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Pinneberger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 15:29 Uhr

Jesus kann neue Sichtweisen ermöglichen

vom

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 03:14 Uhr

Pinneberg | "Hauptsache gesund!": Eine Äußerung, die man oft hört, wenn man jemanden nach seinem Befinden fragt. Gesundheit hat einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Das bekomme ich bei meiner Arbeit als Krankenhausseelsorgerin täglich zu spüren.

Die Heilungsberichte der Bibel scheinen ebenfalls die besondere Bedeutung der Gesundheit zu betonen. Über einen solchen wird in den Gottesdiensten am morgigen Sonntag nachgedacht. Es ist die Heilung eines Blinden in Betsaida (Markus 8, 22-26). Der Blinde wird von einigen Leuten zu Jesus gebracht mit der Bitte, er möge diesen berühren. Jesus nimmt sich der Sache an. Er bringt den Blinden hinaus vor das Dorf und gibt dort Speichel auf dessen Augen. Daraufhin kann dieser sehen, allerdings noch unscharf. Nachdem Jesus ihm erneut die Hände auf die Augen gelegt hat, kann er wieder deutlich sehen. Geheilt wird er von Jesus nach Hause geschickt.

Ein kurzer Bericht von einem Sieg über Krankheit und Behinderung - so könnte man diese Geschichte verstehen, wenn man sie für sich genommen sieht. Liest man aber im Markusevangelium etwas mehr, fällt auf, dass Jesus im gleichen Kapitel in Vers 18 den Jüngern vorwirft: "Ihr habt Augen und seht nicht…" Immer wieder wird den Jüngern ihr fehlendes Erkennen und Verstehen vorgehalten. Es geht also auch im übertragenen Sinn um Blindheit. Einen solchen Sprachgebrauch kennen wir ja auch. Wir reden von Menschen, die "blind" sind vor Liebe oder auch vor Wut, wir nennen manche Menschen "Blindfuchs" oder werfen uns "blinde Flecken" vor. Befreiung von dieser Art von Blindheit hat eine ungetrübte Wahrnehmung und Erkenntnis zu Folge, realistischere Einschätzungen und bessere Orientierung.

Ich denke, auch Jesus geht es bei der Heilung des Blinden nicht allein um das Sehen an sich, sondern um ganz neue Sichtweisen. Es geht darum, dass er einem Menschen hilft, wieder das Wesentliche zu erkennen, das, worauf es eigentlich ankommt. Es geht dabei auch darum, Gott und seine Wege mit Jesus zu erkennen.

Das fiel selbst den engsten Vertrauten, den Jüngern sehr schwer. Sie wollten in Jesus gern den erfolgreichen, kraftvollen Wunderheiler sehen und nicht wahr haben, dass der leidvolle Weg an das Kreuz zu seiner Mission dazu gehörte. Dafür waren sie blind. Doch der biblische Heilungsbericht macht angesichts dessen Hoffnung. Er zeigt: Jesus kann die Augen öffnen, er kann neue Sichtweisen ermöglichen, neue Orientierung. Der Glaube hilft zu erkennen, worauf es ankommt, schenkt Sicherheit und Licht - manchmal gerade dann, wenn sich leidvolle Erfahrungen nicht vermeiden lassen, wenn die körperliche Gesundheit bedroht oder verloren ist. Ich bin dankbar, dass ich bei meinen Kontakten im Krankenhaus gerade von schwerkranken Menschen lernen darf: So wichtig und erstrebenswert die Gesundheit auch ist, sie ist nicht alles. Gott will uns die Augen öffnen auch für andere Werte wie Liebe und Gemeinschaft unter uns Menschen und mit Gott selbst. Gott will uns sein Licht sehen lassen!

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