Jetzt reden die Experten

Das Kriegerdenkmalam Bahnhof: Eine Initiative möchte ein Gegendenkmal. Doch die eingesetzte Arbeitsgruppe ist bislang noch zu keinem Ergebnis gekommen.
Das Kriegerdenkmalam Bahnhof: Eine Initiative möchte ein Gegendenkmal. Doch die eingesetzte Arbeitsgruppe ist bislang noch zu keinem Ergebnis gekommen.

Öffentliche Anhörung von Sachverständigen zur Umgestaltung des Denkmals am Bahnhof / Initiative für künstlerischen Wettbewerb

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04. Mai 2018, 16:26 Uhr

„In unwandelbarer Treue zum Vaterland und in der Hoffnung auf den Sieg ließen 312 Helden dieser Stadt ihr teures Leben auf dem Felde der Ehre“ – diese Inschrift auf dem Denkmal am Bahnhof sorgt bei vielen Bürgern für Unmut und weckt Erinnerungen an eine Zeit, als die Nazis den Krieg und damit Tod und Zerstörung über Deutschland und die Welt brachten.

Für die einen ist es ein Kriegsdenkmal, für die anderen allerdings ein historisches, zeitgeschichtliches Bauwerk. Was stellt das Denkmal nun da? In Pinneberg ist darüber ein Streit entbrannt. Nun lädt die zuständige Arbeitsgruppe, die gegründet wurde, um über die Umsetzung einer künstlerischen Gegendarstellung zu dem Denkmal zu beraten, aber noch zu keinem Ergebnis gekommen ist, zu einer öffentlichen Anhörung von Sachverständigen ein. Am Dienstag, 8.  Mai, werden der Historiker Loretana de Libero, VHS-Leiter Wolfgang Domeyer, die VHS-Geschichtswerkstatt Pinneberg und Ulrich Hentschel, Pastor im Ruhestand, ab 18 Uhr im Rathaus, Bismarckstraße 8, den Sachverhalt erörtern.

„Ich hoffe, dass die Sachverständigen auf die Themenbereiche Aussage, ethische Bewertung, Wirkungsgeschichte und mögliche Umgestaltung des Gesamtensembles eingehen“, sagt Jochen Hilbert von der Initiative „Mahnmal statt Kriegerdenkmal am Pinneberger Bahnhof“. Für ihn ist klar: „Es handelt sich um ein Kriegerkultmal.“ Die Inschrift zum Gedenken an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs sei kriegsverherrlichend. Durch das Kriegsdenkmal hätten die Nazis ihre propagandistischen Absichten realisiert. Und er befürchtet, dass neue rechte Gruppierungen das Kriegsdenkmal am Bahnhof für sich vereinnahmen könnten. „Es geht hier nicht um mich persönlich. 70 Prozent haben im Juli 2017 in der Ratsversammlung dafür gestimmt, dass das Denkmal umgestaltet wird“, erinnert Hilbert.

In den Fokus rückte die 1934 errichtete meterhohe Steinsäule, auf der ein Schwert sowie ein Reichsadler prangen, jüngst, weil es für etwa 58 000 Euro saniert und danach mit Scheinwerferlicht in Szene gesetzt wurde. Dagegen protestierte die Bürgerinitiative „Mahnmal statt Kriegerdenkmal am Pinneberger Bahnhof“ im Januar mit einer Verhüllungsaktion. An der Kundgebung nahmen auch der SPD-Landtagsabgeordnete Kai Vogel, der DGB-Kreischef Peter Brandt, Propst Thomas Drope und Wolfgang Seibert, Leiter der Jüdischen Gemeinde in Pinneberg, teil.

Für Hilbert ist klar: „Es muss ein Gegendenkmal geben, um zu verhindern, dass das Denkmal je wieder für militaristisches und nationalistisches Denken und Handeln in Anspruch genommen werden kann. Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, dass Pinneberg vorbildlich zeigt, wie man mit einem Bauwerk umgehen kann.“ Er spricht sich für einen künstlerischen Wettbewerb aus.

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