Theaterpremiere : In Halstenbek sind die Räuber los

Die Theater-AG vom Halstenbeker Wolfgang-Borchert-Gymnasium hat Schillers „Räuber“ in die Gegenwart geholt. Premiere ist am Sonnabend, 14. März, ab 19.30 Uhr.
Die Theater-AG vom Halstenbeker Wolfgang-Borchert-Gymnasium hat Schillers „Räuber“ in die Gegenwart geholt. Premiere ist am Sonnabend, 14. März, ab 19.30 Uhr.

Die Theater-AG des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums zeigt den Klassiker von Friedrich Schiller. Premiere ist am 14. März.

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10. März 2020, 10:00 Uhr

Halstenbek | Friedrich Schiller war 18 Jahre alt, ging noch zur Schule, als er die ersten Zeilen seiner „Räuber“ zu Papier brachte. Ein aufbegehrender junger Mann, voller Zorn auf die Zustände der Gesellschaft. Das macht ihn für die Jugend noch heute attraktiv: Am Sonnabend, 14. März, bringen Schüler des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums Halstenbeker (WoBo) ab 19.30 Uhr das vielleicht berühmteste Sturm-und-Drang-Drama der deutschen Literatur auf die Bühne, 238 Jahre nach der skandalösen Uraufführung, die das Publikum 1782 aufwühlte mit seinem Thema von der Balance zwischen Gesetz und Freiheit. Doch eigentlich ist es wieder eine Uraufführung, denn die jungen Leute der WoBo-Theater-AG haben eine völlig neue Version des Klassikers geschaffen.

Aufführungsdaten und Tickets

„Die Räuber“,  basierend auf dem Stück von Friedrich Schiller, wird in der Aula des Wolfgang-Borchert-Gymnasiums, Bickbargen 111, aufgeführt: Premiere ist am Sonnabend,14. März, um 19.30 Uhr. Auch am 17.,  20., 21. und 23. März stehen die Schüler ab 19.30 Uhr auf der Bühne. Am 15. und 22. März ab 15.30 Uhr. Der Eintritt kostet 6, ermäßigt 3 Euro. Tickets gibt es online.

www.wobotheaterag.de

Verstaubte Rollenbilder werden aufgebrochen

Natürlich haben sie Schillers Jugendsprache streckenweise entstaubt und sehr frei ins Moderne übersetzt, aber vor allem am Inhalt haben sie neue Akzente gesetzt. Das gilt ganz besonders für das Frauenverständnis. Amalie zum Beispiel – bei Schiller ein braves, eher farbloses Mädchen, Geliebte der beiden feindlichen Brüder Karl und Franz – bricht das Korsett der zugewiesenen Rolle vom sanften Geschlecht auf und wird zu einer selbstbewusst handelnden Hauptfigur.

Und auch die Räuberbande ist kein reiner Männerhaufen mehr, sondern auch mit Räuberinnen durchsetzt. Auch wird das Schwarz-weiß-Bild des Bruderzwists relativiert. So leicht wie für den jungen Dichter Schiller lassen sich Gut und Böse heutzutage nicht mehr fixieren – auch wenn das Stück bei der Uraufführung revolutionär war. Ein Zeitzeuge berichtete damals:

Das Theater glich einem Irrenhaus, rollende Augen, geballte Fäuste, heisere Aufschreie im Zuschauerraum. Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Tür. Augenzeuge der Uraufführung am 13. Januar 1782
 

Was aber bleibt, ist die Bewunderung für einen Klassiker. Es ist ein echter Schiller, den die Theater-AG unter Spielleiter Andreas Kroder auf die Bühne bringt. Seit Herbst arbeiten die jungen Mimen daran. Dabei ging es ihnen auch darum, aus moderner Sicht Hintergründe auszuleuchten. So machten sie sich beispielsweise Gedanken darüber, wie ein normaler Sohn aus gutsituierter Familie überhaupt zum gewaltbereiten Räuber werden kann. Während ihrer dreitägigen Theaterfahrt Ende November fanden sie für das Drama das gewünschte moderne Gewand.

Eröffnung der Schultheaterwoche Schleswig-Holstein

Mit der bevorstehenden Premiere eröffnen sie in diesem Jahr die Schleswig-Holsteinische Schultheater-Woche. Karin Prien, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, wird dazu aus Kiel anreisen. Danach wollen sie in Bundeswettbewerben mit ihren Räubern glänzen. Die Bürgerstiftung Bruno Helms und der WoBo-Schulverein unterstützen sie nach Kräften bei ihren ehrgeizigen Plänen.

Das Stück selbst hat ihnen übrigens die vorjährige Theater-AG vorgeschrieben. Das ist Tradition im WoBo. Ehe die Truppe sich nach dem letzten Vorhang auflöst, entscheidet sich noch, welches Stück von ihren Nachfolgern auf die Bühne gebracht werden soll. Was soll es 2021 werden? Noch sind die Mädchen und Jungen viel zu angespannt mit der Premierevorbereitung beschäftigt, als dass sie sich darüber schon Gedanken machen könnten.

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