Integration ist keine Einbahnstraße Bündnis Pina gegründet / Zusammenschluss unterschiedlicher Institutionen / Vereinfachung der Eingliederung von Zugewanderten

Das Bündnis Pina will künftig die Integration von Neubürgern vereinfachen. Pinnebergs Flüchtlingskoordiantorin Katharina Kegel (vorn, Dritte von links) leitet die  Geschicke.
Das Bündnis Pina will künftig die Integration von Neubürgern vereinfachen. Pinnebergs Flüchtlingskoordiantorin Katharina Kegel (vorn, Dritte von links) leitet die Geschicke.

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18. Mai 2018, 16:09 Uhr

Es ist beeindruckend, was eine kleine Gruppe von Menschen auf die Beine stellen kann, wenn die Einzelnen alle dasselbe Ziel haben. Die Eigendynamik, die sich aus Gesprächen entwickelt, zeugt davon, dass etwas bewegt werden kann. Ein solches Phänomen stellt das Bündnis Pina dar. Das bedeutet „Pinneberg integriert Neuzugewanderte in Ausbildung und Arbeit“. Es ist ein Zusammenschluss von Vertretern unterschiedlicher Institutionen wie zum Beispiel der Arbeitsagentur, dem Diakonieverein für Migration, der Handwerkskammer Lübeck, der Türkischen Gemeinde und der Wirtschaftsgemeinschaft Pinneberg sowie der Gleichstellungsbeauftragten und des Stadtjugendpflegers unter der Leitung der Flüchtlingskoordinatorin für Pinneberg Katharina Kegel. Ihr gemeinsames Ziel: Eine neue Basis schaffen, um die Integration von Zugewanderten zu vereinfachen.

Pina ist dem Bundesprogramm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ untergeordnet. Dies ist ein gemeinsames Projekt der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

„Die Frustration ist oft sehr hoch. Bei den Flüchtlingen und bei den ehrenamtlichen Helfern. Das System ist einfach so kompliziert und unübersichtlich, sodass viele einfach die Motivation verlieren“, erzählt Tanja Sommerfeld. Sie ist die Migrationsbeauftragte der Agentur für Arbeit für den Kreis Pinneberg. „Integration hört nicht einfach so auf. Es ist ein sehr langwieriger Prozess, der gut und gern zehn Jahre dauert.“ Doch der Weg über die Behörden sei das Problem. „Oft wissen die Helfer gar nicht, wo sie ihre Flüchtlinge hinschicken müssen“, führt Sommerfeld weiter aus. Auch der Stadtjugendpfleger Raimund Bohmann findet kritische Worte für das bisherige System: „Das, was wir bisher aus der ganzen Flüchtlings-Situation gelernt haben, ist, dass wir kein funktionierendes Hilfesystem haben.“ Burkhard Stratmann vom Projekt „Rückenwind – Jugendmobilität Westküste“, ergänzt: „Man hätte meinen können, wir hätten aus der Geschichte mit dem Osten gelernt. Haben wir aber nicht.“ Es werde immer einen dauerhaften Bedarf und Anforderungen an das Sozialsystem geben.

Da will das Bündnis Pina ansetzen. „Unser erstes Projekt wird die Erstellung eines Flyers sein“, schildert Kegel. „Darauf sind dann die wichtigsten Adressen und Ansprechpartner zu finden.“ Ganz nach dem Motto „Was finde ich wo?“ soll mit dem Flyer eine Basis erstellt werden, die es Flüchtlingen und Ehrenamtlichen erleichtern soll, die richtige Anlaufstelle für ein Anliegen zu finden.

Darüber hinaus ist die Broschüre auch für Unternehmen gedacht. Birgit Wacker von der Handwerkskammer Lübeck vertritt in der Arbeitsgruppe „die andere Sicht“: „Man muss den ganzen Prozess auch einmal aus Sicht der Unternehmen betrachten. Auch für die ist es nicht einfach, wenn sie zum Beispiel einen Geflüchteten anstellen wollen, aber nicht wissen, wie sie das tun können. Da ist so eine Basis ziemlich wichtig.“

Ein weiterer Aspekt, den der Zusammenschluss mit sich bringt, ist die Vernetzung. „Es ist ziemlich praktisch. Wir lernen uns hier gegenseitig kennen und damit auch die jeweiligen Arbeitsbereiche. Ich kann also im Zweifelsfall auch mal jemanden an den richtigen Ansprechpartner verweisen, wenn ich selbst nicht die Richtige bin. Die Vernetzung untereinander ist extrem wichtig“, schildert Sommerfeld.

Pina wurde im Februar gegründet. Dem voraus ging das „World Café“, bei dem es Ziel war, die Vernetzung voranzubringen, um Geflüchtete besser integrieren zu können. Die Flüchtlingskoordinatorin hat dann die Zügel in die Hand genommen und die Vertreter eingeladen.

Vorteile habe das Bündnis nicht nur für die Integration. Da sind sich alle Beteiligten einig. „Man wirft auch mal den Blick über den Tellerrand. Reflektiert die eigene Kultur, weil sich andere Kulturen einem öffnen“, erzählt die Gleichstellungsbeauftragte Deborah Azzab-Robinson. Im Fokus stehen besonders Frauen und Mütter. „Viele von ihnen bleiben im Verborgenen“, so Azzab-Robinson. Das Problem des Verborgenbleibens kennt auch Sommerfeld. „Es ist manchmal wirklich erschreckend. Teilweise begleite ich Menschen über Monate und Jahre. Und manchmal kommt ein Mensch zu mir, der seit Langem hier lebt, den ich aber zuvor nie gesehen habe. Ich frage mich dann immer, wo diese Menschen waren. Es ist einfach ein unübersichtlicher Strudel.“

Das Motto des Bündnisses könnte lauten: Integration ist keine Einbahnstraße. Sie kann dauerhaft und unkompliziert gelingen, und das Bündnis Pina hilft dabei, eine solide Basis für alle Beteiligten zu schaffen.

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