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Marode Schulen in Pinneberg : Jetzt wird ordentlich saniert

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

6,9 Millionen Euro werden noch in 2014 investiert: Theodor-Heuss-Gymnasium soll einen attraktiven Innenhof bekommen.

Pinneberg | Schimmel an den Wänden. Uralte Fachräume. Viel zu kleine Lehrerzimmer. Pinnebergs Schulen sorgen seit Jahren überregional für Schlagzeilen. Der Sanierungsstau beläuft sich auf 34,5 Millionen Euro. Gestern präsentierte Bürgermeisterin Urte Steinberg einen dezidierten Fahrplan für die kommenden Wochen und Monate. 6,9 Millionen Euro sollen noch 2014 in die Modernisierung der Gebäude gesteckt werden. Und: Trotz katastrophaler Haushaltslage soll auch in den Folgejahren massiv investiert werden.

Erst kürzlich hatte die Pinneberger Schul-Allianz, in der besorgte Eltern organisiert sind, ein höheres Tempo angemahnt. Und darauf hingewiesen, dass etwa Baumängel an der Theodor-Heuss-Schule seit zwei Jahren nicht behoben werden. Eine offene Fassade, hervorquellendes Dämmmaterial: Der Innenhof des Gymnasiums ist zweifelsohne ein Schandfleck. Einer, der ab September beseitigt werden soll. „Dann beginnen die Erdarbeiten, danach wird die Fassade saniert“, bestätigt Silkata Sahin-Adu, Leiterin des Kommunalen Servicebetriebs der Stadt. 832.000 Euro können noch 2014 investiert werden. Fertigstellung noch ungewiss. „Wir sind bei den Außenarbeiten vom Wetter abhängig.“

Das gilt nicht für den Umbau des seit Jahren ungenutzten Lehrschwimmbeckens an der Grund- und Gemeinschaftsschule (GuGs) im Quellental. Der Bau wird ab September entkernt und für die Schulsozialarbeiter ausgebaut. Auch im Winter kann gearbeitet werden. Sahin-Adu hofft auf Fertigstellung Mitte 2015. Für 2014 stehen 618.000 Euro zur Verfügung. Für 2015 soll noch einmal dieselbe Summe angemeldet werden.

Um der akuten Raumnot Herr zu werden, schafft die Stadt zum neuen Schuljahr für 40.000 Euro einen so genannten Seminarcontainer für die GuGs an. In neue naturwissenschaftliche Fachräume wird dort ebenfalls investiert. Die Johannes-Brahms-Schule soll noch im Herbst für 120.000 Euro eine moderne Cafeteria bekommen.

Finanziell steckt Pinneberg in der Klemme. Bereits in einer Haushaltsprognose von 2013 ging die Finanzverwaltung der Kreisstadt davon aus, dass die Schulden weiter explodieren. Es sei damit zu rechnen, dass die Verbindlichkeiten von 99,2 Millionen Euro auf 147 Millionen Euro im Jahr 2016 steigen. Zum Zeitpunkt dieser Prognose war der massive Sanierungsstau an den Schulen noch nicht ermittelt. Und: Die Kreisstadt hat sich gegenüber dem Land Schleswig-Holstein zu einem rigiden Sparkurs verpflichtet, als sie unter dessen so genannten finanzpolitischen Rettungsschirm schlüpfte. Die Kreditaufnahme ist streng limitiert. Pinneberg muss sich für jede Ausgabe rechtfertigen. Bürgermeisterin Urte Steinberg kündigte gestern dennoch an, den Schulsanierungsplan ohne Einschränkungen konsequent abarbeiten zu wollen. „Schulen haben klar Priorität, wir investieren in die Zukunft“, sagt sie. Die politischen Parteien glaubt sie hinter sich. Gegenüber Kiel werde man auch künftig geschlossen auftreten.

Geschlossen treten auch Kommunaler Servicebetrieb und Stadtverwaltung auf, wie Schulamtsleiterin Traudchen Perrefort erkannt haben will: „Die Zusammenarbeit funktioniert ganz hervorragend.“ Silkata Sahin-Adu widerspricht ihr nicht.

Die Pinneberger Schul-Allianz hat es sich zum Ziel gesetzt, den Finger in die Wunde zu legen. Und der Zusammenschluss von Eltern aller Bildungseinrichtungen im Stadtgebiet nimmt Volksvertreter in die Pflicht. Für Montag, 15. September, ist eine Podiumsdiskussion in der Theodor-Heuss-Schule geplant. Eingeladen werden Bundestags- und Landtagsabgeordnete. Ab 20 Uhr wird diskutiert. Die Fragestellung: „Marode Schulen in Pinneberg – darf Bildung unter dem Rettungsschirm leiden?“
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erstellt am 15.Aug.2014 | 10:00 Uhr

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