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Kreis Pinneberg : Integration von Menschen mit Handicaps ins Arbeitsleben

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Mitarbeiter verstehen statt kündigen: Die Peter Kölln GmbH erhält eine Prämie für ihr betriebliches Eingliederungsmanagement.

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2015 | 00:38 Uhr

Kreis Pinneberg | Wenn sich die Arbeitsunfähigkeitstage eines Mitarbeiters häufen, er immer wieder krank wird oder längerfristig ausfällt, kann das unter Umständen auch an der Belastung und den Bedingungen am Arbeitsplatz liegen. Einige Firmen stellen sich ihrer gesetzlichen Verpflichtung, die Situation genau unter die Lupe zu nehmen und nach Lösungen zu suchen, um die Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ermöglichen und erneute Arbeitsunfähigkeit vorzubeugen, besonders vorbildlich. Dazu gehört das Elmshorner Unternehmen Peter Kölln GmbH.

Für hervorragendes Engagement im Bereich des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) für Menschen mit Schwerbehinderung wurde das Unternehmen gestern im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung in Kiel ausgezeichnet. Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) übergab eine Prämie im Wert von 10.000 Euro, die jährlich durch das Projekts „Aktionsbündnis Schleswig-Holstein – Inklusive Jobs“ ausgelobt wird. „Es ist eine schöne Bestätigung und Freude darüber, dass man etwas richtig gemacht hat“, kommentierte Betriebsratsvorsitzender Stefan Maul die Auszeichnung. Das sah die Jury, die sich vor Ort über die Bedingungen informierte, ähnlich.

Bei der Peter Kölln GmbH wird allen Mitarbeitern, die innerhalb von zwölf Monaten länger als sechs Wochen wiederholt oder ununterbrochen arbeitsunfähig erkrankt sind, ein Wiedereingliederungsangebot unterbreitet. „Man darf sich nicht wundern, wenn es 50 oder mehr Angebote im Jahr sind“, sagte Maul. Zirka 350 Mitarbeiter habe die Firma. „Nicht, dass die Arbeitsbedingungen hier so gruselig sind, dass man ständig krank wird“, sagte Maul. „Manche Mitarbeiter sind selbst überrascht.“ Als familiengeführtes Unternehmen wolle die Firma Hilfe anbieten.

In einem ersten Gespräch, mit Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung – auf Wunsch auch mit weiteren Akteuren – solle geklärt werden, ob ein Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Arbeitsplatz bestehe, so Maul. Manche Mitarbeiter kehrten auch mit Behinderungen an den Arbeitsplatz zurück. „Es ist uns gelungen, eine Atmosphäre für diese Gespräche zu schaffen, in der Ängste genommen werden. Wir wollen wissen: ,Was kannst Du? Was kannst Du nicht mehr?‘“ Liegt Änderungsbedarf vor, sei das Unternehmen gefragt.

„Es ist kein Makel, wenn man
nicht mehr das leisten kann,
was man vorher leisten konnte.“

Stefan Maul

Betriebsratsvorsitzender

So gab es laut Maul Anschaffungen neuer technischer Geräte wie einen neuen großen Bildschirm, der bei Einschränkungen der Sehstärke genutzt werden kann. Und es gab eine neue „Ameise“ – also ein Flurförderzeug – mit Mitfahrgelegenheit für einen Produktionsmitarbeiter, der Knieproblemen hatte und so bis zur Rente weiterarbeiten konnte. Arbeitsabläufe könnten verändert werden, der Aufgabenbereich gewechselt oder auch im Einzelfall belastende Nachtschichten gestrichen werden.

„Klar muss sich ein Mitarbeiter anders betrachten aufgrund der Einschränkung. Aber es ist kein Makel, wenn man nicht mehr das leisten kann, was man vorher leisten konnte. Das ist dem Leben geschuldet. Jeder kann erkranken – unabhängig vom Alter. Nichts ist schlimmer, als wenn man dann abgeschrieben wird“, so Maul.

Weiterhin hat die Peter Kölln GmbH in diesem Jahr zur Prävention eine Belastungsbeurteilung aller Produktionsmitarbeiter organisiert – mithilfe einer Fragebogenaktion durch Arbeitswissenschaftler. Hinterfragt wurden dabei Arbeitsinhalte, Organisation, Führungsverhalten, soziale Beziehungen sowie die Software zur Maschinensteuerung. Dazu gab es Interviews mit den Mitarbeiter, die Problemlösungsvorschläge einbringen konnten. Maul bestätigt, dass einzelne Mitarbeiter des Unternehmens durch das BEM deutlich weniger Fehlzeiten hätten. Er sagt: „Wir möchten einen Ansporn für andere geben, dass es sich lohnt, sich zu engagieren.“

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