Hauptdarstellers durcheinandergebracht und am Ende muss alles wieder so sein wie am Anfang. Das klingt einfacher als es ist.

Hat sich die Schauspielbranche verändert?
Die Theater haben Publikum verloren. Es wird immer schwieriger, die Häuser zu füllen. Namen, die das garantieren, gibt es ebenfalls kaum noch. Die Schauspieler, die das schaffen würden, warten meistens lieber auf Fernsehangebote.

Sie waren auch als Kabarettist erfolgreich. Ist momentan eine gute Zeit fürs Kabarett?
Nicht unbedingt. Wie soll man zum Beispiel bei einer Figur wie Donald Trump dessen kompliziertes Verhältnis zu Russland darstellen? Beim Kabarett kommt es darauf an zu personalisieren. Das gelingt nicht, wenn ein Thema kaum zu durchschauen ist und man auf Vermutungen angewiesen ist.

Sie sind den Fernsehzuschauern vor allem in der Rolle des Miesepeters bekannt. Ist es schwierig, solche Figuren zu spielen?
Nein. Es ist nur kaum jemand bereit, diese Rollen zu übernehmen. Deswegen musste ich immer die Miesepeter darstellen. Wenn man so etwas eine Weile macht, steckt man zwangsläufig in einer Schublade. Das hat mich aber nie gestört.

Sind Sie jemand, der auch über sich selbst lacht?
Ich würde schon sagen, dass ich dazu neige. Und mit zunehmendem Alter komme ich aus dem Lachen gar nicht mehr raus.

Jochen Busse (76) ist Schauspieler, Kabarettist und Autor. Erste Erfahrungen als Kabarettist sammelte er im Studentenkabarett „Die Knallfrösche“. Drei Jahre war er im Düsseldorfer Kom(m)ödchen aktiv. Von 1976 bis 1991 gehörte Jochen Busse zum Ensemble und Autorenteam der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Ab Ende der 1960er Jahre übernahm Busse auch Rollen in Filmen und Fernsehproduktionen. 1978 startete Busse mit der WDR-Serie „Medienklinik“ seine erste eigene Sendung, später war er Dreh- und Angelpunkt der Sketchreihe „Nur für Busse“. Von 1996 bis 2005 moderierte er die von RTL gesendete und von Rudi Carrell produzierte Freitagabendshow „7 Tage, 7 Köpfe“. Außerdem feierte er ab Februar 1997 als Amtsrat Hagen Krause in der RTL-Serie „Das Amt“ in mehr als 70 Episoden einen Erfolg.
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erstellt am 30.Jul.2017 | 10:00 Uhr

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