zur Navigation springen

DAS SONNTAGSGESPRÄCH : „In Pinneberg ist das Interesse an Kunst sehr groß“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Fragen an Christiane Schedelgarn, Vorsitzende der Künstlergilde.

Pinneberg | Christiane Schedelgarn ist Vorsitzende der Künstlergilde des Kreises Pinneberg. Im Sonntagsgespräch erklärt sie unter anderem, warum der regelmäßige Austausch für Künstler so wichtig ist und was der Künstlergilde fehlt.

Wie sehen die Aktivitäten der Künstlergilde aus?
Unser Hauptinteresse liegt darin, Ausstellungen zu bestücken – gemeinschaftlich oder in kleinen Gruppen. Zu unseren Zielen gehört auch, andere Künstler zu fördern. Dafür findet alle vier Jahre in der Drostei eine Regionalschau statt. Die Kontaktpflege spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. So ist es uns gelungen, in diesem Jahr Künstler aus Dänemark zur Regionalschau einzuladen. Sie haben dort ihre Arbeiten präsentiert. Die komplette Ausstellung ist nun von der Drostei nach Haderslev gezogen. Wir waren ebenfalls vor Ort, um die Beziehungen zu festigen und vielleicht wieder einmal gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Auch zu schwedischen Künstlern bestehen Kontakte.

Was zeichnet die Künstlergilde aus?
Wir sind der älteste Kunstverein im Kreis Pinneberg. Es gibt uns inzwischen seit 66 Jahren. Künstler sind ja eigentlich eher Einzelkämpfer. Deswegen ist es für sie ein großer Schritt, sich einem Verein anzuschließen. Der Austausch ist zwar wichtig, aber jeder möchte auch seine Eigenständigkeit bewahren. Das ist ein Spagat, den wir gut bewältigen. Gemeinsames Arbeiten ist allerdings schwierig, da die meisten für ihre Arbeit Ruhe brauchen. Die Gespräche über das eigene Schaffen helfen aber auf alle Fälle weiter.

Befruchtet dieser Austausch die eigene Arbeit?
Ich denke schon. Künstler sind häufig Menschen, die viele Selbstzweifel plagen. Deswegen ist es gut, wenn man sich regelmäßig austauscht und auch Mut zuspricht. Positive Kritiken helfen einem weiter.

Was stehen für aktuelle Projekte an?
Seit dem 4. September gestaltet die Künstlergilde in der Pinneberger Innenstadt die Schaufenster von diversen Geschäften. Im November stellen wir in der Drostei aus und zeigen Selbstporträts. Mitte November steht zudem im Gerichtsgebäude in Itzehoe eine Ausstellung mit dem Titel „Kunst im Zeugenstand“ auf dem Programm. Außerdem bringen wir zum dritten Mal einen Kunstkalender heraus, der auf dem Nikolausmarkt in der Drostei erstmals präsentiert wird. Dazu realisieren wir gemeinsam mit der IHK ein Buchprojekt. Dafür beleuchten wir Industrie-Betriebe aus künstlerischer Sicht.

Gibt es Probleme, mit denen die Künstlergilde zu kämpfen hat?
Ich würde mich freuen, wenn mehr junge Künstler den Weg zu uns finden. Unser Altersschnitt ist relativ hoch. Ein noch stärkerer Austausch zwischen verschiedenen Generationen würde uns enorm weiterbringen. Außerdem wünschen wir uns einen eigenen Raum. Den braucht eigentlich jeder Verein. Für uns als Künstler wäre es zudem ein Ort, an dem wir uns und unsere Arbeit vorstellen dürfen. Dazu wäre es wesentlich leichter, Kontakte zu Künstlern aus anderen Regionen zu knüpfen, wenn wir einen Treffpunkt hätten. Die Finanzierung eines Raumes ist für uns aber leider nicht zu stemmen. Deswegen wäre es schön, wenn sich Sponsoren finden, die uns unterstützen.

Genießt Kunst aus Ihrer Sicht einen ausreichenden Stellenwert?
Das ist städtemäßig ganz unterschiedlich. In Pinneberg ist das Interesse an Kunst beispielsweise sehr groß, in Elmshorn dagegen eher gering. Ein Problem ist, dass zwar viele unsere Bilder schön finden, wir aber nur wenig verkaufen. Unsere Arbeiten werden von den meisten als Dekoration angesehen, für die man nur wenig Geld ausgeben will.

Wie sieht Ihre Arbeit als Künstlerin aus?
Ich arbeite gerne dreidimensional und mit Schwarz-Weiß-Kontrasten – allerdings nicht ausschließlich. Der zweite Schwerpunkt meiner Arbeit ist, dass ich Sargkunst anbiete. Ich kooperiere dafür mit einem Elmshorner Bestatter und gestalte Urnen und Särge. Außerdem gebe ich Malkurse. Der nächste beginnt am 2. Oktober.

Die gebürtige Elmshornerin Christiane Schedelgarn (63) ist seit 2012 Vorsitzende der Künstlergilde. Den Vorsitz hatte sie auch schon von 2006 bis 2008 inne, gab diesen jedoch ab, weil sie zwischenzeitlich in Berlin lebte. Schedelgarn wohnt nun wieder in Elmshorn und hat zwei Töchter.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen