Workshops : JBS-Schüler gegen Rechts: Wanderausstellung in Pinneberg

Ausgebildete Guides: Die Klasse 9  a der Johannes-Brahms-Schule führt drei Wochen lang Mitschüler ab der achten Klasse durch die Ausstellung.
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Ausgebildete Guides: Die Klasse 9 a der Johannes-Brahms-Schule führt drei Wochen lang Mitschüler ab der achten Klasse durch die Ausstellung.

Die Wanderausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ macht an der Pinneberger Schule halt.

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10. Januar 2018, 12:30 Uhr

Pinneberg | Nationalsozialismus – damit beschäftigen sich Pinnebergs Schüler in der neunten Klasse. Aber nur Unterricht nach Lehrbuch war gestern. Chahrazede Sebaa, Geschichtslehrerin an der Johannes-Brahms-Schule (JBS), sagt: „Die Schüler sollen modernen Unterricht erfahren und sich mit den Themen aktiv auseinander setzen.“ Deshalb schlug sie sofort zu, als von der Friedrich-Ebert-Stiftung (siehe Kasten) in Kooperation mit dem Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Schleswig-Holstein das Angebot kam, die Wanderausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ in der Aula der JBS zu zeigen. Die Anfrage kam Mitte Dezember – gestern war Vernissage mit den Schülern der achten und neunten Klassen.

Die Ausstellung existiert seit 2009 und soll Demokratie und Rechtsextremismus gegenüberstellen sowie Lösungsansätze aufzeigen. „Wir aktualisieren sie laufend und zeigen sie pro Jahr in zehn bis 15 Schulen“, sagt Christian Testorf von der Friedrich-Ebert-Stiftung, die sich für Demokratieverständnis einsetzt.

Durch die 16 Infotafeln, die nun die JBS-Aula säumen, wird der Geschichtsunterricht mit der Gegenwart verknüpft. Denn: „Das Thema ist topaktuell. Das zeigt etwa der NSU-Prozess“, sagt Sebaa, die mit ihrer 9 a gerade die NS-Zeit behandelt. Das Besondere: Ihre Schüler wurden in einem Workshop ausgebildet, um den Mitschülern den Inhalt näher zu bringen. In den nächsten drei Wochen werden die 26 Neuntklässler in Dreierteams knapp 600 Schüler durch die Ausstellung lotsen – von der achten Klasse bis zu den Abiturienten.

Till Stehn vom Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Itzehoe, unter anderem zuständig für den Kreis Pinneberg, leitete den Workshop. „Die Schüler haben das Thema selbstständig erarbeitet“, sagt er. „Die Ausstellung soll Menschen ins Gespräch bringen und zum Denken anregen. Wir haben uns damit beschäftigt, wie das geht.“ Dazu sollen die Schüler auch eigene Erfahrungen und Gedanken einbringen. Das kam gut an. „Die Idee, dass wir Schüler das machen dürfen, ist cool“, finden die Neuntklässler. Und: „Das Thema ist interessant, wir haben viel gelernt.“ Nur ein bisschen nervös sind sie, als Guides im Mittelpunkt zu stehen.

Einiges, was die 9 a bereits im Workshop gelernt hat, erläuterte Stehn noch einmal in einer Einführung bei der Vernissage. Zum Beispiel: „2017 gab es in Schleswig-Holstein 1715 Angriffe auf Geflüchtete und Unterkünfte.“ Damit sei Schleswig-Holstein in Relation zur Bevölkerungsdichte das Bundesland mit den meisten Übergriffen auf geflüchtete Menschen. Auch vor Pinneberg mache der Rechtsextremismus nicht Halt: „Wir beobachten immer wieder Aufkleber von rechten Gruppierungen und kleine Versammlungen.“ Als ein Beispiel der jüngsten Vergangenheit für Fremdenfeindlichkeit nannte er den lauten Protest gegen den Elmshorner Lichtermarkt (wir berichteten). Sein Rezept: „Es gibt keine Patentlösung, aber es ist wichtig, den Rechtsextremismus zu erkennen und anzusprechen. Nicht weggucken.“ Die stellvertretende Schulleiterin Susanne Godbersen-Schulz-Langendorf sagte: „Das erfordert Selbstbewusstsein und Mut.“ Die JBS bezieht Stellung gegen Rechts: Sie ist zertifizierte „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

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