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Kreis Pinneberg : Inklusion an Schulen: Alltagsbarrieren selbst erleben

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Barriboxen ermöglichen die Simulation von körperlichen Einschränkungen. Schüler lernen auf diese Weise, was Behinderung bedeutet.

Kreis Pinneberg | Das Förderzentrum Pinneberg ist seit Kurzem einer von landesweit drei Standorten, an denen sich Schulen für ihren Unterricht und für Fortbildungen sogenannte Barriboxen ausleihen können. Bei diesen handelt es sich um eine Sammlung von Unterrichtsmaterialien zum Thema Behinderung: Simulationsbrillen ermöglichen den Trägern etwa, die Welt so zu sehen, wie sie von Menschen mit Grauem Star gesehen werden, Kopfhörer simulieren Schwerhörigkeit und übergroße Handschuhe vermitteln einen Eindruck davon, wie schwierig es ist, mit einer motorischen Einschränkung Bauklötze zu stapeln.

„Die Boxen sind ein Erlebnisangebot für Eltern, Schüler und Lehrer“, sagte Jan Matthiesen, kommissarischer Schulleiter des Förderzentrums. Und sie sollen bei der Inklusion von Kindern mit Behinderungen an Regelschulen helfen, indem sie den anderen Kindern, aber auch den Erwachsenen einen Eindruck davon vermitteln, mit welchen Barrieren die Mitschüler im Alltag leben. „Das ist ein Weg, Kindern die Einschränkungen ihrer Mitschüler mit Spaß zu vermitteln, statt mit dem erhobenen Zeigefinger“, sagte Matthiesen und bezog sich dabei auf die Erfahrungen, die er bisher mit den Boxen gemacht habe.

Entwickelt hat die Boxen das Institut für Qualitätssicherung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH). Finanziert wurden sie von der Sparkasse, die mit einer Unterstützung in Höhe von 40.000 Euro die Anschaffung der Box-Inhalte sowie von zehn Rollstühlen ermöglichte. Projektleiterin Inken Schnaase berichtete, dass das IQSH seit 2011 an den Boxen arbeite und diese permanent weiter entwickle. „Bisher gibt es Boxen zu den Themen Hören, Sehen, Bewegen sowie Kinder- und Jugendbücher. Eine Box zum Thema Autismus ist derzeit in der Vorbereitung.“ Allerdings sei es schwierig, geistige Einschränkungen zu vermitteln. Deshalb sei das IQSH bei diesen Themen auf die Hilfe von Betroffenen angewiesen. Allerdings, sagte Schnaase, könne man Autismus nicht simulieren, sondern müsse sich dabei auf Materialien beschränken, die eine autistische Wahrnehmung für Nicht-Autisten veranschaulichen.

 
 
 

Anders sieht es bei der Simulation von körperlichen Beeinträchtigungen aus: Michael Lorbeer-Andresen leitet die Beratungsstelle Inklusive Schule am IQSH und berichtete während des Pressegesprächs, dass Schüler ihre Schulen ganz anders wahrnehmen würden, nachdem sie diese einmal mit den Materialien der Barribox abgegangen seien. „An einer Schule haben sich anschließend die Kinder dafür eingesetzt, dass der Eingangsbereich geändert wird, nachdem sie gemerkt haben, wie schwierig es ist, mit einem Rollstuhl in das Gebäude zu kommen.“ Wenn jemand selbst erlebt habe, wie schwierig es sei, fünfmal an einem Tag mit einem Rollstuhl durch enge Türen, die sich nicht selbst öffnen, zu fahren, um ins Innere eines Gebäudes zu gelangen, dann würde man sich nicht mehr die Frage stellen, ob Barrierefreiheit an dieser Stelle sinnvoll sei, sagte Matthiesen.

Zudem setzten sich die Schüler während der Nutzung der Barriboxen häufig auch damit auseinander, wie in der Gesellschaft mit Menschen, die eine Behinderung haben, umgegangen wird. „In einer Klasse gab es zum Beispiel einen Schüler, der sich kurz vor einem Schulausflug den Knöchel verstaucht hat, und den seine Mitschüler dann in dem geliehenen Rollstuhl auf einen Ausflug mitgenommen haben. Anschließend haben sie berichtet, dass sie von vielen Menschen komisch angesehen wurden“, sagte Schnaase.

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erstellt am 13.Nov.2015 | 10:00 Uhr

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