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Bahn-Posse in Pinneberg : Jetzt ziehen die Anwohner vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Keine Lärmschutzwand trotz Gefahr von den Gleisen. Der Streit mit der Bahn beschäftigt jetzt ein Gericht.

von
erstellt am 08.Apr.2015 | 15:30 Uhr

Pinneberg | Sie haben sich an die Presse und das Fernsehen gewandt. Sie haben Lokalpolitiker eingeschaltet. Sie haben Protestbriefe an die Deutsche Bahn und den Verkehrsminister Alexander Dobrindt geschrieben. Und zuletzt noch einmal mit Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) gesprochen. Doch genutzt hat es bis heute nichts: Die Bewohner der 19 Häuser im Neubaugebiet Düpenau-Eck kämpfen seit Februar um Lärmschutzwände.

Wie berichtet, wohnen sie direkt an der Bahntrasse. Aus dem Gleisbett geschleuderte Gegenstände – darunter ein Eisenstück, das sich in die Wand eines Gerätehäuschens bohrte – stellen eine Gefahr dar. Täglich fahren etwa 280 Züge auf der Strecke. Den Kindern ist es verboten, sich in den Hintergärten aufzuhalten – es droht Lebensgefahr.

„Unser nächster Schritt ist, einen Anwalt mit der ganzen Sache zu beauftragen, denn auf normalem Wege kommen wir leider nicht zu einem Ergebnis“, sagt Kadir Tokus, einer der Anwohner, der den Stein ins Rollen gebracht hat. Zwar habe der Bauträger sich bereit erklärt, sich mit 20.000 Euro an den Kosten für eine Schutzwand zu beteiligen, doch das lasse die Bahn kalt. Sie berufe sich auf ein Gesetz, nachdem Gebäude, die nach 1974 errichtet wurden, keine Aufnahme in das Lärmschutzprogramm des Bundes finden.

Während eines Prozesses könnten indes pikante Details ans Licht kommen: „Ein Politiker, der anonym bleiben möchte, hat uns Unterlagen sowie Baupläne und Protokolle zukommen lassen. Diese lassen darauf schließen, dass während der Genehmigungs- und Bauphase nicht alles mit rechten Dingen zuging. Dies muss sich natürlich ein Anwalt genauer anschauen“, sagt Kadir. Unter anderem hatte man den Anwohnern eine Lärmschutzwand versprochen.

Unterdessen haben auch die Grünen zu dem Sachverhalt Stellung genommen. Sie wundern sich, dass die SPD Druck machen wolle, denn CDU und SPD würden eine Mitverantwortung für die Situation an der Halstenbeker Straße tragen. „Wenn man sich die politischen Beschlüsse aus dem Jahr 2011 anschaut, sind SPD und CDU für die jetzige Situation mitverantwortlich. Gemeinsam haben sie den Bebauungsplan gegen unsere Stimmen in der Ratsversammlung am 6. November beschlossen“, sagt Joachim Dreher von der Fraktion Grüne & Unabhängige. Kritische Stimmen der Anwohner hätten sie ignoriert. „Ebenso die zahlreichen Einwände von Pinnebergern, die sich gegen die Bebauung direkt an den Gleisen ausgesprochen haben“, so Dreher.

„Schuldzuweisungen sind für niemanden hilfreich. Entscheidend ist, das dort etwas passiert, was der Sicherheit der dortigen Anwohner dient. Wir warten die Stellungnahme der Bürgermeisterin im Hauptausschuss ab“, erwidert SPD-Sprecher Herbert Hoffmann.

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