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Pinneberger Tageblatt

17. August 2017 | 14:16 Uhr

Job-Programm für Flüchtlinge lahmt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Integration Kommunen fürchten Bürokratie und rufen Fördergeld des Bundes nicht ab / 300 Stellen im Kreis Pinneberg möglich

SPD-Politiker aus dem Kreis Pinneberg haben sich gestern in Elmshorn mit Experten der Arbeitsagentur getroffen. In dem Gespräch ging es vor allem darum, wie Langzeitarbeitslose besser in Jobs gebracht, Flüchtlinge für Aushilfsarbeiten vermittelt und Jugendliche auf die Jugendberufsagentur (JBA) aufmerksam gemacht werden können.

>  Jobs für Flüchtlinge: „Immer mehr Flüchtlinge fallen mit der Anerkennung aus dem Asylbewerberleistungsgesetz heraus und werden Kunden des Jobcenters“, sagte SPD-Landtagsabgeordnete Beate Raudies. Doch die Integration in den Arbeitsmarkt scheint noch nicht zu funktionieren. „Oft ist die Sprache das Hauptproblem“, sagte Raudies. Der Bund habe deswegen für Kommunen einen Fördertopf beschlossen, mit dem die Migranten in einfache Tätigkeiten, etwa beim Bauhof, als Hausmeister in Schulen oder in sozialen Einrichtungen, vermittelt werden sollen. „Geplant sind bundesweit 100  000 Stellen. Das wären 3000 für Schleswig-Holstein und 300 für den Kreis Pinneberg“, sagte Rossmann.

Noch aber zögern die Kommunen im Kreis Pinneberg. Lediglich 30 Stellen wurden bisher besetzt. „Die Kommunen fürchten zum einen Bürokratie und zum anderen eine Wiederholung schlechter Erfahrungen, die sie mit Ein-Euro-Jobs gemacht haben“, sagte Kenntemich. Deswegen solle nun der Kontakt zu den Kommunen intensiviert werden, um das Förderprogramm zu bewerben.

>  Langzeitarbeitslose: „Insgesamt ist die Arbeitsmarktlage im Kreis Pinneberg sehr gut. Ich erinnere mich an Gespräche, da hatten wir doppelt so viele Arbeitslose wie heute“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann. Derzeit sind etwa 9200 Menschen im Kreis Pinneberg ohne Job (diese Zeitung berichtete). Rossmann schränkte jedoch ein: „Es noch einige Probleme: Langzeitarbeitslose, Migranten ohne Job und Jugendliche ohne Ausbildungsplatz.“ Thomas Kenntemich, Leiter der Arbeitsagentur in Elmshorn, sagte: „Trotz der guten Bedingungen verfestigt sich bei einigen Menschen die Arbeitslosigkeit.“ Laut Statistik gibt es etwa 2900 Langzeitarbeitslose im Kreis Pinneberg. Das sind etwa 32 Prozent aller Arbeitslosen. Kenntemich beobachtet, dass es auf der einen Seite Menschen ohne Job gibt, auf der anderen Seite Unternehmen, die ihre offenen Stellen nicht besetzen können. „Wir sehen, dass es häufig nicht eins zu eins passt. Deswegen brauchen wir mehr Flexibilität auf beiden Seiten. Alle, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, sollten überlegen, ob ihre jeweiligen Wunschvorstellungen immer zu 100 Prozent erfüllt sein müssen“, sagte Kenntemich.

Hans-Peter Stahl, Kreistagsmitglied der SPD, gab zu bedenken: „Es gibt auch Menschen, die sich nicht in den ersten Arbeitsmarkt integrieren lassen. Für die müssen wir Alternativen finden.“ Unter dem Begriff „erster Arbeitsmarkt“ werden reguläre Jobs in der freien Wirtschaft zusammengefasst. Staatlich geförderte Programme wie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen werden dem zweiten Arbeitsmarkt zugeordnet. „Etwa die Hälfte der Arbeitslosen ist nicht regulär integrierbar. Wir brauchen deswegen den zweiten, öffentlich finanzierten Arbeitsmarkt. Und dafür setze ich mich auf Bundesebene ein“, sagte Rossmann.

Das Geld komme meist aus drei Quellen: dem Europäischen Sozialfonds (ESF) für Deutschland, dem Bundesprogramm „Soziale Teilhabe“ und den Netzwerken für Aktivierung, Beratung und Chancen (ABC). Förderprogramme sind meist zeitlich begrenzt. „Ich setze mich dafür ein, dass sie verstetigt werden. Damit erreichen wir auch mehr Planungssicherheit für die Jobcenter“, sagte Rossmann. Mit den Programmen werden häufig Aushilfsjobs, etwa in sozialen Einrichtungen, Schulen und Vereinen finanziert.

>  Jugendberufsagentur: Eine positive Bilanz zogen Politiker und Arbeitsmarktexperten von der Eröffnung der Jugendberufsagentur (JBA) vor zwei Monaten. Das vom Land geförderte Projekt, in dem Jugendliche im Übergang von der Schule zum Beruf besser beraten werden sollen, ist bisher mit einer Anlaufstelle in Elmshorn vertreten. Ziel sei es, in Zukunft präsenter zu sein. So werde die Eröffnung einer Filiale in Pinneberg geprüft. In der JBA arbeiten Schulen, Jobcenter, Jugendämter und andere Institutionen zusammen, um junge Menschen in Ausbildung und Beruf zu bringen. Etwa 3000 Bewerber gebe es pro Jahr.

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erstellt am 11.Feb.2017 | 15:00 Uhr

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