Totes Schaf in Tangstedt : Ist wieder ein Wolf im Kreis Pinneberg unterwegs?

Ein totes Schaf in Tangstedt geht möglicherweise auf das Konto eines Wolfes.

Ein totes Schaf in Tangstedt geht möglicherweise auf das Konto eines Wolfes.

Das Schaf könnte von einem Wolf gerissen worden sein. Amtlich bestätigt ist das noch nicht.

shz.de von
26. Juni 2018, 10:12 Uhr

Tangstedt | Ist schon wieder ein Wolf im Kreis Pinneberg unterwegs? Spuren in Tangstedt deuten darauf hin. Nach Informationen von shz.de wurde in der Nähe des Sportplatzes ein gerissenes Schaf entdeckt, von dem nur noch wenige Skelettteile übrig sind.

Hans-Albrecht Hewicker ist Wolfsbetreuer und bis April Kreisnaturschutzbeauftragter im Kreis Pinneberg. Er will einen Fund, der auf das Raubtier schließen lässt, nicht bestätigen. „ Informationen gibt in solchen Fällen ausschließlich das Umweltministerium“, sagt er.

Das zuständige Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Flintbek bei Kiel, welches dem schleswig-holsteinischen Umweltministerium unterstellt ist, sagte dazu, dass es einen mumaßlichen Schafriss bei Tangstedt gab, der am 16. Juni gemeldet wurde. Demnach sei das Schaf wahrscheinlich am 15. oder 16. Juni gerissen worden. "Es wurden forensische Abstriche genommen, die zum Senckenberg-Institut geschickt wurden und Bilder gefertig", heißt es weiter von Martin Schmidt vom LLUR. Ein Ergebnis stehe allerdings noch aus und liege frühestens in zwei Wochen vor. Aus Kreisen der Jägerschaft war währenddessen zu erfahren, dass die Hinweise auf einen Wolf deutlich waren.

DNA-Analyse könnte Aufschluss geben

Werden Beobachtungen dem LLUR mitgeteilt, veranlasst dies in der Regel eine Untersuchung. So werden etwa Kadaverreste im Senckenberg-Forschungsinstitut in Gelnhausen bei Frankfurt untersucht. Eine DNA-Analyse von Speichelresten könnte den entscheidenden Hinweis auf einen Wolf liefern. Die Ergebnisse sind aber nicht zu 100 Prozent treffsicher. Regen etwa könnte Wolfsspuren hinwegwaschen, die Spuren von Aasfressern dagegen den eigentlichen Grund für ein totes Tier verschleiern.

In der Vergangenheit hat es in Schleswig-Holstein immer wieder Zwischenfälle und Beobachtungen gegeben. Seit etwa zehn Jahren nimmt die Zahl der das nördlichste Bundesland durchwandernden Wölfe stetig zu. Experten unterteilen Hinweise in eindeutig (C1), bestätigt (C2), unbestätigt (C3) und falsch. Werden tote Wölfe festgestellt oder Fotos gemacht, gilt dies als C1. Von Experten bestätigte Beobachtungen gelten als C2. Unter C3 fallen Hinweise auf Beobachtungen von Laien.

Bisherige Beobachtungen von Wölfen

Ein Beobachtungsjahr orientiert sich am Geburtenzyklus der Wölfe und erstreckt sich von Mai bis Mai. Im Zeitraum 2016/2017 gab es in Schleswig-Holstein drei C1-Hinweise, drei C2-Hinweise, 112 C3-Hinweise und 62 Falschmeldungen. Von den C1-Hinweisen kam einer aus dem Kreis Pinneberg. Im Juli 2016 gelang bei Bokholt ein Foto durch ein Fernglas.

Sollte sich der aktuelle Fund als das Werk eines Wolfes herausstellen, wäre das seit Mai bereits der vierte C1-Nachweis. So wurden in Ellerhoop ein gerissenes Schaf entdeckt, in Tornesch ein toter Wolf gefunden und in Bönningstedt ein Foto von einem Wolf gemacht.

Wolfssichtungen seit 2007 in Schleswig-Holstein

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