Immer mehr Tiere brauchen Hilfe

Verjüngungskur: Julia Fladda (links) wurde als Schriftführerin, Chris Bernsee (Mitte) als Vorsitzender und Franziska Bückig als seine Stellvertreterin in den Vorstand gewählt. Schatzmeiser Peter Hahnkamm (rechts) wurde wiedergewählt. Sprecher Peter Dorendorf komplettiert den Vorstand.
1 von 2
Verjüngungskur: Julia Fladda (links) wurde als Schriftführerin, Chris Bernsee (Mitte) als Vorsitzender und Franziska Bückig als seine Stellvertreterin in den Vorstand gewählt. Schatzmeiser Peter Hahnkamm (rechts) wurde wiedergewählt. Sprecher Peter Dorendorf komplettiert den Vorstand.

Pinneberger Tierschutzbeauftragte haben es mit Katzen, Hunden, aber auch Pferden und Schlangen zu tun

shz.de von
29. Juni 2019, 16:23 Uhr

Pinneberg | „Unsere Aufgaben werden jedes Jahr mehr. Es gibt mehr Tiere, denen wir helfen können, aber auch denen wir helfen müssen“, sagte Peter Dorendorf, Pressesprecher des Tierschutzvereins Pinneberg und Tierschutzbeauftragter, während der Jahreshauptversammlung am Donnerstag. Zu 258  Tierschutzeinsätzen rückte er mit der Vorsitzenden Brigitte Meier im vergangenen Jahr aus. „Das sind mehr Einsätze als wir Mitglieder haben“, sagte Dorendorf. 188 Mitglieder gehörten dem Verein Ende 2018 an.

Doch eine Wende ist nicht Sicht. Etwas resigniert wirkend und kopfschüttelnd erläuterte Dorendorf: „Von 2019 will ich gar nicht sprechen. Da sind wir leider weiter auf dem aufsteigenden Ast. Die 258 Einsätze werden wir traurigerweise wohl knacken.“

„Wir stellen immer mehr Haltungsprobleme fest“, sagte Dorendorf. Da gelte für die Haltung von Wildtieren in Privatwohnungen, den Umgang mit Katzen, Hunden, Vögeln, aber auch Pferden. „Wir hatten im vergangenen Jahr 16 Pferde. Ich habe manchmal das Gefühl, dass einige meinen: Mein Haus, mein Auto, mein Boot, mein Pferd. Das muss man einfach haben. Am Ende wird das Pferd aber behandelt wie ein Auto und nur geparkt. Fell- und Hufpflege sind Fremdworte“, erläutert Dorendorf. „Und dann bekommen wir zu hören: ,Was wollen Sie denn? Ich füttere es doch.’ Da könnte einem manchmal der Kragen platzen“, so der Tierschutzbeauftragte.

Gar nicht gut zu sprechen ist Dorendorf auf die Stadt Pinneberg. Der Tierschutzverein unterstützt die Kastration wildlebender Katzen. „Bei einem Kater sieht man es, aber bei einer Katze kann man nach kurzer Zeit nicht mehr feststellen, dass sie kastriert wurde“, erläuterte Dorendorf. Es habe Fälle gegeben, bei denen Katzen ein zweites Mal aufgeschnitten wurden, Ärzte dann aber feststellten, dass der Eingriff bereits erfolgt war. „Das muss nicht sein“, sagt Dorendorf. Ein Chip könnte helfen. Dort werden Daten hinterlegt. „Pinneberg bezahlt das Chippen nicht. Wir stellen die Chips kostenlos zur Verfügung, aber wenn das auf der Arztrechnung auftaucht, wird diese reduziert, weil es nicht notwendig sei zur Gefahrenabwehr. Das ist schizophren.“

Wird ein verwahrlostes Tier gemeldet oder ein Halter, der sein Tier schlecht behandelt, rücken Meier und Dorendorf aus. „Wir werden oft von Nachbarn verständigt“, erläuterte Meier. „Die Leute wissen mittlerweile, dass wir uns um solche Fälle kümmern“, erläuterte Dorendorf. Oft sei Unwissenheit bei den Haltern festzustellen. Dann laden die Tierschutzbeauftragten diese zum Tierschutzplatz ein, beraten, geben Hilfe. „Wenn es gar nicht geht, holen wir den Hammer raus“, sagt Dorendorf. Vor allem ein Hundehalter sei ihm in Erinnerung geblieben. Das Tier konnte die Hinterbeine nicht mehr bewegen. „Er hat ihn einfach am Schwanz hochgezogen und meinte, dass der Hund ja so laufen könne“, echauffierte sich Dorendorf. „Dann meinte er, ein Spezialarzt aus Süddeutschland habe das Ziehen am Schwanz legitimiert.“ Dorendorf und Meier schalteten das Ordnungsamt und das Kreisveterinäramt ein. Zwei Wochen später wurde der Hund eingeschläfert. „Das tut uns leid und weh, aber manchmal ist es für das Tier das Beste“, so Dorendorf.

Doch außer bei Haustieren werden die Tierschutzbeauftragten auch bei Wildtieren wie Madern, Sperbern oder Uhus gerufen. „Manchmal sind auch Schlangen dabei. Wir haben eine Königsnatter eingefangen. Die war eineinhalb Meter lang. Die ist nicht giftig, aber wenn sie zubeißt, tut es ordentlich weh“, erläuterte Dorendorf. Bei solchen Einsätzen komme auch das Wildtier- und Artenschutzzentrum in Klein Offenseth-Sparrieshoop zum Einsatz. „Wildtiere geben wir quasi alle dort ab. Wir arbeiten gut zusammen“, sagte Dorendorf. Das gelte nicht nur bei Fundtieren oder verletzten Wildtieren, sondern auch bei Futterspenden. „Wenn wir Futter für Igel oder Wildtiere bekommen, geben wir es oft weiter“, so Dorendorf, der die Pinneberger Tiertafel 2012 gegründet hat. „2018 war ein gutes Jahr in Sachen Futterspenden. Es war sagenhaft viel, aber wir sind auch viel rumgefahren zum Klinkenputzen“, erläuterte der Tierschützer. Aber auch Privatpersonen seien oft an der Ausgabe Am Hafen 52, um ihre Spenden abzugeben. „Das Internet hat für uns den Vorteil, dass Futter oft säckeweise bestellt wird, der Hund es aber nicht frisst und die Katze es nicht mag“, so Meier. Dorendorf sieht einen wichtigen Helfer für sein Projekt: „Katzen sind schlau. Katzen sind unsere besten Verbündeten. Sie wissen, dass sie uns helfen, wenn sie Futter nicht mögen“, sagt er augenzwinkernd.


>tierschutzverein-pinneberg.de

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen