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Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 02:04 Uhr

Kreis Pinneberg : Impfungen: Fluch oder Segen?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Masern sind wieder auf dem Vormarsch: Kreisweit bereits fünf Fälle in diesem Jahr. Zweite Impfung für alle ab Jahrgang 1970 empfohlen. Ärzte sprechen über Schutz und Risiken.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2015 | 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | „In diesem Jahr haben wir entgegen aller Gewohnheit bereits fünf Masernfälle im Kreis Pinneberg. Das ist ungewöhnlich“, bestätigt Dr. Angelika Roschning vom Fachdienst Gesundheit des Kreises Pinneberg. Bereits in den vergangenen Tagen waren Schlagzeilen durch die Presse gegangen wie „Berlin meldet Rekordzahl an Masernpatienten“ oder „Die Ausrottung der Masern ist gescheitert“. Die Auswirkungen großer Impflücken in der Bevölkerung könnten sich nun also auch im Kreis bemerkbar machen. 

„Es ist keine harmlose Kinderkrankheit“, so Roschning. Von den fünf an Masern erkrankten Patienten im Kreis – alle zwischen 15 und 51 Jahren alt – seien zwei stationär im Krankenhaus behandelt und inzwischen wieder entlassen worden. Alle Fälle von Masern sind meldepflichtig und damit dem Fachdienst Gesundheit des Kreises bekannt. Die Erkrankung könne gefährlich werden, mit Komplikationen verbunden sein und laut Roschning im schlimmsten Fall Gehirn- und Mittelohrentzündungen verursachen, die zu Taubheit führen könnten. Eine Spätfolge könne auch eine unheilbare Form der Enzephalitis sein, bei der es Jahre nach der Erkrankung zum Abbau im Gehirn komme.

Roschning erläutert weiter: „Deutschland ist dabei, das von der WHO gesetzte Ziel, die Masern 2015 auszurotten, zu verfehlen.“ 374 Masern-Fälle gab es  laut Robert-Koch-Institut bereits deutschlandweit in den ersten vier Wochen dieses Jahres. Deutschland hat sich der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegenüber verpflichtet, bis 2015 die Masern und Röteln zu eliminieren. Für Deutschland bedeutet dies, dass laut Bundesministerium für Gesundheit ab 2015 nicht mehr als 82 Masernfälle pro Jahr auftreten dürfen. Mehr als 95 Prozent der Bevölkerung müssten sich dafür jeweils zweimal im Leben gegen Masern impfen lassen, so Roschning. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts lagen die Impfquoten im Mai 2013 noch deutlich darunter: Die Masernimpfquote sei bei den 18- bis 29-Jährigen mit 79,8 Prozent am höchsten und sinke mit zunehmendem Alter auf 3,8 Prozent bei den 60- bis 64-Jährigen. „Die Impfmüdigkeit ist aus meiner Sicht eine gefährliche Entwicklung“, sagt Dr. Oliver Hader, Chefarzt für innere Medizin sowie ärztlicher Direktor am Klinikum Elmshorn. Sei eine größere Bevölkerungsgruppe nicht geimpft, könne sich die Krankheit verbreiten.

„Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt allen nach 1970 Geborenen, die gar nicht oder in früher Kindheit nur einmal geimpft wurden, das nachzuholen“, so Roschning. Nur, wer die Erkrankung  durchgemacht habe, sei immun.  „Die meisten nach 1970 geborenen waren nicht mehr erkrankt.“ Impfen lassen sollten sich auch diejenigen, die ihren Impfpass verloren haben oder nichts mehr darüber wissen, rät die Ärztin. Geimpft werde eine Kombination gegen Masern, Mumps und Röteln. Erste Symptome von Masern ähnelten denen einer Erkältung. Dann käme der Hautausschlag dazu. „Die Krux ist, dass bereits vor Ausbrechen des Hautausschlags Ansteckungsgefahr besteht. Es handelt sich um eine Tröpfcheninfektion. Jeder Ungeimpfte, der sich auch nur kurze Zeit mit einem Masernerkrankten in einem Raum aufhält, wird zu 90 Prozent erkranken.“ Allerdings stellt sie auch klar: „Eine 100-prozentige Garantie gibt es auch nach der Impfung nicht. Aber man ist zu einem hohen Maße geschützt – ein Leben lang.“

Neben einem Anstieg der Masernerkrankungen verzeichnet der Fachdienst Gesundheit vermehrt Influenza-Fälle. Seit Januar sind im Kreis 30 Erkrankungen bestätigt worden. 2014 seien es von Januar bis April nur neun Fälle gewesen. „Wir sind am Beginn einer Influenza-Welle“, warnt Roschning. Hier rate die Stiko insbesondere älteren Menschen ab 60 Jahren zu einer vorbeugenden Schutzimpfung.

Der Fachdienst Gesundheit des Kreises Pinneberg bietet regelmäßig Impfberatungen an und führt folgende Impfungen durch: Diphtherie, Tetanus, Polio, Pertussis (Keuchhusten), Varizellen (Windpocken), Hib (Haemophilus-influenzae-b-Infektion), Masern, Mumps, Röteln, Hepatitis B (bis zum 18. Lebensjahr gebührenfrei). Diese Impfungen sind für gesetzlich krankenversicherte Personen kostenlos. Die Impfsprechstunden finden statt in Elmshorn: Jeden zweiten Dienstag im Monat, 16 bis 17 Uhr, im Kreishaus, Kurt-Wagener-Straße 11, Haus 1. Pinneberg: Jeden ersten Donnerstag im Monat, 16 bis 18 Uhr, und jeden dritten Donnerstag im Monat, 14 bis 15 Uhr, Damm 25. Wedel: jeden vierten Mittwoch im Monat, 14 bis 15 Uhr, Tinsdaler Weg 38. Impfpass und Versicherungskarte sollten mitgebracht werden. Terminvereinbarungen sind nicht nötig. Ergänzend erfolgen Beratungen und  Impfungen vor einer Fernreise in Pinneberg und Elmshorn gegen Gebühr. Eine Anmeldung unter Telefon 04121-45023329 ist nötig.
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