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Gewerkschaft schlägt Alarm : Immer mehr unsichere Jobs

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Rekord bei den Teilzeit und Minijobs. IG Bau sieht Parteien und Arbeitgeber in der Pflicht.

shz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Etwa 43.800 Menschen im Kreis Pinneberg arbeiten nach Angaben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) in Teilzeit, Leiharbeit oder sie haben einen Minijob als alleiniges Einkommen. Damit sei der Anteil der sogenannten atypischen Beschäftigung an allen Arbeitsverhältnissen im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert von 42 Prozent gestiegen.

Die IG Bau beruft sich auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die die Entwicklung am Arbeitsmarkt im Kreis Pinneberg seit dem Jahr 2003 untersucht hat. Damals lag die Quote atypischer Jobs noch bei 32 Prozent. IG-Bau-Bezirkschef Ralf Olschewski spricht von einem Alarmsignal an die Politik. „Es kann nicht sein, dass wir einerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, aber andererseits so viele Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten“, sagt Olschewski. Da sei etwas in Schieflage geraten. Der unbefristete Vollzeit-Job müsse wieder zum Normalfall werden.

Nach Angaben der Böckler-Stiftung hat im Kreis Pinneberg besonders die Teilzeit-Beschäftigung drastisch zugenommen: Arbeiteten 2003 noch etwa 13.700 Erwerbstätige in Teilzeit, waren es 2016 bereits etwa 24.500 – ein Anstieg von 79 Prozent. „Gerade für Frauen ist es nach einer Familienpause enorm schwer, wieder voll in den Beruf einzusteigen. Gegen die Teilzeit-Falle brauchen wir endlich ein verbrieftes Rückkehrrecht in Vollzeit“, sagt Olschewski. Ein entsprechender Gesetzentwurf der Großen Koalition war in diesem Frühjahr am Widerstand der Union gescheitert.

Auch bei Minijobs gibt es der Studie zufolge keine Entwarnung: Rund 17.100 Menschen im Kreis Pinneberg waren 2016 ausschließlich geringfügig beschäftigt. 2003 waren es 15.400. In der Gebäudereinigung machten Minijobs mittlerweile die Hälfte aller Arbeitsplätze aus. Auch da seien es besonders Frauen, die nach einem Jobverlust oder einer Trennung in Hartz IV abrutschten.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im September fordert die IG Bau von den Parteien Konzepte „gegen die Unwucht am Arbeitsmarkt“. Dazu müsse die Abschaffung der Befristungen ohne sachlichen Grund genauso gehören wie die Einbeziehung von Minijobs in die Sozialversicherung. „Dabei sind auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Statt aufs Billigprinzip, sollten Chefs auf Kontinuität setzen“, so Olschewski. Wer heute vollwertige Stellen schaffe, brauche sich morgen nicht um fehlende Fachkräfte sorgen.

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