Den Müll-Tätern auf der Spur : Immer wieder kommt die Polizei den „Entsorgern“ auf die Spur

Vor wenigen Wochen an einem Feldweg in Pinneberg: Hier neben dem Gewerbegebiet Nord stehen einige Altglas- und Altpapiercontainer. Und hinter diesen Container ist die Fläche, auf dem dieser Müll – unter anderem aus dem Sanitärbereich – entladen wurde.
Vor wenigen Wochen an einem Feldweg in Pinneberg: Hier neben dem Gewerbegebiet Nord stehen einige Altglas- und Altpapiercontainer. Und hinter diesen Container ist die Fläche, auf dem dieser Müll – unter anderem aus dem Sanitärbereich – entladen wurde.

Der Kreis zahlt für illlegale Müllkippen jährlich fast 5000 Euro.

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24. März 2017, 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Es war kein alltäglicher Einsatz für den Ermittlungsdienst Umwelt und Verkehr der Polizei im Kreis Pinneberg: sowohl bezogen auf die Menge als auch auf den Stoff. An einem Feldweg in Klein Offenseth-Sparrieshoop hatten Spaziergänger einen Haufen Asbestplatten in den Dimensionen eines privaten Osterfeuers entdeckt. Die Ermittler fotografierten das krebserregende Baumaterial und versuchten so, auf die Schlichte desjenigen zu kommen, der die Wellzementplatten entsorgt hatte. Denn: Wird der Verursacher nicht ermittelt, muss der Grundstückseigentümer zahlen – das ist in manchen Fällen die Gemeinde und damit der Steuerzahler.

Unerlaubter Umgang mit Abfällen ist eine Straftat und wird im Paragraphen 326 des Strafgesetzbuchs geregelt. Demnach wird, wer unbefugt gesundheits- und umweltgefährdende Abfälle entsorgt, mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft. Dazu zählen nicht nur Asbestplatten, alte Lackfarben und andere Dinge, die eindeutig als giftig zu identifizieren sind, sondern beispielsweise auch Elektrogeräte und Batterien, die umweltgefährdende Stoffe enthalten. Wer nicht-gefährdenden Stoffe illegal entsorgt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss ein Bußgeld zahlen.  Dieses reicht von der Strafe für ein weggeworfenes Taschentuch – hierfür sind in Schleswig-Holstein laut Bußgeldkatalog zehn Euro fällig – über ein in die Landschaft geworfenes Fahrrad – 20 bis 100 Euro – bis zu den Kosten für eine größere Menge Altreifen, die an einen Feldweg gekippt wurden: Dafür sind bis zu 1000 Euro fällig.

Nach Angaben von Kreissprecher Oliver Carstens gab es im vergangenen Jahr im Kreis Pinneberg etwa 60 bis 70 Fälle von Müllablagerungen in einer Menge von mehr als fünf Kubikmetern. Bei kleineren Mengen sind jeweils die Gemeinden beziehungsweise Städte verantwortlich. In den weitaus meisten Fällen wurden bei den Funden, für die der Kreis zuständig ist, die Verursacher beziehungsweise Grundstückseigentümer zur ordnungsgemäßen Entsorgung der Abfälle aufgefordert: „Diese Entsorgung wurde von hier auch entsprechend überwacht“, so Carstens. Besonders nervig für Grundbesitzer ist dabei der Umstand, dass sie zunächst einmal für illegal auf ihrem Gelände abgeladenen Müll verantwortlich sind. Im Klartext: Wirft irgendjemand in der Nacht einen alten Schrank oder eine alte Kloschüssel über den Zaun auf ein Privatgelände ab – und bleibt dabei unerkannt –, so muss der Besitzer dieses Grundstücks für die Entsorgung zahlen. Das gleiche Prinzip gilt für öffentlichen Grund: Wird der Verursacher nicht ermittelt, muss bei Mengen ab fünf Kubikmetern der Kreis zahlen, bei geringeren Mengen die jeweilige Gemeinde. Die Kosten dafür beliefen sich auf Kreisebene auf etwa 3000 bis 4000 Euro.

Ein besonders gravierender Fall, bei dem der Kreis letztlich zahlen musste: Im April 2016 wurden in Bullenkuhlen knapp 150 Altreifen auf einem Feldweg unzulässigerweise entsorgt. Carstens: „Hier wurde mangels Kenntnis über einen Verursacher die Entsorgung beauftragt.“ Es handelte sich dabei um einen Abfallhaufen mit einem Gewicht von 1,1 Tonnen. Schwerpunkte gibt es laut Carstens nicht. „Es verteilt sich über das gesamte Kreisgebiet, wobei die größeren Städte mehr betroffen sind.“

Alexander Rohde vom Ermittlungsdienst Umwelt und Verkehr der Polizei im Kreis Pinneberg und seine Leute rücken oft als erste aus, wenn illegal entsorgter Müll gemeldet wird. Oder sie werden bei ihren Kontrollfahrten fündig. Er weist darauf hin, dass auch immer wieder Müll neben Altglas- oder Altpapiercontainer gestellt wird: Flaschen, zu große Pappkartons oder auch alte Fernseher und Bauschutt. „Es bringt nichts, das ganze neben Müllcontainern zu platzieren – es bleibt eine Straftat“, betont Rohde.

Die Ermittler durchsuchen den Müll nach möglichen Hinweisen. Steckt vielleicht ein Umschlag mit einer Adresse in dem Haufen? Wo sind in der Nähe gerade Baustellen? Manchmal hilft auch eine Öffentlichkeitsfahnung mit Fotos. Wie im Fall des Asbesthaufens in Klein Offenseth-Sparrieshoop vor knapp einem Jahr. Zeugen meldeten sich, die einen verdächtigen Lieferwagen gesehen hatten. Das Kennzeichen führte zum Fahrzeughalter. Und bei diesem vor Ort stellten die Ermittler fest, dass gerade die Garage saniert wurde. „Die Zusammenhänge waren ziemlich deutlich“, so Rohde. Aktuell läuft noch das Verfahren wegen unerlaubten Umgangs mit Abfällen.

Wer Möbel oder Elektrogeräte loswerden will, die noch gut erhalten sind und eigentlich viel zu schade für den Müll, kann diese auch spenden. Die Abholung übernimmt im Kreis Pinneberg die Awo 04101-561-61 oder -62. Sie werden an Bedürftige weitervermittelt. Gesucht werden Möbel, Elektrogeräte, Fahrräder, Geschirr, Hausrat, Gardinen, Spielzeug und Kleidung.
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