Das Sonntagsgespräch : „Jede einzelne Kommune steht in der Pflicht“

Klaus Marquardsen kämpft an vielen Fronten für den Umweltschutz. Seine Devise: „Global denken, lokal handeln“.
Klaus Marquardsen kämpft an vielen Fronten für den Umweltschutz. Seine Devise: „Global denken, lokal handeln“.

Heute mit Klaus Marquardsen (Lokale Agenda 21 Pinneberg).

shz.de von
12. Juli 2015, 15:00 Uhr

Pinneberg | Klaus Marquardsen ist einer der Gründer des Vereins Lokale Agenda 21 Pinneberg. Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem, wie er und seine Mitstreiter die Pinneberger zum sparsameren Umgang mit Ressourcen bringen wollen.

Warum engagieren Sie sich für die Lokale Agenda 21?
Das Thema hat mich sogar in meinem Beruf beschäftigt. Ich war bei der Telekom zehn Jahre Umweltbeauftragter und musste mir unter anderem Gedanken machen, wie ich Menschen zum Energiesparen motiviere und sie dazu bringe, Lärm zu minimieren oder alternative Energien zu nutzen – eben alles, was zum Umweltschutz gehört. Wer eine solche Tätigkeit übernimmt, kommt zwangsläufig mit der Agenda 21 in Kontakt. 1992 hatten 172 Staaten in Rio de Janeiro ein umwelt- und energiepolitisches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert beschlossen. Dieses halte ich für so wichtig, dass ich mich nicht nur bei der Telekom dafür eingesetzt habe, sondern seit meinem Ruhestand auch privat für die Agenda werbe.

Welche Aufgaben hat die Lokale Agenda in Pinneberg?
Wir haben verschiedene Gruppen gebildet, die sich mit den Themen beschäftigen, die uns wichtig sind: fairer Handel, Carsharing, Energie, Grünflächen, Stadtentwicklung, Verkehr, Plattdeutsch. Die Bandbreite ist groß und umfasst Bereiche, in denen jeder Einzelne etwas bewirken kann. Wir wollen die Menschen informieren, was sie tun können, um die Agenda 21 vor Ort mit Leben zu füllen.

Was hat die Lokale Agenda in Pinneberg schon bewirkt?
Wir haben beispielsweise vier Bürgersolaranlagen gebaut, die Strom erzeugen, der ins öffentliche Netz eingespeist wird. Auch unser Projekt Pinneberger Kaffee läuft gut. Die Bohnen stammen aus dem Sortiment der Fair-Handelsgruppe Gepa und werden mit passendem Aufdruck neu verpackt. Dazu haben wir auf Freiflächen Bäume gepflanzt.

Welche Ziele haben Sie für die kommenden Jahre?
Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, alternative Energien in Pinneberg zu etablieren und die Menschen dazu bringen, Energie zu sparen. Gas und Öl sind endlich. Diese allgemein bekannte Tatsache haben viele offenbar immer noch nicht wahrgenommen. Das wollen wir ändern, indem wir etwa Vorschläge machen, wie CO2-Emissionen verringert werden können.

Welche Möglichkeiten haben Sie, Menschen zum Umdenken zu bewegen?
Das geht nur über die Öffentlichkeit. Zeitungsberichte, Infostände bei Veranstaltungen, Flyer erstellen und verteilen - wir müssen präsent sein, um etwas zu bewirken. Es geht darum, für unsere Arbeit und die Agenda 21 zu trommeln.

Ist das Thema bei den Menschen angekommen?
Von der Stadtverwaltung bekommen wir nicht die Unterstützung, die wir brauchen. Auch die großen Parteien beschäftigen sich bis auf die Grünen nicht mit dem Thema. In der Bevölkerung sowie in der Wirtschaft ist vielen die Bedeutung der Agenda 21 ebenfalls nicht bewusst. „Global denken, lokal handeln“ sieht die Agenda vor. Deshalb steht jede einzelne Kommune in der Pflicht, sich für Umwelt- und Klimaschutz einzusetzen. Es ist aber in vielen Köpfen nicht angekommen, dass Afrika ausdörrt und Hamburg überschwemmt wird, wenn wir einfach weitermachen wie bisher. Deshalb ist noch ganz viel Aufklärungsarbeit erforderlich.

Welche Probleme hat die Lokale Agenda?
Uns fehlen Mitglieder. Anfangs waren es 40 Aktive. Nun sind es nur noch zehn. Viele springen ab, weil sich die Erfolge nicht einstellen oder zumindest nicht sofort sichtbar sind. Es wäre toll, wenn wir vor allem mehr Jugendliche ansprechen könnten.

Worin liegt Ihre persönliche Motivation?
Ich bemerke, dass die Artenvielfalt zugrunde geht, den Generationen nach uns schwere Not bevorstehen könnte und die Armut überall noch größer wird, als sie schon jetzt ist. Ich befürchte, dass das gute Leben für viele bald vorbei sein könnte. Deshalb stehen wir alle in der Pflicht, etwas zu tun und können nicht einfach sagen: „Nach uns die Sintflut.“

Klaus Marquardsen (73) ist einer der Gründer der Lokalen Agenda 21 in Pinneberg, die seit 2005 existiert und aus sieben Gruppen besteht. Marquardsen ist Vorsitzender des „Fördervereins Lokale Agenda 21 Pinneberg e.V.“ und Sprecher der Gruppe „Energie“.
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