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Pinneberger Tageblatt

20. August 2017 | 08:46 Uhr

„In der Ruhe liegt die Kraft“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wohnkultur Das Ehepaar Kosanke lebt seit 1994 im Pinneberger Wasserturm / Rundumsicht auf die Kreisstadt

In unserer Serie „Hinter den Kulissen von Pinneberg“ stellen wir in unregelmäßiger Reihenfolge Institutionen, Vereine und Firmen vor und zeigen die Menschen dahinter. Heute dreht sich alles um das Ehepaar Kosanke. Ingeborg und Erwin Kosanke haben den Pinneberger Wasserturm zur Wohnung umbauen lassen.

Wenn man Ingeborg und Erwin Kosanke die schmalen Turmtreppen herauf- und herunterrennen sieht, kann man nicht glauben, dass die beiden fast 80      Jahre alt sind. „Die Treppen halten uns fit“, lacht Erwin Kosanke. „Das ist eben so, wenn man auf mehreren Etagen lebt. Wir haben uns daran gewöhnt.“ Um genau zu sein: Es sind 10 kreisrunde Ebenen auf denen das Ehepaar zuhause ist.

Die beiden sind Eigentümer des Pinneberger Wasserturms. Eigentlich erwarben sie nur das 800-Quadratmeter-Grundstück, auf dem der Wasserturm steht. „Den Turm gab’s so dazu“, sagt der Heizungsbauer. Mitte der Neunziger sind Kosankes dann Stück für Stück eingezogen. Jetzt leben sie auf insgesamt 500 übereinander liegenden Quadratmetern.

Das Paar heiratete 1961, wohnte in einem ganz normalen Einfamilienhaus in Pinneberg und hatte drei Kinder – Ria, Jörg und Axel. Als die Kinder groß und aus dem Haus waren, beschäftigten sie sich nicht mit dem Ruhestand. Im Gegenteil. Sie legten noch einmal richtig los und machten sich mit einer Heizungsbaufirma selbstständig. „Dann kam das Angebot mit dem Wasserturm“, erinnert sich Kosanke. „Das musste ich einfach machen.“ Unerschrocken wurde das Kulturdenkmal saniert. „Ebene für Ebene. Schritt für Schritt. In der Ruhe liegt die Kraft“, sagt Erwin Kosanke. Er hatte Know-how und fähige Handwerker an seiner Seite. Und natürlich einen Statiker.


Kleiner Fahrstuhl eingebaut


Denn die Umbauten waren nicht unerheblich: Ein kleiner Fahrstuhl wurde eingebaut. Außerdem sieben Toiletten und sechs Bäder. Eine moderne Heizanlage sorgt für angenehme Wärme. Zusätzliche Stahl-Stützen, mit einem großen Kran an der Außenfassade hochgezogen, geben Standfestigkeit. Alte Grauguss-Wasserleitungen mussten ersetzt, Fenster eingebaut werden. Und sieben zusätzliche Wohn-Ebenen sind von unten nach oben nacheinander eingezogen worden. „Über drei Jahre hat das alles gedauert“, so Kosanke. „Wir haben aus dem Turm zehn Tonnen Stahl raus- und 20 wieder eingebaut.“ Das Ehepaar hält sich tagsüber, immer gemeinsam mit Hundedame Kati, hauptsächlich im ehemaligen Wasserbehälter auf. Dort stehen mehrere Sitzgruppen und es gibt eine moderne Küche. Durch die Fenster, die sich kreisförmig aneinanderreihen, haben die lebenslustigen Senioren eine Rundumsicht auf Pinneberg und die Welt. Sie erleben das Wetter hautnah und können in 22      Metern Höhe die Sonne genießen. Bei schönem Wetter ist die Sicht klar und weit. „Dann sehen wir bis Norderstedt und Blankenese“, sagt Erwin Kosanke. An den Fensterrahmen sind kleine Schilder angebracht, die die Richtung weisen. Auf einem steht Augustenhof. „Meine Heimat“, so der 79-Jährige. „Ich komme aus Pommern.“

Die schönen Aussichtsfenster müssen allerdings auch manchmal von außen geputzt werden – nicht ganz einfach, denn nach innen kann man sie nicht klappen. Wenn es mal wieder soweit ist, schnallt sich Kosanke Sicherheitsgurte um und hängt sein Fenstergestell in die vorgesehenen Arretierungen. Draußen in der Luft baumelnd, putzt er dann die Fenster. Angst kennt er nicht. „Wieso? Ich benutze doch Sicherheitsgurte. Höhenangst darf man hier allerdings nicht haben.“ Das gilt besonders auch für seine Ausflüge zur 46 Meter hohen Turmspitze: „Da bestelle ich mir eine flexible Arbeitsbühne. Kleine Reparaturen mache ich immer selbst.“ Auch die Möbel wurden per Kran in den Turm gehievt.

Neben der Wohnzimmer-Ebene im ehemaligen Wasserbehälter gibt es im Turm noch kleinere Wohn-, Büro- und Werkstatt-Bereiche. Übernachtungsbesuch bekommt eine Etage für sich. Ein Sommerschlafzimmer, das gute Luftzufuhr, aber kaum Fenster und schützende, dicke Turmwände hat, gibt es auch noch: „Optimal in Hochsommernächten“, so die Senioren. Spielsachen für die Enkel stehen im Turmzimmer, das man nur über Stiegen erklettern kann.

Angst, dass sie die gewendelten Treppenstufen und Stiegen verpassen könnten und stürzen, haben die Kosankes nicht: „Ach was. Wir sind doch fit. An sowas denken wir nicht.“

Der Wasserturm wurde von Herman Wupperman (Union-Eisenwerke) 1912 gebaut. Stadt und Firma einigten sich über eine gemeinsame Nutzung. Wupperman lieferte täglich mindestens 600 Kubikmeter Wasser – pro Kubikmeter für 15 Pfennig. 1952 kauften die Stadtwerke Wupperman das Gebäude ab, nutzen es dann aber nur noch weitere vier Jahre. 1988 wurde der Pinneberger Wasserturm offiziell ins Denkmalbuch eingetragen, 1994 an das Ehepaar Kosanke verkauft.

Der Backsteinbau liegt in einer Sackgasse am Peiner Weg. Manchmal kommen neugierige Spaziergänger vorbei: „Die fragen uns dann, was das für ein Turm ist und warum wir ausgerechnet hier wohnen“, sagt Ingeborg Kosanke. Und? Was antworten Sie? „Na, weil’s schön ist!“
Wegen Christi Himmelfahrt erscheint der nächste Teil unserer Serie „Hinter den Kulissen“ am Freitag, 26. Mai. Dann stellen wir die Bürgerinitiative Katzenschutz vor.

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