zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

23. August 2017 | 16:01 Uhr

Investoren wollen ans Ilo-Areal

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Neuer Stadtteil: Projektplaner des Unternehmens Bouwfonds präsentieren Konzept mit bis zu 700 Wohneinheiten / Politik i zurückhaltend

Dienstagabend, 17.30 Uhr. Die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung treffen zusammen. Die Tür schließt sich. Die Öffentlichkeit muss draußen bleiben. Eine Stunde später wissen Pinnebergs Politiker, dass Hamburger Investoren das Gelände der ehemaligen Ilo-Motorenwerke entwickeln wollen. Ein Millionenprojekt – und der potenzielle Investor macht offenbar Druck.

Nach Informationen unserer Zeitung haben die Projektentwickler des Immobilienunternehmens Bouwfonds ihr Interesse an dem rund fünf Hektar großen Ilo-Gelände angemeldet. Im Hintergrund soll die Rabobank stehen. Vertreter des Unternehmens, das Niederlassungen in Berlin, Stuttgart, Düsseldorf, Frankfurt, München und Köln betreibt, sollen ein Konzept mit bis zu 700 Wohneinheiten präsentiert haben. Entstehen würde Geschosswohnungsbau, vornehmlich Eigentumswohnungen.

Die potenziellen Investoren sollen einen ehrgeizigen Zeitplan vorgestellt haben. Ihnen schwebt offenbar vor, noch in diesem Frühjahr Nägel mit Köpfen zu machen. In einem Vertrag soll die Stadt Bereitschaft zur Zusammenarbeit bekunden. Noch bevor das förmliche Bebauungsplan-Verfahren auf den Weg gebracht ist. Den Baubeginn soll Bouwfonds für 2016 anpeilen. Ohne Entscheidung bis Ende März platze das Projekt.

Ein neuer Stadtteil für Pinneberg? Unsere Zeitung hörte sich unter den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses um. Zu den Eckdaten des Vorhabens wollte sich gestern keiner der eingeweihten Politiker äußern. Unter Hinweis auf Vertraulichkeit. Gerhard Thomssen (SPD), der den Ausschuss leitet, sprach immerhin von „einem allerersten Aufschlag“ der potenziellen Investoren. Er begrüße grundsätzlich, dass es nach Jahren des Stillstands wieder Interesse an dem Ilo-Gelände gibt. „Diese Flächen sind für Pinneberg hochinteressant, vor allem, wenn die geplante, leistungsfähige Bahnquerung fertig gestellt ist.“ Thomssen sagt aber auch: „Wir werden die präsentierten Ideen mit gebotener Sorgfalt beraten und lassen uns nicht unter Zeitdruck setzen.“ Wichtig sei, dass das Gesamtkonzept stimme. Man müsse stets auch Folgekosten für die zu schaffende Infrastruktur im Auge behalten. Der Sozialdemokrat wünscht sich für den Standort an der Mühlenau „den richtigen Mix aus Dienstleistung, Kleingewerbe und Wohnbebauung“.

Diesen Mix würde auch Klaus Seyfert (CDU) nicht verschmähen. „Der aktuelle Zustand ist städtebaulich nicht zufriedenstellend.“ Die Präsentation der potenziellen Investoren sei allerdings zu wenig konkret für ein abschließendes Urteil ausgefallen. „Ich hätte mir mehr Fakten gewünscht.“ Wie Thomssen erinnert auch Seyfert an einen vor Jahren gefassten politischen Grundsatzbeschluss, der für das Ilo-Areal eine sehr viel geringere Anzahl an Wohneinheiten vorsah. Und einen Gewerbegürtel. „Es ist derzeit schwierig, in Pinneberg Wohnbebauung in einem großen Stil durchzusetzen“, so Seyfert.

Joachim Dreher, Fraktionschef der Grünen in Pinneberg, fand den Auftritt der Investoren gar „unzumutbar“. Der Politik werde „die Pistole auf die Brust gesetzt“, so der Ratsherr. Ein Wohnbauprojekt dieser Größenordnung sei nicht diskutabel. „Ich weiß nicht, wie die Verwaltung darauf kommt, uns so etwas vorzustellen – vielleicht will man von anderen Problemen ablenken“, so Drehers Vermutung.

Mit der Entwicklung des Ilo-Areals hat Werner Mende keine Schwierigkeiten. Seine Priorität ist jedoch eindeutig die Ansiedlung von Gewerbe. „Bei der genannten Anzahl von Wohneinheiten bin ich sehr skeptisch“, so der Liberale.

„Was uns von den potenziellen Investoren vorgestellt wurde, ist derzeit überhaupt nicht darstellbar“, sagt Uwe Lange von den Bürgernahen. Gar nicht hinnehmbar sei der aufgebaute Zeitdruck. Eine städtebaulich vernünftige Entwicklung des Ilo-Areal bezeichnet Lange als wünschenswert: „Eine Nummer kleiner müsste es allerdings sein.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 13.Feb.2014 | 16:03 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen