Lebenshilfe Kreis Pinneberg : Initiative für gemeinsame Wege

Gemeinsame oder getrennte Wege?  Das ist eine der Kernfragen in de aktuellen Inklusions-Debatte.

Gemeinsame oder getrennte Wege?  Das ist eine der Kernfragen in de aktuellen Inklusions-Debatte.

Das ehrenamtliche Netzwerk der Lebenshilfe für Behinderte im Kreis Pinneberg will alternative Wohnformen schaffen.

shz.de von
22. August 2018, 10:30 Uhr

Pinneberg | Im Lebenshilfe Ortsverein Kreis Pinneberg und Umgebung engagieren sich Eltern, Familienangehörige, Freunde und Fachleute für die Rechte von Menschen mit Behinderung. Sie setzen sich als Drehscheibe auf vielfältige Weise dafür ein, dass die Betroffenen selbstbestimmt und gleichberechtigt leben können.

Ziel ist die Weiterentwicklung der Gesellschaft zu einer inklusiven Gesellschaft, in der niemand ausgegrenzt wird. Dazu organisieren die Ehrenamtlichen auf Grundlage des erarbeiteten Aktionsplans für Inklusion öffentliche Veranstaltungen zu aktuellen Themen und engagieren sich in offenen Arbeitsgruppen für ein neues und modernes Leistungsrecht für Menschen mit Behinderung. Um dieses voranzutreiben, wurde die Initiative für alternative Wohnformen ins Leben gerufen.

Wohnungsmangel

Zur Auftaktveranstaltung war der Tagungsraum an der Rathauspassage in Pinneberg voll besetzt. Denn der Schuh drückt schon länger und viele Familien fühlen sich trotz erster Erfolge und der Einführung und Akzeptanz der Pinneberger Erklärung mit ihren Problemen alleingelassen. Das Problem: Angemessene Wohnungen für Menschen mit Behinderung oder auch Senioren mit Mobilitätseinschränkungen und Betreuungsbedarf sind im Kreis Pinneberg bei Weitem nicht ausreichend vorhanden.

„Mir ist ein Fall bekannt, bei dem Eltern aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters sich nicht mehr um ihren behinderten Sohn kümmern konnten. Dieser musste dann Aufgrund von fehlenden Alternativen in einem Seniorenheim untergebracht werden. Eine wirklich unglückliche Situation, die zeigt, wie schlecht es um betreuten Wohnraum im Kreis steht,“ erklärt eine Teilnehmerin. 

Kaum Unterstützungs- und Pflege

Einig waren sich die Teilnehmer auch darin, dass es kaum noch Unterstützungs- und Pflegekräfte gebe, die freie Kapazitäten hätten. Hier sei man gefordert, neuen Denkanstößen zu folgen, um personelle Ressourcen zu bündeln und zu teilen. An die Stelle der Großfamilie, die sich gegenseitig umeinander gekümmert hat, könnten Mehrgenerationen-Projekte treten, die der demografischen Entwicklung Rechnung trage.

Mitglieder der neu gegründeten NetzwerksgruppeWohnen für Menschen mit Behinderungen in den Räumen der Lebenshilfe Pinneberg.
Holger Bass
Mitglieder der neu gegründeten NetzwerksgruppeWohnen für Menschen mit Behinderungen in den Räumen der Lebenshilfe Pinneberg.
 

Für die Gesprächsleiterinnen Karin Reschke und Evelyn Jungermann aus dem ehrenamtlichen Vorstand des Pinneberger Ortsverbands der Lebenshilfe für Behinderte ist das kein Einzelfall. So schilderten Reschke und Jungermann sehr eindringlich die Notsituation, in der sich viele Eltern von Behinderten befinden. Menschen mit Handicap haben laut UN-Menschenrechtskonventionen und diversen Gerichtsurteilen ein Wunsch- und Wahlrecht, wo und wie sie wohnen wollen, um Rückzugstendenzen und Vereinsamung vorzubeugen.

Eltern verzweifelt

Viele Eltern von Behinderten seien aber verzweifelt, weil sie ihre Kinder nicht adäquat unterbringen können, brachte es eine Mutter auf den Punkt. Der Kern des Problems sei ein durchgängiges Konzept, das Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Genau an dieser Stelle wolle nun die Netzwerkgruppe Wohnen aktiv werden. Hierbei sollen inklusive Wohnprojekte und Quartiersprojekte angestoßen und umgesetzt werden.

„Bei der ,Vision von einem Leben in Gemeinschaft‘ geht es um Wohnprojekte für junge erwachsene Menschen mit Behinderung, die nach der UN-Konvention das Recht haben auf freie Wahl der Wohnform, unabhängig von der Schwere ihrer geistigen und körperlichen Behinderung und ihres individuellen Assistenzbedarfs. Im Gegensatz zu einem konventionellem Behindertenwohnheim, wo Menschen mit ähnlich schweren Behinderungen zusammen leben, profitieren in einem inklusiven Wohnprojekt Menschen mit und ohne Behinderung in einer lebendigen Nachbarschaft von einander – und zwar unabhängig von den Eltern“, so Jungermann. Endes des Jahres ist eine Podiumsdiskussion geplant.

Kontakt: Karin Reschke, Telefon: (04101) 40 61 00; E-Mail: karin.reschke@Lebenshilfe-Pinneberg.de
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