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Das Sonntagsgespräch : „In Altenheimen kann man viel Gutes tun“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute im Interview: Lisbeth Linke vom Senioren-Besuchsdienst in Pinneberg.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2017 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Lisbeth Linke gründete 2004 den Besuchsdienst für fünf Seniorenheime in Pinneberg. Sie ist selbst mit 85 Jahren immer noch ehrenamtlich aktiv und engagiert sich für die Bewohner des Seniorenwohnparks Bauernmühle. Im Sonntagsgespräch erläutert sie unter anderem, warum die Helfer in den Seniorenheimen unverzichtbar sind.

Warum engagieren Sie sich ehrenamtlich für Senioren?
Als ich nach Pinneberg zog, habe ich im Krankenhaus die Grünen Damen unterstützt. Dort sagten mir mehrere Senioren, wie sehr sie sich freuen, dass im Krankenhaus jemand für sie da ist. Viel wichtiger sei aber, dass sich auch in den Altenheimen jemand um sie kümmert. Daraufhin kam ich auf die Idee, die Besuchsdienste ins Leben zu rufen.

Was bedeutet Ihnen das Engagement?
So habe ich auch im Ruhestand eine sinnvolle Beschäftigung. Gerade in den Altenheimen kann man viel Gutes tun. Den Bewohnern ist wichtig, dass ihnen jemand zuhört und dazu beiträgt, dass sie nicht verkümmern. Anfangs war es schwierig, ehrenamtliche Helfer zu finden, weil sich niemand im Seniorenheim engagieren wollte. Heute sind alle Helfer mit großer Begeisterung dabei und freuen sich, dass ihr Einsatz so gut angenommen wird. Anerkennung und Motivation sind allen Ehrenamtlichen enorm wichtig. Ich sehe es auch als meine Aufgabe an, dass jedem verdeutlicht wird, wie wichtig das Engagement ist.

Wie viele Helfer unterstützen Sie?
In der Bauernmühle sind wir derzeit 14 ehrenamtliche Helfer. In den anderen Seniorenwohnheimen sind es leider deutlich weniger. Aufgrund meines Alters engagiere ich mich aktuell aber nur noch in der Bauernmühle.

Werden noch weitere Helfer gebraucht?
Verstärkung ist immer willkommen. Dann könnten wir in der Bauernmühle vielleicht eine Bastelgruppe einrichten. Auch eine Gymnastikgruppe wäre eine tolle Sache.

Warum sind die Besuchsdienste so wichtig?
Wir bieten etwas, was die Seniorenwohnheime gar nicht leisten können. Aufgrund der Personalknappheit in den sozialen Berufen haben die Mitarbeiter keine Möglichkeit, intensive Gespräche mit den Bewohnern zu führen. Wenn ich allein daran denke, mit wie viel Aufwand die Dokumentation verbunden ist. Dadurch bleibt weniger Zeit, sich um die Menschen zu kümmern. 

Lisbeth Linke (85) wohnte während ihres Berufslebens in Frankfurt am Main. Zur Familie der verwitweten Finanzbuchhalterin gehören zwei Kinder und fünf Enkel. Sie zog im Jahr 2003 aus der Lüneburger Heide in die Kreisstadt. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde Linke 2007 mit dem Sozialpreis der Stadt Pinneberg ausgezeichnet und auf einer Rathaus-Tafel verewigt.

Was wird denn in der Bauernmühle alles gemacht?
Bingo-Nachmittage, Handarbeiten, Gesellschaftsspiele, Gedächtnistraining, eine Männer-Skat-Runde, ein Kamin-Abend und ganz viele Gespräche - wir stellen einiges auf die Beine. Sehr wichtig ist auch der Verkaufsstand, den wir immer donnerstags einrichten. Dort können die Bewohner kaufen, was sie benötigen. Diese Möglichkeit gibt ihnen das Gefühl, dass sie noch selbstständig sind.

Gibt es besondere Erinnerungen, die Sie mit Ihrer Arbeit verbinden?
Es gibt etliche Schicksale, die mich berührten. So wartete eine Frau an ihrem 80. Geburtstag sehnsüchtig auf ihren Sohn. Der besuchte sie aber erst einen Tag später. Manche Kinder kommen zudem grundsätzlich am ersten Tag im Monat vorbei, weil sie Geld brauchen. Es erschrickt mich immer wieder, wie gleichgültig vielen Söhnen und Töchtern ihre Eltern sind. Deshalb brauchen uns auch so viele Senioren. So haben sie jemanden, mit dem sie über ihre Probleme sprechen können.

Wie haben Sie vor kurzem das Aus für das Seniorenwohnheim Kummerfeld erlebt?
Es ist einfach schrecklich, wenn die Bewohner aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen werden. Viele finden sich nur schwer in ihrem neuen Umfeld zurecht.

Was bedeuten Ihnen Auszeichnungen wie der Sozialpreis, den Ihnen die Stadt Pinneberg verliehen hat?
So eine Auszeichnung ist wichtig, weil sie die Arbeit in den Altenheimen in den Blickpunkt rückt. Das hilft dabei, weitere ehrenamtliche Helfer zu gewinnen.

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