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Stimmungsbarometer aus der Wirtschaft : Jede vierte Firma ist voll ausgelastet

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Es gibt eine positive Grundstimmung aber auch Kritik: UV Unterelbe-Westküste präsentiert Umfrageergebnisse.

Kreis Pinneberg | Das Fazit, das Verbandschef Ken Blöcker für die Lage der Unternehmen im Kreis Pinneberg zog, war in der Summe positiv: „Die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung der Region ist derzeit gut“, sagte Blöcker, nachdem er gestern die Ergebnisse der halbjährlichen Umfrage zur Konjunkturlage unter den Mitgliedsunternehmen des UV Unterelbe Westküste präsentiert hatte.

Der Unternehmensverband (UV) Westküste befragt für seine Konjunkturerhebung zweimal im Jahr seine Mitglieder. In diesem Jahr beteiligten sich knapp 161 Firmen in den Kreisen Dithmarschen, Nordfriesland, Steinburg und Pinneberg sowie in der Region Norderstedt an der Studie. Der UV Westküste ist kein Fach-, sondern ein Flächenverband: Er ist also nicht beschränkt auf eine bestimmte Branche und vertritt insgesamt knapp 400 Betriebe mit knapp 40.000 Beschäftigten.

19 Prozent der Unternehmen gaben an, ihre Investitionen gesenkt zu haben, bei den übrigen waren sie gleich geblieben und in 22 Prozent der Fälle sogar gestiegen. Jedes vierte Unternehmen gab an, zu 100 Prozent ausgelastet zu sein und 38 Prozent bewerteten die wirtschaftliche Entwicklung inzwischen als „besser“: Das waren 20 Prozent mehr als noch bei der gleichen Umfrage im zweiten Halbjahr 2016. Aber bei aller positiver Grundstimmung wurden in der Umfrage auch einige Probleme deutlich.

Fachkräftemangel

Die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften beurteilten 59 Prozent der befragten Unternehmer im Kreis Pinneberg als „unbefriedigend“ und „schlecht“, nur drei Prozent empfanden die Verfügbarkeit als „gut“. Als wichtigste Gründe für den Fachkräftemangel wurden mangelnde Fachkenntnis der Bewerber (67 Prozent) und die demographische Entwicklung (42 Prozent) genannt. Der Standort ist hier für die Kreis Pinneberger Unternehmer ein vergleichsweise geringes Problem: Im Kreis Nordfriesland bewerten etwa 61 Prozent, im Kreis Steinburg 48 Prozent den Standort als wichtigsten Grund für den Fachkräftemangel. Im Kreis Pinneberg sind es nur 14 Prozent der Unternehmer. Blöcker: „Die Nähe zu Hamburg ist da eher Segen als Fluch.“

Die Mittelständler im Kreis Pinneberg werden immer älter. Immer weniger Betriebe werden laut UV Westküste innerfamiliär übertragen, weil es entweder keinen Nachwuchs gibt oder weil die Kinder und Enkel der Firmenchefs andere Berufswünsche und Vorstellungen haben. 32 Prozent der Firmenlenker im Kreis Pinneberg sind 60 Jahre und älter. Der Verbandsdurchschnitt beträgt hingegen nur 20 Prozent.

Bürokratieaufwand

Die Klagen über zu hohen Bürokratieaufwand nehmen zu. In der aktuellen Umfrage gaben 68 Prozent an, dass dieser ihre wirtschaftliche Arbeit belastet, im zweiten Halbjahr 2016 waren es noch 56 Prozent. Der Verband kritisiert dabei unter anderem den zeitlichen und personellen Aufwand durch die Doppelstrukturen unterschiedlicher Landes- und Bundesstellen. Dass sich die neue schwarz-grün-gelbe Landesregierung auf die Fahnen geschrieben habe, Schleswig-Holstein zum mittelstandsfreundlichsten Bundesland zu machen, wird beim UV Westküste begrüßt. Sollte das in diesem Punkt ambitionierte Wahlprogramm auch umgesetzt werden, sei „Jamaika“ nicht nur ein Experiment, „sondern eine Zukunftsoption“, sagte Blöcker.

Auch die Unzufriedenheit mit der Verkehrsinfrastruktur im Kreis Pinneberg nimmt zu. 46 Prozent fühlen sich dadurch in der wirtschaftlichen Entwicklung belastet, gegenüber 26 Prozent im Halbjahr zuvor. Der UV Westküste wiederholte in diesem Zusammenhang seine Forderung nach einem raschen Ausbau der A20 mit einer weiteren westlichen Elbquerung. Unternehmer Michael Hentrich von dem Tiernahrungshersteller Salvana in Klein Offenseth-Sparrieshoop rechnete mit Blick auf die Dauerbaustellen im und rund um den Elbtunnel vor: „Früher haben unsere Lkw-Fahrer für die Strecke zu unserem Standort bei Bremen mit drei bis vier Stunden kalkuliert. Dafür brauchen wir derzeit einen Tag.“

Erstmalig hatte der Verband seine Mitglieder auch nach dem Anteil weiblicher Führungskräfte gefragt. 19 Prozent gaben an, dass sie keine weiblichen Führungskräfte hätten, weitere 28 Prozent, dass der Anteil unter zehn Prozent betrage. „Die Arbeitgeber bemühen sich zwar schon seit Jahren, Frauen mehr für Führungsaufgaben zu gewinnen“, sagte Blöcker. Allerdings würden gesellschaftliche Rahmenbedingungen, wie eine immer noch nicht flächendeckende Kinderbetreuung dies häufig verhindern.

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erstellt am 30.Jun.2017 | 14:00 Uhr

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