Denkmalschutzbehörde fordert Aufklärung : Jetzt ermittelt der Kreis: 100 Grabplatten in Uetersen verschwunden

Einige der historischen Grabplatten gibt es noch im Cäcilie-Bleeker-Park.
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Einige der historischen Grabplatten gibt es noch im Cäcilie-Bleeker-Park.

Bauhofleiterin soll Kompetenzen überschritten und Steine entsorgt haben. Rathaus beantwortet Anfrage der CDU und offenbart Kommunikationsprobleme. Denkmalschutzbehörde fordert Aufklärung.

shz.de von
31. Juli 2015, 12:15 Uhr

Uetersen | Seit fast zwei Monaten sind die alten Grabplatten aus dem Cäcilie-Bleeker-Park in Uetersen verschwunden. Nun kommt Licht ins Dunkel. Die CDU hatte Bürgermeisterin Andrea Hansen (SPD) aufgefordert, die Sache endlich aufzuklären. Dem kam Hansen jetzt nach  – und legte in ihrem Bericht die mangelnde Kommunikation zwischen Rathaus und Bauhof offen.

Was ist passiert? Anfang Juni meldete sich eine Anwohnerin bei der Rathaus-Chefin, weil viele der alten Grabplatten auf dem ehemaligen Friedhof neben dem Ludwig-Meyn-Gymnasium verschwunden waren. Hansen hatte nach eigener Aussage von dem Abtransport bis dahin nichts gewusst. Die Denkmalschutzbehörde des Kreises schaltete sich daraufhin ein, die Politik folgte und übte Kritik. Die CDU bemängelte fehlende Transparenz und verlangte von Hansen, die Angelegenheit zu klären.

Die Ursachen für die Pannen bei der Entsorgung der Grabplatten werden nun immer klarer: Mangelnde Kommunikation zwischen Bauhof und Bauamt sowie das eigenmächtige Handeln der Bauhofleiterin Stefanie Schmedes führten nach bisherigem Stand zu der Beseitigung der historischen Platten. Obwohl das Bauamt ein Jahr zuvor darauf hingewiesen hatte, dass die Steine nicht zerstört werden sollen – und dies auch nicht von der Denkmalschutzbehörde genehmigt werden würde – entschied die Bauhofleiterin anders.

Bei der weiteren Klärung der Grabplatten-Posse ist nun wieder die Stadt am Zug. Die Denkmalschutzbehörde der Kreisverwaltung hat die Stadt Uetersen aufgefordert, genau zu ermitteln, wie viele der alten Grabplatten es gab oder gibt, und was aus ihnen geworden ist.

Gerüchte um vermeintlichen Grabplattenhandel

Die Posse um die etwa 100 zerstörten Grabplatten im Cäcilie-Bleeker-Park in Uetersen wird also immer abstruser. Die Informationen aus dem Rathaus zur Aufklärung des Falls erfolgen scheibchenweise, jetzt gibt es Gerüchte um vermeintlichen Grabplattenhandel. Nachdem Bürgermeisterin Andrea Hansen einen offiziellen Schadensbericht veröffentlicht hatte, gab Hansen gestern ein Dokument heraus, in dem die Kommunikationspannen zwischen Rathaus und Bauhof offengelegt werden. Die CDU hatte zuvor den ersten Bericht kritisiert und als wenig aussagekräftig beschrieben.

Aus dem jetzt vorliegenden Papier geht hervor, dass die Bauhofleiterin ihre Mitarbeiter am 1. Juni anwies, die Summe der Grabplatten selbstständig zu reduzieren. Die Bürgermeisterin sei erst durch den Anruf einer Anwohnerin über den Vorfall in Kenntnis gesetzt worden. Vor einem Ortstermin zwischen Bauhof- und Bauamtsleitung im Sommer 2014 war der Bauhof vom Bauamt darüber informiert worden, dass es sich bei dem alten Friedhof im Cäcilie-Bleeker-Park um ein eingetragenes Kulturdenkmal handele und die Untere Denkmalschutzbehörde und die Kirche einer Reduzierung der Grabplatten nicht zustimmen würden.

Laut Informationen dieser Zeitung wurden die Grabplatten bei der Firma Lüder in Uetersen zerstört. Geschäftsführer Helmut Lüder wollte dies weder bestätigen, noch dementieren. Jedoch machte er deutlich, dass Anlieferungen spätestens nach zwei Tagen zerstört werden.

Merkwürdig bleibt die Tatsache, dass die Grabplatten innerhalb kürzester Zeit verschwunden sind, beziehungsweise abtransportiert wurden – ohne dass das Rathaus darüber in Kenntnis gesetzt wurde.

Grabsteine in Privatgärten?

In Uetersen hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Platten nicht zerstört, sondern an Steinmetze oder andere Interessierte wie etwa Antikhändler oder -liebhaber verkauft oder verschenkt wurden. Hansen kann sich dazu derzeit nicht äußern, da sie im Urlaub ist. Peter Sommer, Steinmetz aus Pinneberg, glaubt nicht, dass seine Kollegen Interesse an solchen Grabsteinen hätten. „Die Aufarbeitung solcher alten Platten ist viel zu teuer und zu aufwendig. Für die meisten wäre das nicht lohnenswert.“ Er sei zwar generell dafür, solche historisch wertvollen Platten zu erhalten, damit die Familiengeschichte nicht verloren gehe, finanziell lohne sich dies jedoch nicht. Das bestätigt auch Sepp Barth, Steinmetz aus Kiel. Er könne sich aber sehr wohl vorstellen, dass andere Interesse an den Steinen hätten. Er wisse von Fällen aus dem Raum Kiel, bei denen Privatleute Grabplatten in ihre Gärten gestellt hätten, oder sich diese als Brunnen umgestalten hätten lassen.

Die Vorgehensweise des Bauhofs, auf kurzem Weg und ohne Abstimmung die Steine loszuwerden, empört Barth, überrascht ihn aber nicht. „Die Kommunen entledigen sich dieser lästigen Aufgabe der Pflege nur allzu gern.“ Besonders ältere Menschen hätten solch einem Vorhaben mit Sicherheit widersprochen, glaubt er, weil die emotionale Verbundenheit mit Gräbern von verstorbenen Vorfahren nach wie vor groß sei.

Der Kreis fordert nun von der Stadtverwaltung eine umfassende Bestandsaufnahme des ehemaligen Friedhofs, in der die Anzahl der noch vorhandenen Grabsteine, deren Beschreibung und die Lage im Gelände innerhalb der Parkgehölze dokumentiert wird. Kreissprecher Oliver Carstens zufolge soll die Verwaltung anhand historischer Lagepläne und Fotos ermitteln, welche Grabsteine entfernt worden sind. Auf diese Bestandsaufnahme solle dann ein Entwicklungskonzept folgen, wie der Cäcilie-Bleeker-Park erhalten, gepflegt und für die Bevölkerung erlebbar gemacht werden könne. Nach Erstellung dieser Bestandsaufnahme werde es dann auch einen Ortstermin mit dem Landesdenkmalamt geben, um die Schutzwürdigkeit des Parks endgültig festzulegen.

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