Insolvenz: Es bleiben Fragen offen

<strong>Anlageobjekt:</strong> Die Senioren-Wohnanlage im Uetersener Großen Sand. Die Eigentümergesellschaft hat im Juni Insolvenz angemeldet. <foto>carstens (2)</foto><br /><strong>Wohnen mit Service: </strong>Die Norddeutsche Diakoniedienste sind Partner der Wohnanlage  und  Betreiber des 'Haus am Rosarium'.
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Anlageobjekt: Die Senioren-Wohnanlage im Uetersener Großen Sand. Die Eigentümergesellschaft hat im Juni Insolvenz angemeldet. carstens (2)
Wohnen mit Service: Die Norddeutsche Diakoniedienste sind Partner der Wohnanlage und Betreiber des "Haus am Rosarium".

shz.de von
17. August 2012, 01:14 Uhr

Uetersen | Der Wirbel um die Insolvenz des Hauseigentümers der "Wohnen mit Service"-Seniorenwohnanlage in Uetersen (wir berichteten) geht weiter. Der Insolvenzverwaltter, die AHW-Insolvenzberatung in Köln, bestätigte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass es von einigen Mietern der Wohnanlage Vorauszahlungen auf die fälligen Mieten gegeben habe. Das Geld sei jedoch durch eine Bankbürgschaft abgesichert, so Dr. Magnus Wagner, Insolvenzverwalter bei der AHW-Insolvenzberatung: "Monat für Monat reduziert sich diese Vorauszahlung um die entsprechende Monatsmiete. Bei Auszug wird der Restbetrag mit Zinsen ausbezahlt. Derzeit seien noch zwei Bewohner davon betroffen.

Auch die von den Mietern geleisteten Vorauszahlungen für die Energiekosten seien gesichert. Bis Februar 2012 seien vertragsgemäß Zahlungen an die Energieversorger seitens der ASE GmbH geleistet worden. In der Zeit bis zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. Juni wurden nur Zahlungen geleistet, für die noch Geld auf dem Konto war. Für die Mieter bestehe jedoch kein Grund zur Sorge: "Die Energieversorger haben ASE als Vertragspartner und können nicht an die Mieter heran-treten", so Wagner.

Die Norddeutsche Diakoniedienste für Senioren gGmbH, Träger des "Haus am Rosarium" sei von der Insolvenz nicht betroffen, betonen Insolvenzverwalter und die Johanniter. Im August 2010 hatten die Johanniter die NDS übernommen. Der Träger bis dahin: die nun ebenfalls insolventen Johannes Seniorendienste (JSD). Durch die Übernahme der insgesamt 29 stationären Altenpflegeeinrichtungen entstand der größte freigemeinnützige Träger von Altenpflegeeinrichtungen in Deutschland. Formal ging nun die Mehrheitsbeteiligung an der NDS gGmbH von der Johannes Seniorendienste auf die Johanniter Seniorenhäuser GmbH über. Doch die geschäftlichen Verbindungen zwischen beiden Organisationen waren damit nicht beendet. Die NDS übernahm die Betreuung der Senioren in der Wohnanlage, die noch immer zu 100 Prozent den Johannes-Seniorendiensten gehörte.


Fragwürdige Rolle der NDS gGmbH

Und auch die Vermittlung der Wohnungen im Großen Sand 51 wurde maßgeblich von der NDS gGmbH voran getrieben. Eva Buban, Einrichtungsleiterin des "Haus am Rosarium" war nach Informationen unserer Zeitung an nahezu jedem Gespräch mit potentiellen Mietern der Wohnanlage beteiligt. Finanzielle Zuwendungen, so die Auskunft des Insolvenzverwalters, sollen jedoch weder an Buban noch an die NDS gGmbH geflossen sein.

Weiterhin bleibt die Frage offen, warum die NDS gGmbH bis heute, zwei Jahre nach Übernahme durch die Johanniter Seniorenhäuser GmbH, ein mit dem Logo der Johannes-Seniorendienste nahezu übereinstimmendes Firmenlogo benutzt. Auch der Slogan "Partner der Familie" findet sich sowohl auf dem Briefkopf der NDS gGmbH als auch auf dem inzwischen gelöschten Internetauftritt der nunmehr insolventen Johannes-Gruppe. Eva Buban weist den Zusammenhang zurück: "Es ist nach außen klar zu erkennen, dass wir der Johanniter-Familie angehören." Dass der Außenauftritt Fragen aufwirft, sei "unglücklich".

Die Mieter der Wohnanlage sind zeitnah über die Insolvenz des Anlageneigentümers unterrichtet worden. "Wir haben einen Brief im Postkasten gehabt. Wenige Tage später gab es eine Versammlung, auf der Mieter noch einmal persönlich informiert wurden", erzählt uns eine Bewohnerin des Hauses. Die Information übernahm Eva Buban. Die Anlage wird nun voraussichtlich versteigert. Dabei soll der Zuschlag an einen Investor gehen, der den Zweck der Anlage nicht verfremdet. So sollen die Wohnungen für die alten Menschen erhalten bleiben.

Zum Hintergrund: Das Firmengeflecht der JSD und deren Tochtergesellschaften ist schwierig zu durchschauen. So wurde die Geschäftsführung der nun insolventen ASE GmbH von Ludger Emanuel Westrick übernommen, einem Insolvenzverwalter aus Köln, der seit Oktober 2011 auch Vorsitzender der Johannes-Seniorendienste ist. Auch die ebenfalls insolvente DIE.consult, eine 100-Prozent Tochter der JSD, leitete Westrick als Geschäftsführer.

Im Vorstand der Johannes Seniorendienste gab Karl-Heinz Bierlein bis November 2011 den Ton an. 2008 hatte das Amtsgericht Hersbruck einen Strafbefehl von elf Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung gegen Bierlein erlassen. Als Leiter der Rummelsberger Anstalten wurde ihm vorgeworfen, mehrere jungen Diakone zur Teilnahme an Experimenten für ein Buchprojekt veranlasst zu haben, bei denen den jungen Männern Schmerzen zugefügt wurden. Die Staatsanwaltschaft ging damals davon aus, dass es sich bei dem Buchprojekt lediglich um einen Vorwand gehandelt haben soll, um sich so die vorgenommenen körperlichen Übergriffe zu erschleichen. Weil Bierlein den Strafbefehl damals annahm, kam es zu keiner gerichtlichen Aufarbeitung. Bierlein, evangelischer Pfarrer, wurde 1996 und 2004 mit dem Bundesverdienstorden und 2006 mit dem bayrischen Verdienstorden ausgezeichnet.

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